Verkehrspolitischer VCD-Abend: Mehr Bahn braucht das Land!

Am 16. Mai 2019, um 19 Uhr veranstaltet der VCD in Schwäbisch Hall, Theatersaal im „Alten Schlachthaus“, Haalstr. 9 einen verkehrspolitischen Abend mit Diskussion zum Thema: Mehr Bahn braucht das Land! Ausbau, Reaktivierung jetzt!

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Der Flyer zum verkehrspolitischen VCD-Abend in Schwäbisch Hall

Kein Klimaschutz ohne Verkehrswende! Wie können attraktive Bahnangebote den Öffentlichen Verkehr im ländlichen Raum stärken und zum Rückgrat der Verkehrswende werden? Was muss geschehen, damit Bahnfahren auch in der Region Hall-Heilbronn-Hohenlohe wieder attraktiv wird? Welche Konzepte und Ideen gibt es für die Wiederbelebung ehemaliger Bahnstrecken? Welche Forderungen und Ideen hat der ökologische Verkehrsclub Deutschland VCD für eine ernstgemeinte Verkehrswende? Moderne Wasserstoff-, Hybrid- oder Batteriezüge wie der FLIRT Akku von Stadler bieten Chancen für eine Renaissance der Bahn und die Erweiterung des Netzes auch auf nicht elektrifizierten Strecken.

Gerhard Schnaitmann, langjähriger Mitarbeiter der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, spricht über Chancen und Möglichkeiten für den regionalen Bahnverkehr und die Wiederbelebung ehemaliger Bahnstrecken.

Matthias Lieb, VCD-Landesvorsitzender, erläutert die VCDKernforderungen für die Verkehrswende und berichtet über den Einsatz und die Ideen des VCD für eine attraktive und moderne Bahn im Land. Anschließend besteht die Gelegenheit für Fragen und zur Diskussion. Hier gibt es den VCD-Flyer zum Download

Das Landesverkehrsministerium hat jetzt eine Liste mit stillgelegten Bahnstrecken und Potenzial für eine mögliche Reaktivierung vorgelegt und will diese Projekte weiter untersuchen. Dazu gehören auch die Zabergäubahn Laufen – Zaberfeld sowie die Strecke von Waldenburg nach Künzelsau.

 

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Mit Batteriezügen in die Zukunft der Zabergäubahn

Die Heilbronner Stimme berichtet aktuell, dass die ersten Ergebnisse für die Standardisierte Bewertung zur Reaktivierung der etwa 20 Kilometer langen Zabergäubahn zwischen Lauffen/Neckar und Zaberfeld im Rahmen des Heilbronner Stadtbahn-Konzeptes negativ ausfallen. Von dem angepeilten volkswirtschaftlichen Nutzen sei das Projekt noch weit entfernt, sagt Landrat Detlef Piepenburg im Interview. Aus diesem Anlass fordert der VCD in der Region Hall-Heilbronn-Hohenlohe die Verantwortlichen erneut dazu auf, den Einsatz moderner Triebwagen mit Batterieantrieb zur Reaktivierung der Zabergäubahn ernsthaft zu prüfen. Solche Züge könnten umweltfreundlich unter der elektrischen Oberleitung auf der Frankenbahn zwischen Heilbronn bzw. Stuttgart und Lauffen verkehren, und dann mit Batterieantrieb auf die rund 20 Kilometer lange Zabergäubahn abbiegen. Beim Einsatz von Vollbahn-Fahrzeugen könnten Direktverbindungen aus dem Zabergäu sowohl in Richtung Heilbronn als auch in Richtung Stuttgart geschaffen werden, was bei einem reinen Betrieb mit Heilbronner Stadtbahnen nicht möglich wäre. Ein entsprechendes Konzept des VCD zum SPNV rund um Heilbronn findet sich im Weblog zur Frankenbahn.

