B27-Ausbau: Noch mehr Straßenbau oder öffentlicher Verkehr?

Stadtbahn S42 beim Audi-Werk in Neckarsulm, rechts oben die B27, links unten die NSU-Straße

Stadtbahn S42 beim Audi-Werk in Neckarsulm, rechts oben die B27, links unten die NSU-Straße an einem Samstagnachmittag. ©SCRITTI

Die aktuelle Debatte über den B27-Anschluss an die Binswanger Straße in Neckarsulm und den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße ist eine Diskussion aus dem vergangenen Jahrhundert. Kein Wunder, die Planungen dafür liegen ja schon Jahrzehnte zurück. Das aktuell vorgestellte Verkehrsgutachten (Bericht in der Heilbronner Stimme) hilft da nur wenig weiter, da es lediglich heutiges, Mobilitätsverhalten mit einem permanenten Wachstum an Autoverkehr weiter in die Zukunft projiziert. Gleichzeitig diskutieren wir intensiv über Klimaschutz und Fahrverbote in vielen Städten. Um die Klimaziele zu erreichen, sind auch drastische Maßnahmen im Verkehrsbereich notwendig, das weiß inzwischen jeder. Als ökologischer Verkehrsclub fordert der VCD schon lange die Verkehrswende, und zwar jetzt!

In einem aktuellen Artikel der BBC (Why you have probably already bought your last car – Warum Sie wahrscheinlich Ihr letztes eigenes Auto gekauft haben) heißt es: „A growing number of tech analysts are predicting that in less than 20 years we’ll all have stopped owning cars, and, what’s more, the internal combustion engine will have been consigned to the dustbin of history.“ Zahlreiche Experten gehen davon aus, dass sobald autonome, elektrisch angetriebene Fahrzeuge massentauglich sind, die Kosten für die individuelle Mobilität derart sinken werden, dass sich niemand mehr die Mühe machen wird, ein eigenes Auto zu besitzen und mit diesem jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Wozu auch?

Laut dem BBC-Artikel fährt der durchschnittliche Autobesitzer in England weniger als 16.000 Kilometer im Jahr, Autos stehen 95 Prozent der Zeit anstatt zu fahren. Das ist in Deutschland nicht viel anders. Viele junge Menschen haben das längst verstanden und organisieren sich ihre Mobilität auf andere Weise. Was passiert also, wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt und junge Menschen zunehmend auf den Besitz eines eigenen Autos verzichten? Was passiert, wenn wir eine Trendwende zum öffentlichen Verkehr hin schaffen und statt der B27-Fahrspuren die Bahngleise zwischen Neckarsulm und Bad Friedrichshall verdoppeln?

Ein tragfähiges Gutachten sollte nicht nur statisch den wachsenden Individualverkehr betrachten, sondern auch alternative Szenarien berücksichtigen. Was ist, wenn der Autoverkehr in 10, 20 Jahren tatsächlich signifikant weniger wird? Sind dann die zig Millionen für den B27-Anschluss noch gerechtfertigt? Was würde passieren, wenn die Stadt Neckarsulm und die Region dieselbe Summe in den Ausbau und die Vernetzung des öffentlichen Verkehrs investieren würden? Wenn Busse und Bahnen alle fünf Minuten verkehren und alle großen Standorte von Audi, Bechtle, Lidl, Schwarz und Co. in alle Richtungen anbinden würden? Um wie viele Autos pro Tag könnten dann die geplagten BürgerInnen entlastet werden?

Es gilt die alte Weisheit: Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten. Das sehen wir in der gesamten Region Heilbronn-Neckarsulm. Jede Straßenbaumaßnahme in der Vergangenheit wurde uns als „Entlastung“ verkauft – mit dem Ergebnis, dass der Individualverkehr inzwischen regelmäßig zusammenbricht und die Menschen die Luft in den Städten nicht mehr atmen können. Beim B27-Anschluss in Neckarsulm wird es nicht viel anders sein: Es mag sein, dass durch den Anschluss einzelne Straßen in Neckarsulm vom Autoverkehr entlastet werden. Was ist aber etwa mit den BürgerInnen, die etwas weiter weg in Erlenbach oder Kochendorf wohnen? Oder in Weinsberg? Werden auch sie entlastet oder haben sie in Zukunft stattdessen den Dreck vor der eigenen Haustür?

