Trauer um den Stadtbahn-Pionier Dr. Dieter Ludwig

In einer aktuellen Pressemitteilung betrauert unter anderem der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) den Tod von Dr. Dieter Ludwig. Der „Erfinder“ des Karlsruher Modells mit Zweisystem-Stadtbahnen und ehemalige VDV-Präsident ist im Alter von 81 Jahren am 16. Juli 2020 in Ettlingen verstorben. Dr. Dieter Ludwig, langjähriger Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) und des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV), war von 1995 bis 2003 Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen und prägte vor allem in den neunziger Jahren wie kein zweiter ÖPNV-Manager in Deutschland den Ausbau und die Modernisierung des Straßenbahnsystems. Bis heute gilt sein „Karlsruher Modell“ weltweit als Vorbild und Vorreiter einer modernen und effizienten städtischen Mobilität mit Straßenbahnen. Sein Motto war stets: „Wir müssen die Bahn zu den Menschen bringen, sie dort abholen, wo sie leben und sie dahin bringen, wo sie hinwollen.“

Dr. Dieter Ludwig galt als Erfinder des „Karlsruher Modells“ mit Stadtbahnen, die sowohl als Tram in der Innenstadt als auch auf Bahngleisen bis weit in die Region fahren können. ©Foto privat

VDV-Präsident Ingo Wortmann: „Wir sind tief getroffen und in Gedanken bei den Hinterbliebenen. Dieter Ludwig hat eine ganze ÖPNV-Generation geprägt. Er war ein Vorbild für viele, die heute in verantwortlicher Position in dieser Branche tätig sind, auch für mich. In einer schwierigen Zeit als der ÖPNV und vor allem die Straßenbahnen aufgrund ihrer vermeintlich hohen Kosten politisch immer mehr unter Druck gerieten, hat er in Karlsruhe durch die Umsetzung des „Karlsruher Modells“ bewiesen, dass Straßenbahnen moderne, effiziente und umweltfreundliche Verkehrsmittel der Zukunft sind. Dies hat ihm und seiner Idee nicht nur in Deutschland, sondern weltweit bis heute zurecht hohe Anerkennung gebracht. Die Branche verliert durch seinen Tod einen Vordenker, Vorreiter und eine starke Persönlichkeit.“

Ohne den leidenschaftlichen Einsatz und die Überzeugungsarbeit von Dr. Dieter Ludwig gäbe es auch keine Stadtbahn in Heilbronn. Dr. Dieter Ludwig hatte schon früh die Bedeutung moderner und flexibler Bahnsysteme für die Entwicklung des ländlichen Raumes erkannt. Längst ist die Stadtbahn als Verkehrsmittel unersetzlich für die wirtschaftliche und umweltschonende Entwicklung der Region Heilbronn geworden. Im September 2009 hatten die Bürgerinitiative 780 FRANKENBAHN und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zu einem verkehrspolitischen Abend mit Dr. Dieter Ludwig unter dem Motto „Chance für die Frankenbahn“ nach Möckmühl eingeladen. Die Heilbronner Stimme berichtete unter dem Titel: Stadtbahnexperte macht Hoffnung. Ein nach wie vor aktuelles Interview mit Dr. Dieter Ludwig zum Ausbau des Heilbronner Stadtbahnnetzes bis nach Osterburken findet sich im Frankenbahn-Weblog. (pm/mgr)

VCD fordert Wiederaufnahme des Busverkehrs zwischen Heilbronn und Neckarsulm

In einer aktuellen Pressemitteilung (pdf) fordert der ökologische Verkehrsclub Deutschland VCD die Wiederaufnahme des Busverkehrs zwischen Heilbronn und Neckarsulm. Durch die Einstellung des kompletten Bahnverkehrs während des Orkans Sabine war es für viele Fahrgäste auch nicht möglich, mit der Stadtbahn von Heilbronn ins benachbarte Neckarsulm zu fahren. Busverbindungen als Alternative gibt es nicht mehr, da diese mit Eröffnung der Stadtbahn Nord vom Landkreis Heilbronn komplett eingestellt wurden. Seitdem hat sich nach Ansicht des VCD der Öffentliche Verkehr (ÖV) in diesem Bereich massiv verschlechtert.

„Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar“, sagt Hans-Martin Sauter, Vorstand im VCD Regionalverband Hall-Heilbronn-Hohenlohe. „Wir fordern umgehend die Wiederaufnahme des Busverkehrs und die Neueinrichtung von Buslinien zwischen Neckarsulm und Heilbronn, um vor allem auch jene Bereiche ohne Stadtbahnanschluss wie den Campus in Heilbronn besser zu erschließen und um bei Störungen den Fahrgästen verlässliche Alternativen zu bieten.“ Weiterlesen

Kostenloser Nahverkehr im Advent: VCD-Untersuchung weist auf Angebotsdefizite hin

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Freie Fahrt nach Heilbronn mit dem ÖV an den Samstagen im Advent. Allerdings können zahlreiche Bürger*innen im Landkreis wie jene aus Erlenbach-Binswangen mangels Verbindungen das Angebot nicht nutzen. ©SCRITTI

UPDATE: Von Neuenstadt aus fährt seit der Heilbronner BUGA im Sommer 2019 die Linie 620 samstags tatsächlich im Stundentakt und nicht mehr wie zuvor zweistündlich. Offenbar sind aber diese Daten in der DB Online-Auskunft nicht korrekt hinterlegt, so dass online nur zweistündliche Direktfahrten nach Heilbronn angezeigt werden. Leider ist das nicht das erste Mal, dass Daten zum HNV-Fahrplan online falsch angezeigt werden.

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland VCD in der Region Hall-Heilbronn-Hohenlohe begrüßt in einer Pressemitteilung die Werbeaktion des Heilbronner Verkehrsverbundes (HNV), an den Samstagen im Advent den Öffentlichen Verkehr (ÖV) kostenfrei anzubieten. Für dauerhaft mehr Fahrgäste müssen jedoch laut VCD die ÖV-Verbindungen gerade am Wochenende erheblich verbessert werden. Busse und Bahnen sollten rund um Heilbronn nach Schweizer Vorbild mindestens alle 30 Minuten fahren, auch abends und am Wochenende. Der VCD hat das bestehende ÖV-Angebot an Samstagen untersucht. „Leider fehlen in vielen Nachbarkommunen gerade am Wochenende und abends attraktive Verbindungen in die Großstadt Heilbronn“, stellt VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter fest.

Am besten haben es nach dem VCD-Test an Samstagen Fahrgäste aus Schwaigern, Leingarten oder Weinsberg, sie können tagsüber sogar dreimal in der Stunde per S-Bahn mitten in die Heilbronner City fahren. Für vorbildlich hält der VCD auch das Angebot für Fahrgäste aus Beilstein oder Willsbach, die auch samstags alle 30 Minuten Direktverbindungen nach Heilbronn haben. „So sollte es für alle größeren Kommunen im Landkreis sein“, sagt Sauter. 

Fahrgäste aus Richtung Neuenstadt dagegen können samstags nur alle zwei Stunden mit dem direkten Bus nach Heilbronn fahren. „Für eine spontane Shoppingtour ist das nicht wirklich attraktiv“, sagt Sauter. Noch schlechter haben es Fahrgäste aus Erlenbach: Für sie gibt es am Wochenende oder abends gar keine regulären, direkten Busverbindungen in die benachbarte Großstadt.

Aus Neckarwestheim und Talheim fahren die Busse in verwirrenden Abständen von einer Stunde und 20 Minuten. „Ein solcher Nicht-Takt kann sich doch kein Fahrgast merken“, stellt Sauter fest. Auch für Fahrgäste aus Gundelsheim oder Offenau gibt es nur eine stündliche S-Bahn-Verbindung. Von Untereisesheim dauert die Fahrt nach Heilbronn mit Umstieg auf die Stadtbahn in der Regel eine Stunde. Nach Löwenstein geht es teils auch nur alle zwei Stunden. „Wer hier den ÖV im Advent ausprobiert, kommt schnell zu dem Schluss: Einmal und nie wieder“, befürchtet Sauter. 

„Wenn man mehr Menschen für die Nutzung des Öffentlichen Verkehrs begeistern will, dann muss zuerst einmal das Angebot stimmen. Sonst bleiben solche Aktionen nutzlos und bringen auch keinen Erfolg“, stellt Sauter fest. Der VCD fordert nach Schweizer Vorbild einen Integralen Taktfahrplan mit Halbstundentakt als Mindestangebot auf allen Linien in die Nachbarorte von Heilbronn bei Stadtbahn und Regionalbus an allen Wochentagen von morgens bis spät abends.