Der Fahrzeughersteller Stadler etwa hat im Oktober 2018 in Berlin eine neue Variante seiner FLIRT-Triebzüge mit zusätzlichem Batterie-Betrieb vorgestellt. Der FLIRT Akku ist mit den elektrischen FLIRT-Fahrzeugen kompatibel und erreicht im Batteriebetrieb eine Reichweite von 80 Kilometern bei Tempo 140. Die Batterien können während der Fahrt unter Oberleitung, per Bremsenergie oder an der Endstation wieder geladen werden. Neben Stadler bieten inzwischen auch Bombardier mit dem Talent 3 und Siemens mit dem Cityjet Eco elektrische Triebzüge mit zusätzlichem Batterieantrieb an.

„Ein solches elektrisches Fahrzeug mit Batterien wäre der ideale Zug für einen kostengünstigen Betrieb der Stadtbahn Süd ins Zabergäu, da man sich die gesamte teure Elektrifizierung der Zabergäubahn sparen könnte“, sagt VCD-Vorstandsmitglied Hans-Martin Sauter.

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Wo bleibt im Raum Heilbronn das intelligente Mobilitätskonzept?

In seiner wöchentlichen Kolumne „360 Grad“ spricht Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme unter anderen über die nicht eingelösten Wahlversprechen des Heilbronner Oberbürgermeisters Harry Mergel unter anderem zu einem intelligenten Mobilitäts- und Verkehrssystem. Mit großem Interesse haben wir als ökologischer Verkehrsclub VCD damals von seinen Ankündigungen für eine neue und zukunftsfähige Mobilität gelesen. Doch was ist seitdem außer dem Einsatz von Arbeitsgruppen passiert? Fährt auch nur ein einziger Bus mehr in Heilbronn? Arbeiten Stadt- und Landkreis endlich zusammen an der Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs (ÖV)?

Wie sollen denn die vielen betroffenen BürgerInnen künftig in die Stadt kommen, falls es auch in Heilbronn demnächst vom Gericht angeordnete Diesel-Fahrverbote geben wird? Was nutzt uns ein Mobilitätskonzept 2030 im Jahre 2019?

Man braucht keine Gutachten oder Arbeitsgruppen, um schnell konkrete und bessere Mobilitätsangebote zu schaffen. Dazu muss man nur selbst einmal den ÖV nutzen, um die Defizite zu erkennen. Man liest es in den Kommentaren zu Artikeln in Ihrer Zeitung immer wieder: Die BürgerInnen wünschen sich grundsätzlich engere Takte und zusätzliche Verbindungen mit dem ÖV, damit sie auch ohne lange Wartezeiten und ohne zweimal Umsteigen zur Arbeit und wieder zurück fahren können. Oder abends entspannt in Heilbronn ausgehen und auch öfter als einmal in der Stunde wieder nach Hause fahren können. Und dabei ist es ihnen egal, ob sie sich im Land- oder Stadtkreis bewegen. Welcher Pendler nutzt denn bitte einen Bus wie etwa zwischen Heilbronn und Erlenbach (quasi ein Vorort), wenn dieser nur einmal in der Stunde bis spätestens 19:30 Uhr verkehrt?

Ist dem OB und der Verwaltung überhaupt bewusst, dass es keinerlei Busverbindungen zwischen Heilbronn und Neckarsulm gibt? Dass selbst in der Hauptverkehrszeit nur dreimal in der Stunde eine Stadtbahn verkehrt? Dass es z.B. zwischen 7.25 Uhr und 8:03 Uhr keinerlei Stadtbahnfahrt von Heilbronn nach Neckarsulm gibt?

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Lediglich drei Stadtbahnen in der Stunde zwischen Heilbronn und Neckarsulm sind keine ernsthafte Alternative

Dass MitarbeiterInnen in den Zentralen von Lidl oder Bechtle von Heilbronn aus ihre Arbeitsstätten mit dem ÖV nicht erreichen können? Dass man von Heilbronn aus das Klinikum am Plattenwald nicht ohne Umsteigen erreichen kann? Und auch nicht das Klinikum Gesundbrunnen aus dem Landkreis? Dass man nicht einmal von Neckargartach aus mit dem Bus nach Neckarsulm fahren kann? Dass etwa beim Kaufland Neckarsulm Regional- und Stadtbus in nur wenigen Metern Entfernung an jeweils eigenen Haltestellen aneinander vorbei fahren und es keine Verknüpfung gibt?