Eine regionale Verkehrsplanung, die ihren Namen verdient und alle Formen der Mobilität berücksichtigt, ist überfällig. Die Zeit der Insellösungen mit immer mehr und immer größeren Straßen muss ein Ende haben. Es geht nicht darum, wie man bequem mit dem eigenen Auto zur Arbeitsstelle kommt. Es geht darum, den Planeten Erde zu retten.

Michael Schwager, Mitglied im VCD-Vorstand Hall-Heilbronn-Hohenlohe

Hintergrund: Mitten durch Neckarsulm hindurch führt die Bundesstraße 27 als Schnellstraße aus dem Neckartal kommend nach Heilbronn hinein. Es gibt zwei Auf- und Abfahrten nördlich und südlich der Innenstadt bei der Kreuzung mit der Autobahn A6. Innerhalb der Stadt führt die zweispurige B27 über eine Brücke am Zentrum vorbei. Seit langem werden der durchgehende vierspurige Ausbau diskutiert (der aus Platzmangel nur schwer umsetzbar ist) sowie ein weiterer Anschluss im Bereich der kreuzenden Binswanger Straße zum Anschluss eines Gewerbegebiets. Dieser erfordert jedoch teure Rampen für die Auf- und Abfahrten zur tieferliegenden B27 und die Umsiedlung einer im Weg liegenden Baumschule. Daher summieren sich die Kosten inzwischen auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Befürworter des Anschlusses glauben, dass dadurch weniger Autoverkehr durch die Innenstadt fließt und zugleich das Gewerbegebiet mit der Lidl-Zentrale attraktiver wird. Gegner erwarten nur noch mehr Verkehr und eine zusätzliche Belastung der Anwohner in diesem Bereich, weshalb sie ein Bürgerbegehren in dieser Frage initiiert haben. (mgr)

Advertisements

Sommerferien: Ersatzverkehr für gesperrte Kaiserstraße

Während der Sommerferien in Baden-Württemberg vom 26. Juli bis einschließlich 3. September 2018 ist die Heilbronner Kaiserstraße für den gesamten Bus- und Stadtbahnverkehr gesperrt, was für Fahrgäste sehr viele Unannehmlichkeiten bedeutet. Vor allem gibt es keine Verbindung oder Umsteigemöglichkeiten mehr zwischen den Stadtbahnlinien S4, S41 und S42. Im oberen und unteren Bereich der Kaiserstraße werden Straßenbelag und Gleise der Stadtbahn saniert. Zudem wird die Haltestelle NeckarTurm am Kurt-Schumacher-Platz umgebaut. Bus- und Stadtbahnverkehr werden umgeleitet. Die Haltestellen Heilbronn Rathaus und NeckarTurm können in dieser Zeit nicht angefahren werden. Stadtbusse (Linien 1, 8, 10, 12, 13, 51, 61 und 62) werden teils über Allee und Gerberstraße in die Bahnhofstraße umgeleitet. Ersatzhaltestellen befinden sich HINTER dem Rathaus. Regionalbusse (Linien 631, 641, 642, 644, 645, 651, 661, 662 und 683) enden teils am Wollhausplatz oder fahren ohne Halt in der Innenstadt über Südstraße direkt zum Hauptbahnhof (Hbf).