DB erobert Kraichgaubahn zurück und betreibt ab 2022 Schnellzüge Karlsruhe – Heilbronn

Die Deutsche Bahn (DB) hat die Ausschreibung für den Betrieb der künftigen RegionalExpress-Züge zwischen Heilbronn Hbf und Karlsruhe Hbf gewonnen und soll ab Dezember 2022 mit modernen Elektrotriebwagen die heutigen Stadtbahn-Eilzüge im Stundentakt ersetzen. Ironie der Geschichte: Noch in den 1990er Jahren sah es düster aus auf der Kraichgaubahn Heilbronn – Eppingen – Karlsruhe, die Deutsche Bahn hatte den Verkehr massiv ausgedünnt und wollte die Strecke sogar stilllegen. Dann kam die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) und machte die Kraichgaubahn mit den Zweisystem-Stadtbahnen und engem S-Bahntakt zum Erfolgsmodell. Gut 20 Jahre später, nachdem die erste Stadtbahn Heilbronn erreicht hatte, ist die DB wieder im Rennen: Sie hat jetzt die Ausschreibung für den RE zwischen Heilbronn Hbf und Karlsruhe Hbf gewonnen. Das teilte das Landesverkehrsministerium in einer Pressemitteilung mit. Von drei Bietern hat die DB das beste Angebot abgegeben. Die eingegangenen Angebote seien ausgewertet und das Ministerium für Verkehr beabsichtige, der DB Regio den Zuschlag zu erteilen. Die Ausschreibung war aufgeteilt in zwei Lose und der Zuschlag erfolgt für 13 Jahre. Neben dem verbesserten Angebot soll das Reisen von und nach Karlsruhe auf den genannten Strecken auch durch den Einsatz von Neufahrzeugen spürbar bequemer werden. 

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Baureihe 1440 vom Typ Coradia Continental der Deutschen Bahn in Wuppertal. Solche Triebwagen sollen künftig jede Stunde schnell zwischen Karlsruhe Hbf und Heilbronn Hbf rollen. ©wikipedia IPRobin

Im Los 1 „Karlsruher Netz“ (Karlsruhe – Bretten – Eppingen – Heilbronn, Karlsruhe – Rastatt – Baden-Baden – Achern, Karlsruhe – Rastatt – Forbach (Schwarzwald) – Freudenstadt – Bondorf) sind dreiteilige und fünfteilige Neufahrzeuge vom Typ Alstom Coradia Continental vorgesehen. 

Im Los 2 „Nordbaden-Express“ (neue schnelle Verbindung von Karlsruhe über Bruchsal nach Heidelberg/Mannheim) sind dreiteilige Neufahrzeuge vom Typ Siemens Mireo vorgesehen.  Weiterlesen

Zukunftsfähige Mobilität statt Betonrampen für Neckarsulm und Heilbronn

Die Wähler haben sich am Sonntag in Neckarsulm beim Bürgerentscheid dagegen ausgesprochen, dass die Stadt Neckarsulm die Binswanger Straße mit der Bundesstraße 27 verbinden darf. Allerdings wurde die erforderliche Anzahl an Stimmen nur knapp verfehlt, so dass nun der Gemeinderat über den Bau des B27-Anschlusses entscheiden muss. Wie die Heilbronner Stimme berichtet, haben sich 3728 Neckarsulmer (57,4 Prozent) gegen das Projekt ausgesprochen. Allerdings gibt es rechtliche Hürden: Damit das Votum bindend ist, wären 3807 Stimmen nötig gewesen. Für die Anbindung haben sich 2768 Stimmberechtigte (42,6 Prozent) ausgesprochen. Die Beteiligung lag bei 34,2 Prozent.

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Betonorgie mit zweifelhafter Wirkung: Geplanter Anschluss an die B27 in Neckarsulm. Animation der Stadt Neckarsulm

Der VCD begrüßt das Votum und hofft nun, dass auch der Gemeinderat dem Wählerwillen folgt und dem gigantischen Betonwahnsinn eine Absage erteilt, den die Neckarsulmer Stadtverwaltung weiterhin befürwortet. Sie verspricht sich von der Kreuzung, dass Teile der Innenstadt vom Verkehr entlastet werden. Kritiker sehen das anders. Sie fürchten Staus, und sie gehen davon aus, dass viele Autos weiterhin durchs Zentrum fahren. Auch die Kosten von 42 Millionen Euro sind Gegnern zu hoch; die Stadt hätte 22,6 Millionen Euro zu tragen. Der VCD vermisst in der Region ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept und hat mehrfach die rückwärtsgewandte Verkehrspolitik in diesem Zusammenhang kritisiert.