Auch der sogenannte „Mobilitätspakt Heilbronn/Neckarsulm“ tritt auf der Stelle. Im Grunde ist das primär eine große Ansammlung von Straßenbauprojekten, die sich meist bereits in der Schublade befanden. Bis heute ist kein wirklich kreativer Input von Seiten der Stadt Heilbronn oder des Landkreises für eine wirklich spürbare Verbesserung des ÖV erkennbar. Dass ein paar zusätzliche Züge zu den Audi-Schichtzeiten am Haltepunkt Neckarsulm Nord stoppen oder nun die letzte Stadtbahn in Bad Friedrichshall geflügelt wird und ein Zugteil auch nach Mosbach fährt – das sind eigentlich längst überfällige Selbstverständlichkeiten, die primär der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg zu verdanken sind. Nach eineinhalb Jahren Diskutieren wahrlich große Fortschritte…

Gleichzeitig berichtet die Heilbronner Stimme in der Serie zum Thema Mobilität über Möglichkeiten des ÖV-Ausbaus und die erschreckende Ideenlosigkeit der verantwortlichen Akteure in Heilbronn. Eine Ausweitung der Takte oder gar neue Buslinien für bessere Querverbindungen zwischen den Stadtteilen seien „nicht darstellbar“ wird der Leiter der Verkehrsbetriebe zitiert.

Nachwievor wird der ÖV in der Region Heilbronn leider nur verwaltet und nicht gestaltet. Als VCD hatten wir gehofft, dass den Ankündigungen des OB endlich auch Taten folgen würden. Wo ist denn die Arbeitsgruppe, die ein konkretes Konzept für einen vernetzten ÖV in Stadt- und Landkreis erstellt? Wo ist die verantwortliche Aufgabenträgerorganisation, die dieses Konzept auch Realität werden lässt? Wo ist denn der 7,5-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit innerhalb Heilbronns? Wo bleibt der 15-Minuten-Takt im Ballungsraum Heilbronn? Wo sind die Nachtbusse in den Landkreis? Wann kommen die dringend benötigten zusätzlichen Stadtbahnfahrten? Warum hält im Stadtteil Klingenberg direkt an der Neckartalbahn bis heute keine Stadtbahn? Wieso nutzt der HNV nicht das Angebot des Landes, durch Zuschüsse die Ticketpreise deutlich zu senken, so wie es in Stuttgart geschieht?

Fragen über Fragen…

Michael Schwager, Vorstandsmitglied im Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) Regionalverband Hall-Heilbronn-Hohenlohe

VCD fordert rasche Maßnahmen für bessere Luft in Heilbronn: Stadtbahn stärken, ÖV ausbauen und Ticketpreise senken

LA21-HN-S42-AustrasseIn einer aktuellen Pressemitteilung begrüßt der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) in der Region Hall, Heilbronn, Hohenlohe die Debatte über den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs (ÖV) für bessere Luft in den Städten und fordert die Verantwortlichen endlich zum Handeln auf. Nur der massive ÖV-Ausbau kann Bürgerinnen und Bürgern attraktive Mobilitätsalternativen bieten und somit den Autoverkehr auch in Heilbronn verringern. Das Angebot bei der Stadtbahn und in den Nebenzeiten muss verdichtet werden. „Wer weniger Autoverkehr in den Städten und damit bessere Luft haben will, muss den ÖV stärken und endlich die Verkehrswende einleiten“, erklärt VCD-Vorstandsmitglied Hans-Martin Sauter. Dazu gehörten engere Takte bei Bahn und Bus sowie deutlich niedrigere Ticketpreise.