Stadtbahn-SEVBetroffen sind auch die Stadtbahnlinien S4, S41 und S42 (der innerstädtische Stadtbahnverkehr wird durch Schienenersatzbusse (SEV) ersetzt).
Für die Stadtbahnen gilt folgendes Ersatzkonzept:
– Die Züge der S4 die aus Richtung Karlsruhe kommend regulär am Pfühlpark enden, enden und starten bereits am Bahnhofsvorplatz.
– Die Züge der S4 mit dem Ziel Weinsberg und Öhringen fahren über den Heilbronner Hauptbahnhof anschließend ohne Halt bis Heilbronn Trappensee über die Hohenlohebahn, ebenso in der Gegenrichtung
– Aus Richtung Weinsberg kommend werden die Stadtbahnen der S4 ebenfalls ab Heilbronn Trappensee ohne Halt in den Heilbronner Hauptbahnhof umgeleitet.
– Die Züge der Stadtbahnlinien S41 und S42 werden ab der Haltestelle Harmonie zum Pfühlpark umgeleitet.
– Zwischen Trappensee und Hauptbahnhof gibt es einen Schienenersatzverkehr mit Bussen, die über die Südstraße von/zum Hbf fahren.
Weitere Details zu einzelnen Linien, Umleitungsstrecken und den SEV-Fahrplan finden sich in den aktuellen Verkehrsmeldungen auf der Webseite des HNV oder mit Lageplan auf einem entsprechenden Flyer.

Magazin VCDdirekt 2018 erschienen

2018-VCDdirekt-Cover s

VCDdirekt Ausgabe 2018

Ende Juni ist eine neue Ausgabe des Magazins VCDdirekt erschienen mit Infos und Artikeln zur verkehrspolitischen Arbeit des ökologischen Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) in Baden-Württemberg. Spannende Themen auf 24 Seiten rund um den öffentlichen Verkehr und die Verkehrswende sind unter anderem

  • ÖPNV-Offensive des VCD für lebenswerte Städte
  • Grundschulkinder als kleine Lärmdetektive
  • Zugausfälle und Verspätungen: Das Warten geht weiter
  • Elektrifizierungsoffensive für das Bahnnetz in Baden-Württemberg
  • Was kostet Kommunen der Individualverkehr?
  • VCD: Wir sind der Verkehrswende-Club!
  • Klimaschutzszenario Baden-Württemberg und Konsequenzen
  • Stuttgart 21 neu ausrichten und Kopfbahnhof erhalten
  • ÖV-Offensive für Heilbronn statt Fahrverbote
  • VCD-Projekt Radschnellwege Baden-Württemberg
  • Neue Mobilitätsangebote rund um Stuttgart

Auf der Webseite des VCD-Landesverbandes Baden-Württemberg steht die aktuelle Ausgabe zum Download bereit. Dort können auch gedruckte Exemplare bestellt werden. Viel Spaß beim Lesen!

VCD fordert rasche Maßnahmen für bessere Luft in Heilbronn: Stadtbahn stärken, ÖV ausbauen und Ticketpreise senken

LA21-HN-S42-AustrasseIn einer aktuellen Pressemitteilung begrüßt der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) in der Region Hall, Heilbronn, Hohenlohe die Debatte über den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs (ÖV) für bessere Luft in den Städten und fordert die Verantwortlichen endlich zum Handeln auf. Nur der massive ÖV-Ausbau kann Bürgerinnen und Bürgern attraktive Mobilitätsalternativen bieten und somit den Autoverkehr auch in Heilbronn verringern. Das Angebot bei der Stadtbahn und in den Nebenzeiten muss verdichtet werden. „Wer weniger Autoverkehr in den Städten und damit bessere Luft haben will, muss den ÖV stärken und endlich die Verkehrswende einleiten“, erklärt VCD-Vorstandsmitglied Hans-Martin Sauter. Dazu gehörten engere Takte bei Bahn und Bus sowie deutlich niedrigere Ticketpreise.