Man fragt sich angesichts der Diskussionen um den B27-Anschluss schon, ob die politisch Verantwortlichen in der Region jemals eine Stadt mit intensivem, attraktivem Straßenbahnverkehr besucht haben. Dazu müsste man eigentlich nicht weit reisen, und man könnte anschaulich sehen, was zeitgemäße, klimafreundliche E-Mobilität bedeuten würde. Zum Beispiel in Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Freiburg oder Straßburg, wo moderne Niederflur-Trams die Menschen im Minutentakt sicher und komfortabel in einem dichten Netz an ihr Ziel bringen. In Straßburg kostet das übrigens pro Fahrt mit einem E-Ticket im 10er-Pack nur 1,32 Euro. Weiterlesen

Wo bleibt im Raum Heilbronn das intelligente Mobilitätskonzept?

In seiner wöchentlichen Kolumne „360 Grad“ spricht Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme unter anderen über die nicht eingelösten Wahlversprechen des Heilbronner Oberbürgermeisters Harry Mergel unter anderem zu einem intelligenten Mobilitäts- und Verkehrssystem. Mit großem Interesse haben wir als ökologischer Verkehrsclub VCD damals von seinen Ankündigungen für eine neue und zukunftsfähige Mobilität gelesen. Doch was ist seitdem außer dem Einsatz von Arbeitsgruppen passiert? Fährt auch nur ein einziger Bus mehr in Heilbronn? Arbeiten Stadt- und Landkreis endlich zusammen an der Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs (ÖV)?

Wie sollen denn die vielen betroffenen BürgerInnen künftig in die Stadt kommen, falls es auch in Heilbronn demnächst vom Gericht angeordnete Diesel-Fahrverbote geben wird? Was nutzt uns ein Mobilitätskonzept 2030 im Jahre 2019?

Man braucht keine Gutachten oder Arbeitsgruppen, um schnell konkrete und bessere Mobilitätsangebote zu schaffen. Dazu muss man nur selbst einmal den ÖV nutzen, um die Defizite zu erkennen. Man liest es in den Kommentaren zu Artikeln in Ihrer Zeitung immer wieder: Die BürgerInnen wünschen sich grundsätzlich engere Takte und zusätzliche Verbindungen mit dem ÖV, damit sie auch ohne lange Wartezeiten und ohne zweimal Umsteigen zur Arbeit und wieder zurück fahren können. Oder abends entspannt in Heilbronn ausgehen und auch öfter als einmal in der Stunde wieder nach Hause fahren können. Und dabei ist es ihnen egal, ob sie sich im Land- oder Stadtkreis bewegen. Welcher Pendler nutzt denn bitte einen Bus wie etwa zwischen Heilbronn und Erlenbach (quasi ein Vorort), wenn dieser nur einmal in der Stunde bis spätestens 19:30 Uhr verkehrt?

Ist dem OB und der Verwaltung überhaupt bewusst, dass es keinerlei Busverbindungen zwischen Heilbronn und Neckarsulm gibt? Dass selbst in der Hauptverkehrszeit nur dreimal in der Stunde eine Stadtbahn verkehrt? Dass es z.B. zwischen 7.25 Uhr und 8:03 Uhr keinerlei Stadtbahnfahrt von Heilbronn nach Neckarsulm gibt?

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Lediglich drei Stadtbahnen in der Stunde zwischen Heilbronn und Neckarsulm sind keine ernsthafte Alternative

Dass MitarbeiterInnen in den Zentralen von Lidl oder Bechtle von Heilbronn aus ihre Arbeitsstätten mit dem ÖV nicht erreichen können? Dass man von Heilbronn aus das Klinikum am Plattenwald nicht ohne Umsteigen erreichen kann? Und auch nicht das Klinikum Gesundbrunnen aus dem Landkreis? Dass man nicht einmal von Neckargartach aus mit dem Bus nach Neckarsulm fahren kann? Dass etwa beim Kaufland Neckarsulm Regional- und Stadtbus in nur wenigen Metern Entfernung an jeweils eigenen Haltestellen aneinander vorbei fahren und es keine Verknüpfung gibt?