BürgerInnen fordern mehr Stadtbahn für Heilbronn

ÖPNV-Konzept der LA21 Heilbronn

ÖPNV-Konzept der LA21 Heilbronn

Engagierte Bürgerinnen und Bürger haben unter der Moderation des Arbeitskreises Mobilität der Lokalen Agenda21 in Heilbronn ein Konzept für einen besseren und attraktiveren Öffentlichen Verkehr (ÖV) vorgelegt. Ziel war es, Maßnahmen zu definieren, um mehr Menschen in Busse und Bahnen zu bringen. Gefordert werden unter anderem engere Takte bei Bus und Stadtbahn, eine bessere Vernetzung der Verkehrsmittel und ein optimiertes Liniennetz mit neuen Querverbindungen. Die Stadtbahn sollte als Rückgrat des ÖV in Heilbronn etabliert und besser mit dem Busverkehr vernetzt werden. Zudem bräuchte es Verstärkungsfahrten der Stadtbahn zwischen Hauptbahnhof und Neckarsulm sowie Pfühlpark und Neckarsulm, da dies als Straßenbahnbetrieb unter der Verantwortung der Stadtwerke Heilbronn erfolgen könnte. In das Konzept eingeflossen sind auch Ideen und Vorschläge des VCD.

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Stadtbahn Süd: Fortschritte bei der Verwirklichung des „TramTrain Bottwartal“

BottwartalbahnNeuigkeiten gibt es von der Bürgeraktion Bottwartalbahn zum Wiederaufbau der ehemaligen Bottwartalbahn als moderne Stadtbahn von Marbach bis in die Heilbronner City. „In den letzten Monaten gab es zahlreiche Vortragstermine, Termine für Gespräche mit den Bürgermeistern, Ortsbesichtigungen und Diskussionen mit den politischen Vertretern“, berichtet Sprecher Hans-Joachim Knupfer. Den Anlass dazu gab zunächst eine politische Anregung aus Marbach mit dem Ziel, das bestehende (und rechtlich gewidmete) Eisenbahngleis der Bottwarbahn in Marbach, die 1,7 km bis zum ehemaligen Abzweig zum einstigen Kraftwerk Marbach, in einen Radweg umzuwidmen. Unabhängig davon, aber zeitlich parallel erschien der Entwurf zum neuen Regionalverkehrsplan der Region Stuttgart, der – wie schon im letzten Plan, der vor weit über zehn Jahren erschien – die Freihaltetrasse für eine Stadtbahnstrecke zwischen Marbach und Beilstein als „Vorhaben hoher Dringlichkeit“ einstuft. Bis dahin war die politische Haltung im Bottwartal oft etwa so: Wenn „Stuttgart“ schon so viele Jahre „hohe Dringlichkeit“ sehe, aber niemand etwas für dieses Vorhaben tue, dann könne es auch nicht so wichtig sein.

„Die aktuelle Diskussion in der Region Stuttgart um die Luftbelastung durch den Autoverkehr und diskutierte Fahrverbote haben aber in den letzten Monaten ganz offensichtlich ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern bewirkt“, stellt Knupfer fest. Mit jedem Monat, in dem die Initiative größere Auszüge und Zusammenhänge ihrer Entwürfe für ein aktuelles Stadtbahnkonzept präsentierten, wuchs die einhellige Zustimmung in den politischen Lagern.

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Westfrankenbahn fährt weiter bis Ende 2031 – keine Innovationen in Sicht

Westfrankenbahn Desiro Weinsberg

Desiro der Westfrankenbahn in Weinsberg ©SCRITTI

Die DB RegioNetz Verkehrs GmbH, die Muttergesellschaft der Westfrankenbahn, hat nach Angaben des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg jetzt den rechtskräftigen Zuschlag für den Betrieb des SPNV-Netzes 11 „Hohenlohe-Franken-Untermain“ erhalten. Ab Ende 2019 soll der Stundentakt zwischen Heilbronn und Schwäbisch hall kommen. Dies werden dann die letzten von der DB erbrachten SPNV-Leistungen in der Region Heilbronn sein. Der VCD kritisiert den weiteren Einsatz von gebrauchten Dieselfahrzeugen unter elektrischer Oberleitung.
Einsprüche von unterlegenen Bietern innerhalb der Einspruchsfrist seien nicht eingegangen, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Das SPNV-Netz 11 umfasst die Strecken:
Aschaffenburg Hbf – Miltenberg – Wertheim – Lauda – Crailsheim; Crailsheim – Schwäbisch Hall-Hessental – Öhringen Hbf – Heilbronn Hbf (Hohenlohebahn); Miltenberg – Walldürn – Seckach (Einzelleistungen bis Osterburken). Einzelne Züge werden auch auf der Frankenbahn zwischen Osterburken und Lauda und von Würzburg Hbf über Lauda nach Bad Mergentheim unterwegs sein.
BaWü SPNV-Netz 11