BürgerInnen fordern mehr Stadtbahn für Heilbronn

ÖPNV-Konzept der LA21 Heilbronn

ÖPNV-Konzept der LA21 Heilbronn

Engagierte Bürgerinnen und Bürger haben unter der Moderation des Arbeitskreises Mobilität der Lokalen Agenda21 in Heilbronn ein Konzept für einen besseren und attraktiveren Öffentlichen Verkehr (ÖV) vorgelegt. Ziel war es, Maßnahmen zu definieren, um mehr Menschen in Busse und Bahnen zu bringen. Gefordert werden unter anderem engere Takte bei Bus und Stadtbahn, eine bessere Vernetzung der Verkehrsmittel und ein optimiertes Liniennetz mit neuen Querverbindungen. Die Stadtbahn sollte als Rückgrat des ÖV in Heilbronn etabliert und besser mit dem Busverkehr vernetzt werden. Zudem bräuchte es Verstärkungsfahrten der Stadtbahn zwischen Hauptbahnhof und Neckarsulm sowie Pfühlpark und Neckarsulm, da dies als Straßenbahnbetrieb unter der Verantwortung der Stadtwerke Heilbronn erfolgen könnte. In das Konzept eingeflossen sind auch Ideen und Vorschläge des VCD.

Weiterlesen

Stadtbahn Süd: Fortschritte bei der Verwirklichung des „TramTrain Bottwartal“

BottwartalbahnNeuigkeiten gibt es von der Bürgeraktion Bottwartalbahn zum Wiederaufbau der ehemaligen Bottwartalbahn als moderne Stadtbahn von Marbach bis in die Heilbronner City. „In den letzten Monaten gab es zahlreiche Vortragstermine, Termine für Gespräche mit den Bürgermeistern, Ortsbesichtigungen und Diskussionen mit den politischen Vertretern“, berichtet Sprecher Hans-Joachim Knupfer. Den Anlass dazu gab zunächst eine politische Anregung aus Marbach mit dem Ziel, das bestehende (und rechtlich gewidmete) Eisenbahngleis der Bottwarbahn in Marbach, die 1,7 km bis zum ehemaligen Abzweig zum einstigen Kraftwerk Marbach, in einen Radweg umzuwidmen. Unabhängig davon, aber zeitlich parallel erschien der Entwurf zum neuen Regionalverkehrsplan der Region Stuttgart, der – wie schon im letzten Plan, der vor weit über zehn Jahren erschien – die Freihaltetrasse für eine Stadtbahnstrecke zwischen Marbach und Beilstein als „Vorhaben hoher Dringlichkeit“ einstuft. Bis dahin war die politische Haltung im Bottwartal oft etwa so: Wenn „Stuttgart“ schon so viele Jahre „hohe Dringlichkeit“ sehe, aber niemand etwas für dieses Vorhaben tue, dann könne es auch nicht so wichtig sein.

„Die aktuelle Diskussion in der Region Stuttgart um die Luftbelastung durch den Autoverkehr und diskutierte Fahrverbote haben aber in den letzten Monaten ganz offensichtlich ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern bewirkt“, stellt Knupfer fest. Mit jedem Monat, in dem die Initiative größere Auszüge und Zusammenhänge ihrer Entwürfe für ein aktuelles Stadtbahnkonzept präsentierten, wuchs die einhellige Zustimmung in den politischen Lagern.

Weiterlesen

Heilbronn – Karlsruhe Hbf künftig im modernen Schnellzug ohne AVG?

Talent_2

Talent statt Stadtbahn? Zwischen Heilbronn und Karlsruhe Hbf könnten bald bequeme Eisenbahnen rollen