Auch der sogenannte „Mobilitätspakt Heilbronn/Neckarsulm“ tritt auf der Stelle. Im Grunde ist das primär eine große Ansammlung von Straßenbauprojekten, die sich meist bereits in der Schublade befanden. Bis heute ist kein wirklich kreativer Input von Seiten der Stadt Heilbronn oder des Landkreises für eine wirklich spürbare Verbesserung des ÖV erkennbar. Dass ein paar zusätzliche Züge zu den Audi-Schichtzeiten am Haltepunkt Neckarsulm Nord stoppen oder nun die letzte Stadtbahn in Bad Friedrichshall geflügelt wird und ein Zugteil auch nach Mosbach fährt – das sind eigentlich längst überfällige Selbstverständlichkeiten, die primär der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg zu verdanken sind. Nach eineinhalb Jahren Diskutieren wahrlich große Fortschritte…

Gleichzeitig berichtet die Heilbronner Stimme in der Serie zum Thema Mobilität über Möglichkeiten des ÖV-Ausbaus und die erschreckende Ideenlosigkeit der verantwortlichen Akteure in Heilbronn. Eine Ausweitung der Takte oder gar neue Buslinien für bessere Querverbindungen zwischen den Stadtteilen seien „nicht darstellbar“ wird der Leiter der Verkehrsbetriebe zitiert.

Nachwievor wird der ÖV in der Region Heilbronn leider nur verwaltet und nicht gestaltet. Als VCD hatten wir gehofft, dass den Ankündigungen des OB endlich auch Taten folgen würden. Wo ist denn die Arbeitsgruppe, die ein konkretes Konzept für einen vernetzten ÖV in Stadt- und Landkreis erstellt? Wo ist die verantwortliche Aufgabenträgerorganisation, die dieses Konzept auch Realität werden lässt? Wo ist denn der 7,5-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit innerhalb Heilbronns? Wo bleibt der 15-Minuten-Takt im Ballungsraum Heilbronn? Wo sind die Nachtbusse in den Landkreis? Wann kommen die dringend benötigten zusätzlichen Stadtbahnfahrten? Warum hält im Stadtteil Klingenberg direkt an der Neckartalbahn bis heute keine Stadtbahn? Wieso nutzt der HNV nicht das Angebot des Landes, durch Zuschüsse die Ticketpreise deutlich zu senken, so wie es in Stuttgart geschieht?

Fragen über Fragen…

Michael Schwager, Vorstandsmitglied im Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) Regionalverband Hall-Heilbronn-Hohenlohe

Kleinere Verbesserungen zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018

Seit Mitte Oktober sind nun die neuen Fahrpläne für 2019 online in der DB-Auskunft abrufbar. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 gibt es auch bei der Heilbronner Stadtbahn Nord ein paar Verbesserungen im Fahrplan, wie das Landesverkehrsministerium auf Anfrage mitteilt. Bei der S42 kommt die Taktverdichtung zwischen Bad Rappenau Bhf und Sinsheim Hbf  zum Ein-Stunden-Takt. Allerdings haben die künftig bis Sinsheim durchfahrenden und zur vollen Stunde dort wendenden Stadtbahnen keinen Anschluss zur S-Bahn Rhein-Neckar. Der zweistündlich über die Sinsheimer Strecke verkehrende RegionalExpress Heilbronn – Mannheim bringt weiterhin den Stadtbahn-Fahrplan aus dem Takt. Bei der S41 wird eine Taktlücke abends geschlossen, zudem gibt es eine neue Spätverbindung durch Flügelung der S42 in Bad Friedrichshall. Generell bleibt es beim Stundentakt, was der VCD seit langem als nicht ausreichend kritisiert. Nachfolgend die Details: Weiterlesen

B27-Ausbau: Noch mehr Straßenbau oder öffentlicher Verkehr?