BaWü SPNV-Netz 11

Es sollen modernisierte Gebrauchtfahrzeuge vom Typ Siemens Desiro (BR 642) fahren wie sie die DB bereits seit 1999 im Einsatz hat und die zeitweise auch auf der Hohenlohebahn verkehrten. Die Fahrzeuge sollen ein Redesign unter anderem mit Klimaanlage und kostenfreiem WLAN erhalten. Der Verkehrsvertrag läuft über 12 Jahre und endet im Dezember 2031. Die Fahrzeuge werden dann bereits gut 30 Jahre „auf dem Buckel“ haben. Der Leistungsumfang beträgt voraussichtlich rund 3,4 Millionen Zugkilometer pro Jahr, davon rund 1,11 Millionen Zugkilometer pro Jahr in Bayern. Der bisherige Preis von 11,70 Euro pro Zugkilometer wird nach Angaben von Landesverkehrsminister Winfried Hermann lediglich um einen Euro auf 10,70 Euro sinken. Das ist erstaunlich wenig im Vergleich zu den Stuttgarter Netzen, wo sich der Preis durch die SPNV-Ausschreibungen mit Neufahrzeugen auf rund 6 Euro nahezu halbiert hat. Daher wird auf den baden-württembergischen Streckenabschnitten im Netz 11 das Verkehrsangebot gegenüber heute auch nur um etwa 10 Prozent ausgeweitet. Wichtigste Neuerung sind künftig wochentags tagsüber der durchgehende Stundentakt zwischen Wertheim und Crailsheim sowie auf der Hohenlohebahn zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall–Hessental, wo der schnelle RegionalExpress bislang nur zweistündlich verkehrt.
Bimodaler FLIRT UK für East-Anglia

Bimodale FLIRT-Triebwagen von Stadler könnten von Crailsheim bis ins Zabergäu fahren

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland VCD bedauert, dass die Ausschreibung nicht zur Umsetzung von Innovationen und modernen Fahrzeugkonzepten genutzt wurde. Da die Strecke Crailsheim – Schwäbisch Hall – Heilbronn mit rund 88 Kilometer Länge bis auf die Lücke zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall durchgehend elektrifiziert ist, hält der VCD den langfristigen Einsatz von Dieselfahrzeugen aus klimapolitischen Gründen hier für problematisch. Dies gilt auch für Fahrten zwischen Würzburg und Lauda. Der VCD hat mehrfach vorgeschlagen, auf der Hohenlohebahn moderne Hybrid-Fahrzeuge mit kombiniertem Elektro-Diesel-Antrieb einzusetzen. Mit solchen bimodalen Zügen könnte dann auch von Heilbronn Hbf direkt weiter ins Zabergäu gefahren und somit die Zabergäubahn als moderne Stadtbahn Süd kostengünstig reaktiviert werden. (mgr)