In einer aktuellen Presseerklärung teilt das Landesverkehrsministerium mit, dass sich Land und kommunale Seite jetzt auf die künftige Vergabekonzeption für die Verkehre mit Karlsruher Zweisystem-Stadtbahnen geeinigt haben. Für die Vergabe der Zugleistungen wird das Karlsruher Netz (Vergabenetz 7a/b) in zwei Netze aufgeteilt: in einen Eisenbahnteil und einen Zweisystemteil. Die Zweisystemverkehre mit Stadtbahnen sollen weiterhin direkt an die AVG vergeben werden, der Bereich der Eisenbahn wird dagegen im Wettbewerb ausgeschrieben. Durch die Vergabekonzeption, auf die sich Verkehrsminister Winfried Hermann MdL und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup am Montag (24. Juli 2017) verständigt haben, werde das erfolgreiche Karlsruher Modell zukunftsfähig gesichert. Die neue Konzeption dürfte auch die lang laufenden Eilzüge und Sprinter der S4 Heilbronn – Karlsruhe betreffen. Die Zweisystemfahrzeuge ermöglichen zwar die Innenstadtanbindung, bringen dafür aber insbesondere bei langen Wegen auch Nachteile mit sich. Sie sind weniger leistungsstark, verfügen teilweise nicht über Toiletten, haben nur geringe Fahrradmitnahmekapazitäten und werden als weniger komfortabel empfunden. Daher haben sich Stadt und Land darauf verständigt, künftig langlaufende Leistungen mit komfortableren Eisenbahnfahrzeugen über den Karlsruher Hauptbahnhof zu führen. Der VCD begrüßt dieses Konzept, da mit modernen Elektrotriebwagen die heute rund eineinhalb Stunden dauernde Fahrt im Eilzug von Heilbronn bis Karlsruhe in Zukunft für die Fahrgäste wesentlich komfortabler und auch schneller sein wird. Die Züge können dann direkt bis Karlsruhe Hbf fahren und dort bequeme Anschlüsse zum Fernverkehr im Rheintal bieten. Schnelle Anschlüsse in die Karlsruher Innenstadt sollten weiterhin gewährleistet sein. Die tatsächlichen S-Bahn-Linien von Schwaigern über Heilbronn bis Öhringen oder von Bretten bis Karlsruhe sollten davon nicht betroffen sein. Weiterlesen

Westfrankenbahn fährt weiter bis Ende 2031 – keine Innovationen in Sicht

Westfrankenbahn Desiro Weinsberg

Desiro der Westfrankenbahn in Weinsberg ©SCRITTI

Die DB RegioNetz Verkehrs GmbH, die Muttergesellschaft der Westfrankenbahn, hat nach Angaben des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg jetzt den rechtskräftigen Zuschlag für den Betrieb des SPNV-Netzes 11 „Hohenlohe-Franken-Untermain“ erhalten. Ab Ende 2019 soll der Stundentakt zwischen Heilbronn und Schwäbisch hall kommen. Dies werden dann die letzten von der DB erbrachten SPNV-Leistungen in der Region Heilbronn sein. Der VCD kritisiert den weiteren Einsatz von gebrauchten Dieselfahrzeugen unter elektrischer Oberleitung.
Einsprüche von unterlegenen Bietern innerhalb der Einspruchsfrist seien nicht eingegangen, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Das SPNV-Netz 11 umfasst die Strecken:
Aschaffenburg Hbf – Miltenberg – Wertheim – Lauda – Crailsheim; Crailsheim – Schwäbisch Hall-Hessental – Öhringen Hbf – Heilbronn Hbf (Hohenlohebahn); Miltenberg – Walldürn – Seckach (Einzelleistungen bis Osterburken). Einzelne Züge werden auch auf der Frankenbahn zwischen Osterburken und Lauda und von Würzburg Hbf über Lauda nach Bad Mergentheim unterwegs sein.
BaWü SPNV-Netz 11