Stadtbahn S42 beim Audi-Werk in Neckarsulm, rechts oben die B27, links unten die NSU-Straße

Stadtbahn S42 beim Audi-Werk in Neckarsulm, rechts oben die B27, links unten die NSU-Straße an einem Samstagnachmittag. ©SCRITTI

Die aktuelle Debatte über den B27-Anschluss an die Binswanger Straße in Neckarsulm und den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße ist eine Diskussion aus dem vergangenen Jahrhundert. Kein Wunder, die Planungen dafür liegen ja schon Jahrzehnte zurück. Das aktuell vorgestellte Verkehrsgutachten (Bericht in der Heilbronner Stimme) hilft da nur wenig weiter, da es lediglich heutiges, Mobilitätsverhalten mit einem permanenten Wachstum an Autoverkehr weiter in die Zukunft projiziert. Gleichzeitig diskutieren wir intensiv über Klimaschutz und Fahrverbote in vielen Städten. Um die Klimaziele zu erreichen, sind auch drastische Maßnahmen im Verkehrsbereich notwendig, das weiß inzwischen jeder. Als ökologischer Verkehrsclub fordert der VCD schon lange die Verkehrswende, und zwar jetzt!

In einem aktuellen Artikel der BBC (Why you have probably already bought your last car – Warum Sie wahrscheinlich Ihr letztes eigenes Auto gekauft haben) heißt es: „A growing number of tech analysts are predicting that in less than 20 years we’ll all have stopped owning cars, and, what’s more, the internal combustion engine will have been consigned to the dustbin of history.“ Zahlreiche Experten gehen davon aus, dass sobald autonome, elektrisch angetriebene Fahrzeuge massentauglich sind, die Kosten für die individuelle Mobilität derart sinken werden, dass sich niemand mehr die Mühe machen wird, ein eigenes Auto zu besitzen und mit diesem jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Wozu auch?

Laut dem BBC-Artikel fährt der durchschnittliche Autobesitzer in England weniger als 16.000 Kilometer im Jahr, Autos stehen 95 Prozent der Zeit anstatt zu fahren. Das ist in Deutschland nicht viel anders. Viele junge Menschen haben das längst verstanden und organisieren sich ihre Mobilität auf andere Weise. Was passiert also, wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt und junge Menschen zunehmend auf den Besitz eines eigenen Autos verzichten? Was passiert, wenn wir eine Trendwende zum öffentlichen Verkehr hin schaffen und statt der B27-Fahrspuren die Bahngleise zwischen Neckarsulm und Bad Friedrichshall verdoppeln?

Ein tragfähiges Gutachten sollte nicht nur statisch den wachsenden Individualverkehr betrachten, sondern auch alternative Szenarien berücksichtigen. Was ist, wenn der Autoverkehr in 10, 20 Jahren tatsächlich signifikant weniger wird? Sind dann die zig Millionen für den B27-Anschluss noch gerechtfertigt? Was würde passieren, wenn die Stadt Neckarsulm und die Region dieselbe Summe in den Ausbau und die Vernetzung des öffentlichen Verkehrs investieren würden? Wenn Busse und Bahnen alle fünf Minuten verkehren und alle großen Standorte von Audi, Bechtle, Lidl, Schwarz und Co. in alle Richtungen anbinden würden? Um wie viele Autos pro Tag könnten dann die geplagten BürgerInnen entlastet werden?

Es gilt die alte Weisheit: Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten. Das sehen wir in der gesamten Region Heilbronn-Neckarsulm. Jede Straßenbaumaßnahme in der Vergangenheit wurde uns als „Entlastung“ verkauft – mit dem Ergebnis, dass der Individualverkehr inzwischen regelmäßig zusammenbricht und die Menschen die Luft in den Städten nicht mehr atmen können. Beim B27-Anschluss in Neckarsulm wird es nicht viel anders sein: Es mag sein, dass durch den Anschluss einzelne Straßen in Neckarsulm vom Autoverkehr entlastet werden. Was ist aber etwa mit den BürgerInnen, die etwas weiter weg in Erlenbach oder Kochendorf wohnen? Oder in Weinsberg? Werden auch sie entlastet oder haben sie in Zukunft stattdessen den Dreck vor der eigenen Haustür?

Eine regionale Verkehrsplanung, die ihren Namen verdient und alle Formen der Mobilität berücksichtigt, ist überfällig. Die Zeit der Insellösungen mit immer mehr und immer größeren Straßen muss ein Ende haben. Es geht nicht darum, wie man bequem mit dem eigenen Auto zur Arbeitsstelle kommt. Es geht darum, den Planeten Erde zu retten.