Bimodaler FLIRT wäre optimale Ergänzung zur Stadtbahn

Bimodaler FLIRT von Stadler

Bimodaler FLIRT von Stadler, © Stadler

Der Schweizer Fahrzeughersteller Stadler Rail wird nach einer Pressemitteilung die ersten bimodalen Triebwagen vom Typ FLIRT für die Region Aostatal bauen. Die Züge fahren elektrisch sowie mit Dieselantrieb und kosten 43 Millionen Euro für fünf Fahrzeuge. Diese können im Dieselbetrieb oder im elektrischen Betrieb in Italien unter einer 3-kV-DC-Oberleitung fahren. Sie werden im interregionalen Personenverkehr zwischen Aosta und Turin zum Einsatz kommen. Die bimodalen Züge gehören zur neuesten Generation des FLIRT3 und werden 2018 ausgeliefert. Solche Hybrid-Triebwagen wären nach VCD-Meinung auch die idealen Fahrzeuge für den Betrieb des RegionalExpress auf der Hohenlohebahn zwischen Heilbronn und Crailsheim, um den nichtelektrifizierten Abschnitt zwischen Öhringen-Cappel und Schwäbisch Hall-Hessental zu überbrücken. Idealerweise könnte diese Linie ab Heilbronn weiter bis ins Zabergäu führen: Elektrisch auf der Frankenbahn bis Lauffen, anschließend mit Dieselantrieb weiter auf der reaktivierten Zabergäubahn. Die Stadtbahn Süd wäre mit solch einem Konzept wesentlich günstiger und schneller zu verwirklichen als mit einer klassischen Zweisystem-Stadtbahn, für die erst die gesamte Zabergäubahn elektrifiziert werden muss. Da auch auf der Hohenlohebahn bald der Stundentakt im RE-Verkehr kommen soll, könnten diese Züge schnell weiter bis Laufen und mit allen Unterwegshalten ins Zabergäu fahren. Das Zabergäu wäre damit optimal an das Oberzentrum Heilbronn angebunden. Mit dem halbstündlichen MetropolExpress bestünden ab Lauffen zudem schnelle Verbindungen in Richtung Stuttgart. Ein solches innovatives Projekt würde nach VCD-Meinung optimal zur vom Landesverkehrsminister propagierten „nachhaltigen Mobilität“ passen.

In einer aktuellen Pressemitteilung fordern VCD und Grüne die Prüfung eines solchen Konzeptes für die Reaktivierung der Zabergäubahn. Die PM findet sich im ersten Kommentar zu diesem Artikel.

Bimodaler FLIRT UK von Stadler für East Anglia

Bimodaler FLIRT UK von Stadler für East Anglia

Nachtrag: Stadler Rail wird ab 2019 neue bimodale (diesel+elektrisch) Züge vom Typ FLIRT UK auch für das von Abellio betriebene Netz East-Anglia liefern, nachdem Abellio 2016 den Zuschlag erhalten hatte. Insgesamt werden 24 4-teilige und 14 3-teilige Züge gebaut.

Stadtbahn-Chaos: Protest der Fahrgäste bislang ohne Erfolg

S42 in HN Austrasse

Zwischen Neckarsulm und Heilbronn verkehrt die Stadtbahn nur dreimal in der Stunde – viel zu selten, um eine Alternative zum Autoverkehr zu sein