BaWü SPNV-Netz 11

Es sollen modernisierte Gebrauchtfahrzeuge vom Typ Siemens Desiro (BR 642) fahren wie sie die DB bereits seit 1999 im Einsatz hat und die zeitweise auch auf der Hohenlohebahn verkehrten. Die Fahrzeuge sollen ein Redesign unter anderem mit Klimaanlage und kostenfreiem WLAN erhalten. Der Verkehrsvertrag läuft über 12 Jahre und endet im Dezember 2031. Die Fahrzeuge werden dann bereits gut 30 Jahre „auf dem Buckel“ haben. Der Leistungsumfang beträgt voraussichtlich rund 3,4 Millionen Zugkilometer pro Jahr, davon rund 1,11 Millionen Zugkilometer pro Jahr in Bayern. Der bisherige Preis von 11,70 Euro pro Zugkilometer wird nach Angaben von Landesverkehrsminister Winfried Hermann lediglich um einen Euro auf 10,70 Euro sinken. Das ist erstaunlich wenig im Vergleich zu den Stuttgarter Netzen, wo sich der Preis durch die SPNV-Ausschreibungen mit Neufahrzeugen auf rund 6 Euro nahezu halbiert hat. Daher wird auf den baden-württembergischen Streckenabschnitten im Netz 11 das Verkehrsangebot gegenüber heute auch nur um etwa 10 Prozent ausgeweitet. Wichtigste Neuerung sind künftig wochentags tagsüber der durchgehende Stundentakt zwischen Wertheim und Crailsheim sowie auf der Hohenlohebahn zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall–Hessental, wo der schnelle RegionalExpress bislang nur zweistündlich verkehrt.
Bimodaler FLIRT UK für East-Anglia

Bimodale FLIRT-Triebwagen von Stadler könnten von Crailsheim bis ins Zabergäu fahren

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland VCD bedauert, dass die Ausschreibung nicht zur Umsetzung von Innovationen und modernen Fahrzeugkonzepten genutzt wurde. Da die Strecke Crailsheim – Schwäbisch Hall – Heilbronn mit rund 88 Kilometer Länge bis auf die Lücke zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall durchgehend elektrifiziert ist, hält der VCD den langfristigen Einsatz von Dieselfahrzeugen aus klimapolitischen Gründen hier für problematisch. Dies gilt auch für Fahrten zwischen Würzburg und Lauda. Der VCD hat mehrfach vorgeschlagen, auf der Hohenlohebahn moderne Hybrid-Fahrzeuge mit kombiniertem Elektro-Diesel-Antrieb einzusetzen. Mit solchen bimodalen Zügen könnte dann auch von Heilbronn Hbf direkt weiter ins Zabergäu gefahren und somit die Zabergäubahn als moderne Stadtbahn Süd kostengünstig reaktiviert werden. (mgr)

Nach 2 Jahren Stadtbahn Nord: Tickets endlich auch im Zug

HNV-E-Ticket

VCD-Tipp: Mit dem E-Ticket des HNV braucht man keine Ticketautomaten mehr und spart 25%

Ein jahrelanges Ärgernis für die Fahrgäste der Stadtbahn Nord wird endlich beseitigt: Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 nimmt die AVG endlich die in den Stadtbahnen vorhandenen Ticketautomaten in Betrieb. Dies teilt die AVG in einer kurzen Pressemitteilung mit. Fahrgäste können – wie auf allen anderen Stadtbahn-Linien schon immer üblich – auch in den Zügen der Linie S41 von Heilbronn nach Mosbach oder der S42 von Heilbronn nach Sinsheim ein Ticket im Zug lösen. Die AVG verkauft dies als „neues Serviceangebot“. Sie weist zudem darauf hin, dass es sich bei den mobilen Automaten um eine Ergänzung handele zu den stationären Fahrkartenautomaten, die an sämtlichen Haltestellen entlang der Strecke in Betrieb seien und über das volle Fahrkartensortiment verfügen. Allerdings verschweigt der Bahnbetreiber, dass an den meisten Stationen nur ein einziger Automat auf einer Seite der Gleise zur Verfügung steht und Fahrgäste oft Umwege gehen müssen, um an ein Ticket zu kommen. Immer wieder hatte es seit Inbetriebnahme der Stadtbahn Nord Ärger und Verwirrung um die in den Stadtbahnen installierten Ticketautomaten gegeben. Fahrgäste wunderten sich, dass die Automaten außer Betrieb waren, obwohl es seit Jahren ein Service-Merkmal der AVG war, dass man problemlos Tickets auch an den Automaten im Zug kaufen kann. Bei der S4 auf der Ost-West-Achse von Karlsruhe über Heilbronn nach Öhringen war dies nie ein Problem. Angeblich soll das Automaten-Verbot eine Vorgabe des Landes gewesen sein, weil auf der Nord-Strecke eben auch DB-Züge ohne Ticketverkauf im Zug verkehrten. Dies ist allerdings auch auf der S4 und auf anderen Strecken der Fall, wo der Ticketkauf in Stadtbahnen problemlos möglich ist. Um künftig stressfrei den ÖV in der Region zu nutzen, empfiehlt der VCD die Nutzung des übertragbaren E-Tickets des HNV, das zudem 25% günstiger ist als die Normalfahrkarte. (mgr)