Michael Schwager, Mitglied im VCD-Vorstand Hall-Heilbronn-Hohenlohe

Hintergrund: Mitten durch Neckarsulm hindurch führt die Bundesstraße 27 als Schnellstraße aus dem Neckartal kommend nach Heilbronn hinein. Es gibt zwei Auf- und Abfahrten nördlich und südlich der Innenstadt bei der Kreuzung mit der Autobahn A6. Innerhalb der Stadt führt die zweispurige B27 über eine Brücke am Zentrum vorbei. Seit langem werden der durchgehende vierspurige Ausbau diskutiert (der aus Platzmangel nur schwer umsetzbar ist) sowie ein weiterer Anschluss im Bereich der kreuzenden Binswanger Straße zum Anschluss eines Gewerbegebiets. Dieser erfordert jedoch teure Rampen für die Auf- und Abfahrten zur tieferliegenden B27 und die Umsiedlung einer im Weg liegenden Baumschule. Daher summieren sich die Kosten inzwischen auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Befürworter des Anschlusses glauben, dass dadurch weniger Autoverkehr durch die Innenstadt fließt und zugleich das Gewerbegebiet mit der Lidl-Zentrale attraktiver wird. Gegner erwarten nur noch mehr Verkehr und eine zusätzliche Belastung der Anwohner in diesem Bereich, weshalb sie ein Bürgerbegehren in dieser Frage initiiert haben. (mgr)

Magazin VCDdirekt 2018 erschienen

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VCDdirekt Ausgabe 2018

Ende Juni ist eine neue Ausgabe des Magazins VCDdirekt erschienen mit Infos und Artikeln zur verkehrspolitischen Arbeit des ökologischen Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) in Baden-Württemberg. Spannende Themen auf 24 Seiten rund um den öffentlichen Verkehr und die Verkehrswende sind unter anderem

  • ÖPNV-Offensive des VCD für lebenswerte Städte
  • Grundschulkinder als kleine Lärmdetektive
  • Zugausfälle und Verspätungen: Das Warten geht weiter
  • Elektrifizierungsoffensive für das Bahnnetz in Baden-Württemberg
  • Was kostet Kommunen der Individualverkehr?
  • VCD: Wir sind der Verkehrswende-Club!
  • Klimaschutzszenario Baden-Württemberg und Konsequenzen
  • Stuttgart 21 neu ausrichten und Kopfbahnhof erhalten
  • ÖV-Offensive für Heilbronn statt Fahrverbote
  • VCD-Projekt Radschnellwege Baden-Württemberg
  • Neue Mobilitätsangebote rund um Stuttgart

Auf der Webseite des VCD-Landesverbandes Baden-Württemberg steht die aktuelle Ausgabe zum Download bereit. Dort können auch gedruckte Exemplare bestellt werden. Viel Spaß beim Lesen!

WM und Public Viewing: VCD fordert bessere Anbindung von Heilbronn im Nahverkehr

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Genossenschaftskellerei Heilbronn: Kein Anschluss an den ÖV zum Open-Air-Kino oder Public Viewing

Aus Anlass des Starts der Fußball Weltmeisterschaft 2018 und des bei der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg stattfindenden Public-Viewings fordert der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) in der Region Hall-Heilbronn-Hohenlohe, endlich die Anschlüsse im öffentlichen Verkehr (ÖV) zwischen Heilbronn und den Nachbarkommunen zu verbessern und einen Grundtakt von 30-Minuten auch abends und am Wochenende auf allen Linien einzuführen.

Jedes Jahr finden bei der Genossenschaftskellerei, die sich nur wenige Meter von der Ortsgrenze von Heilbronn und Erlenbach entfernt befindet, Großveranstaltungen wie das Sommerfest, das Open-Air-Sommerkino oder nun Public-Viewing zur WM mit Tausenden Besuchern statt. Inzwischen locken auch der beliebte Biergarten und andere touristische Angebote zahlreiche Gäste den ganzen Sommer über an die Binswanger Straße mit Blick über die umliegenden Weinberge.

Aus VCD-Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass dennoch fast alle Besucher mit dem Auto kommen müssen und die umliegenden Felder zuparken, nur weil man die Genossenschaftskellerei und den Heilbronner Nachbarort Erlenbach mit dem ÖV nicht erreichen kann. „Das ist für eine Weinstadt und Weinregion schlicht unwürdig und konterkariert die allgemeinen Bemühungen, den Tourismus im Heilbronner Land zu fördern“, stellt VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter fest. Weiterlesen