Weiterhin gibt es massive Kritik am Projekt Stadtbahn Nord. Insbesondere in Mosbach-Neckarselz klagen Pendler nach Berichten der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ), dass es keine durchgehenden Züge nach Stuttgart mehr gibt, die Anschlüsse von/zur Stadtbahn nicht funktionieren und sie nun in Straßenbahnen teils ohne Toilette in Richtung Norden gondeln müssen. Bei einer Veranstaltung in Mosbach klagten bei großem Andrang die Pendler den Verantwortlichen ihr Leid. So schreibt die RNZ: „Wer das geplant hat, ist noch nie Bahn gefahren“, rief eine genervte Pendlerin den Herren der NVBW zu. „Ich hätte schon meinen Job verloren, wenn ich für diesen Schwachsinn verantwortlich wäre“, warf eine andere Bahnfahrerin ein. „Die Betriebsaufnahme lief sehr schlecht. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen“, erklärte Ascan Egerer von der AVG. Das sachkundige Publikum brachte die Diskussionspartner sichtlich ins Schwitzen. Es wurde aber deutlich, dass eine schnelle Lösung nicht zu erwarten ist.
Mosbachs Stadtplaner Klaus Kühnel hat die Probleme so vorhergesehen und sieht im RNZ-Interview vor allem den Landkreis Heilbronn als Verursacher der Misere und beklagt das Durcheinander bei den Verantwortlichkeiten: „Der Raum Heilbronn, der das Projekt Stadtbahn auf den Weg gebracht hat, ist Hauptverursacher der Veränderungen. Die NVBW ist als Tochter des Landes Baden-Württemberg der Bezahler des Nahverkehrs, außerdem gibt sie den Fahrplan vor. Der DB Netz AG gehört die Infrastruktur, die DB Regio fährt die Züge im Neckartal und die AVG stellt im Auftrag vom Raum Heilbronn die Stadtbahn. Die Verantwortung liegt ein Stück weit bei allen.“ Zusammen mit der NVBW soll es eine Arbeitsgruppe geben, doch auch Kühnel glaubt nicht an rasche Verbesserungen und hofft auf den weiteren Protest der Pendler.
Auch Hans-Martin Sauter vom VCD berichtet von vielen frustrierten Fahrgästen. Auf den Hinweis, doch ihre Erlebnisse und ihren Ärger auch an die Heilbronner Stimme zu schicken, meinen viele „das bringt doch sowieso nichts“, da sowohl Briefe und E-Mails an das Verkehrsministerium, Landratsamt Heilbronn, den HNV und auch die Heilbronner Stimme bis heute unbeantwortet und ohne Reaktion blieben. „Gerade in den letzten Tagen habe ich so viel Post und E-Mails von Betroffenen bekommen, die allerdings auch teils mit ihrem Ärger nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen, weil Sie im Öffentlichen Dienst, in der Stadtverwaltung, im Landratsamt oder einer anderen Behörde arbeiten“, sagt Sauter. Dennoch würde die Heilbronner Stimme das Thema totschweigen.
Auch bei den Anschlüssen zum Busverkehr im Raum Neckarsulm-Heilbronn funktioniert vieles nicht, vor allem weil der Landkreis Heilbronn Buslinien wahllos gekürzt hat und es nun nur noch drei Stadtbahn-Verbindungen je Stunde mit Wartezeiten von bis zu 30 Minuten zwischen Neckarsulm und Heilbronn gibt, worauf der VCD mehrfach hingewiesen hat und die Rücknahme der Verschlechterungen fordert. In anderen Großstädten rollen die Straßenbahnen dagegen im 5-Minuten-Takt. Doch leider zeigt bislang auch die Stadt Heilbronn kein großes Interesse an besseren Verkehrsverbindungen in die Nachbarstadt.
Zudem hat die AVG mit der Stadtbahn landesweit laut NVBW-Statistik mit die schlechtesten Pünktlichkeitswerte. So sagte Hubert Waldenberger, Pressesprecher vom Landratsamt Heilbronn, gegenüber der Heilbronner Stimme: „Das vom VCD vorhergesagte Verspätungschaos hat sich nicht eingestellt. Rund 92 Prozent der Stadtbahnverbindungen sind pünktlich.“ Davon abgesehen, dass der VCD nie ein „Verspätungschaos“ vorhergesagt, sondern immer nur auf Verschlechterungen für die Fahrgäste hingewiesen hatte, bedeutet eine Pünktlichkeitsquote von 92 Prozent landesweit einer der schlechtesten Werte. Laut NVBW gelten nach Definition Deutsche Bahn Züge als pünktlich, die weniger als sechs Minuten verspätet angekommen bzw. abgefahren sind. Bei der Stadtbahn Nord führen jedoch schon Verspätungen von vier Minuten dazu, dass vielerorts Anschlüsse nicht mehr erreicht werden, was ja gerade die Pendler aus Mosbach in Richtung Stuttgart massiv beklagen. Verpassen sie wieder einmal die Stadtbahn nach Mosbach in Neckarsulm, müssen sie meist eine Stunde auf die nächste warten.

Am Donnerstag, den 26. Februar 2015 gibt es um 20 Uhr in Neckarsulm in der Gaststätte Hohly eine Podiumsdiskussion der Grünen zum Thema. Hans-Martin Sauter wird den VCD vertreten.

VCD fordert Rücknahme der Verschlechterungen beim Nahverkehr

Stadtbahn S41 in Neckarsulm

Stadtbahn S41 in Neckarsulm auf dem Weg nach Norden. Anschlüsse zum Busverkehr funktionieren oft nicht.