Unterschriftenaktion gegen Zugausfälle auf Frankenbahn

Die Bürgerinitiative 780 Frankenbahn hat inzwischen annähernd 2.000 Unterschriften gegen die ständigen Zugausfälle und Verspätungen auf der Bahnstrecke von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg gesammelt. Die Unterzeichner protestieren gegen die aktuellen Zustände im Bahnverkehr seit Inkrafttreten des Übergangsvertrages bis 2019 am 1. Oktober 2016. Auf der Strecke Würzburg – Heilbronn hätten zahlreiche Züge der Deutschen Bahn Verspätung oder fielen ganz aus, ohne dass die Fahrgäste ausreichend informiert werden, sagte Hans-Martin Sauter, VCD-Vorstand und Sprecher der Bürgerinitiative BI780 Frankenbahn dem Südwestrundfunk (SWR). „Große Probleme bereiten der Deutschen Bahn die Fahrzeuge aus anderen Bundesländern. Die hängt sie an hiesige Lokomotiven und merkt, dass die Türschließsoftware nicht funktioniert. Wenn hier Züge fahren und Türen kaputt sind und hunderte Personen ein- oder aussteigen müssen, führt das zu einem Chaos und zu einer Verspätung, die sich weiterzieht.“ Klagen höre die Bürgerinitiative ebenfalls von Seiten der Schulen: Viele Schüler würden es wegen der Frankenbahn nicht pünktlich zum Unterricht schaffen. Die andauernden Verspätungen auf der Frankenbahn wirken sich auch immer wieder negativ auf den Verkehr der Stadtbahn-Linien zwischen Bad Friedrichshall und Neckarsulm aus, da die verspäteten Züge Fahrplantrassen der Stadtbahnen blockieren.

Info-Abend zum Bahn-Chaos mit MdL Daniel Renkonen

Info-Abend zum Bahn-Chaos mit MdL Daniel Renkonen

Dem Thema widmet sich auch ein Informationsabend des Grünen Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen unter dem Motto: „Zugausfälle – Wie geht es weiter mit der Bahn?“ am Donnerstag, den 1. Dezember 2016 um 19:30 Uhr in der Kelter, Besigheim. Am Informationsabend teilnehmen werden Gerd Hickmann (Leiter der Abteilung Öffentlicher Verkehr beim Verkehrsministerium BW) und Birgit Schneider (Pendlerin und Mitglied des Bündnisses Mensch und Umwelt Besigheim). Auch die Deutsche Bahn, aktuell Betreiber der Regionalzüge auf der Frankenbahn, wird mit Markus Stoll (Teilnetzmanager) und Karl-Eugen Stier (Produktion & Technik) vertreten sein. Die Besucher haben nach einer kurzen Einführung die Möglichkeit, den Podiumsgästen Fragen zu stellen.
Auch die Heilbronner Stimme hat sich des Themas Frankenbahn-Chaos angenommen. Eine Pendler-Serie stellt Menschen vor, die täglich zwischen Heilbronn und Stuttgart verkehren – sei es via Bahn oder Auto. Es wird geschildert, vor welchen individuellen Problemen sie stehen und welche Veränderungen sie sich wünschen würden. Wer mitmachen möchte, bitte bei Stimme-Redakteur Adrian Hoffmann melden: adrian.hoffmann@stimme.de; Telefon 07131/615599
(mgr)