Nach über einem Monat Betrieb der Stadtbahn Heilbronn Nord zieht der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine erste Bilanz und fordert in einer aktuellen Pressemitteilung die Rücknahme der Verschlechterungen beim Nahverkehr zwischen Heilbronn und Neckarsulm. Es gebe massive Fahrgastbeschwerden wegen der Stadtbahn Nord und fehlenden Busverbindungen. Der VCD fordert umgehend Nachbesserungen beim Fahrplanangebot, die Wiedereinführung von gestrichenen Busverbindungen im Ballungsraum Heilbronn – Neckarsulm und einen 15-Minuten-Takt als Mindeststandard.
„Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 hat sich beim Öffentlichen Verkehr in der Region vieles verschlechtert“, stellt VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter ernüchtert fest. Oftmals herrsche das Chaos. Stadtbahnen seien unpünktlich oder fielen ganz aus, Anschlüsse funktionierten überhaupt nicht oder würden regelmäßig verpasst, die Fahrgastinformation an den Haltestellen sowie die Online-Fahrplanauskunft funktionierten nicht. Statt der versprochenen, modernen Neubaufahrzeuge sind bei der Stadtbahn Nord vermehrt alte, nicht barrierefreie Fahrzeuge anzutreffen. „Diese funktionieren zwar im Gegensatz zu den Neubaufahrzeugen. Doch so haben sich die Fahrgäste angesichts der Millioneninvestitionen einen modernen, kundenfreundlichen Nahverkehr nicht vorgestellt“, sagt Sauter.
Als größtes Problem sieht der VCD jedoch die Verschlechterungen beim Busverkehr. Tausende Fahrgäste nördlich von Heilbronn müssen seit dem Fahrplanwechsel Umwege in Kauf nehmen und werden vom Landratsamt Heilbronn gezwungen, kurz vorm Ziel in die Stadtbahn umzusteigen, die zudem nur dreimal in der Stunde und mit Taktlücken von bis zu 30 Minuten verkehrt. Fahrzeiten haben sich so massiv verlängert. „45 Minuten Fahrt, um von Heilbronn in Teilorte im benachbarten Neckarsulm zu kommen sind keine Seltenheit“, weiß Sauter. Beim VCD, den Verkehrsunternehmen und den lokalen Medien stapelten sich inzwischen die Beschwerden.
„Ohne Not wurde vom Landkreis Heilbronn ein bislang funktionierendes System zerstört, indem planlos Busverbindungen aus den Nachbarkommunen in Richtung Heilbronn gekappt wurden“, erklärt Sauter. „Auch bei wichtigen Buslinien wie dem Schnellbus Neuenstadt – Heilbronn (Linie 620) wurde gekürzt, obwohl vom Landkreis versprochen worden war, dass dieser wie bisher auch abends und am Wochenende verkehrt. Auf diese Weise verprellt man nicht nur potenzielle neue Fahrgäste, sondern auch vorhandene Stammkunden, die nun teils notgedrungen wieder auf das Auto umsteigen. Viele Pendler haben nach 19:30 Uhr keine direkten Verbindungen mehr aus Heilbronn in den Landkreis.“
Zwar begrüßt der VCD die Verbesserungen auf einzelnen Linien sowie beim Stadtbus-Angebot rund um Neckarsulm. Dies täuscht jedoch nicht über die zahlreichen Verschlechterungen vor allem zwischen Neckarsulm und Heilbronn hinweg. Da es bisher stündlich mindestens vier Fahrtmöglichkeiten per Bus zwischen Neckarsulmer Innenstadt, der Südstadt mit Gewerbe, Einkaufszentrum und Berufsschule und der Heilbronner Allee gab, hat sich die Situation mit nur noch drei S-Bahnfahrten je Stunde deutlich verschlechtert. Auch der Bereich am Heilbronner Europaplatz mit Geschäften, dem wachsenden Bildungscampus und der künftigen Bundesgartenschau ist aus Neckarsulm nicht mehr direkt erreichbar.
Der VCD fordert auf der wichtigsten Verkehrsachse der Region wie bei den Stadtbussen mindestens einen 15-Minuten-Takt bei den Stadtbahnlinien S41/42 sowie ein ergänzendes Busangebot mit engen Takten von Innenstadt zu Innenstadt und auf jenen Relationen, wo die Nutzung der Stadtbahn zeitlich und auf Grund des schlechten Taktes keine ernsthafte Alternative ist. Dies betrifft unter anderem Verbindungen von Heilbronn nach Neuenstadt, Erlenbach, Ober- und Untereisesheim, zum Klinikum Am Plattenwald oder zum ZOB Neckarsulm sowie in die Neckarsulmer Südstadt.