Nach 2 Jahren Stadtbahn Nord: Tickets endlich auch im Zug

HNV-E-Ticket

VCD-Tipp: Mit dem E-Ticket des HNV braucht man keine Ticketautomaten mehr und spart 25%

Ein jahrelanges Ärgernis für die Fahrgäste der Stadtbahn Nord wird endlich beseitigt: Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 nimmt die AVG endlich die in den Stadtbahnen vorhandenen Ticketautomaten in Betrieb. Dies teilt die AVG in einer kurzen Pressemitteilung mit. Fahrgäste können – wie auf allen anderen Stadtbahn-Linien schon immer üblich – auch in den Zügen der Linie S41 von Heilbronn nach Mosbach oder der S42 von Heilbronn nach Sinsheim ein Ticket im Zug lösen. Die AVG verkauft dies als „neues Serviceangebot“. Sie weist zudem darauf hin, dass es sich bei den mobilen Automaten um eine Ergänzung handele zu den stationären Fahrkartenautomaten, die an sämtlichen Haltestellen entlang der Strecke in Betrieb seien und über das volle Fahrkartensortiment verfügen. Allerdings verschweigt der Bahnbetreiber, dass an den meisten Stationen nur ein einziger Automat auf einer Seite der Gleise zur Verfügung steht und Fahrgäste oft Umwege gehen müssen, um an ein Ticket zu kommen. Immer wieder hatte es seit Inbetriebnahme der Stadtbahn Nord Ärger und Verwirrung um die in den Stadtbahnen installierten Ticketautomaten gegeben. Fahrgäste wunderten sich, dass die Automaten außer Betrieb waren, obwohl es seit Jahren ein Service-Merkmal der AVG war, dass man problemlos Tickets auch an den Automaten im Zug kaufen kann. Bei der S4 auf der Ost-West-Achse von Karlsruhe über Heilbronn nach Öhringen war dies nie ein Problem. Angeblich soll das Automaten-Verbot eine Vorgabe des Landes gewesen sein, weil auf der Nord-Strecke eben auch DB-Züge ohne Ticketverkauf im Zug verkehrten. Dies ist allerdings auch auf der S4 und auf anderen Strecken der Fall, wo der Ticketkauf in Stadtbahnen problemlos möglich ist. Um künftig stressfrei den ÖV in der Region zu nutzen, empfiehlt der VCD die Nutzung des übertragbaren E-Tickets des HNV, das zudem 25% günstiger ist als die Normalfahrkarte. (mgr)

AVG und Nahverkehrsgesellschaft setzen Fahrgastvorschlag um

S42 nach Sinsheim in Bad Friedrichshall ©wikipedia

S42 nach Sinsheim in Bad Friedrichshall ©wikipedia

Zum kleinen Fahrplanwechsel am Sonntag, den 12. Juni 2016 kommt es zu Anpassungen im Fahrplan der Stadtbahnlinien S41 und S42. Künftig wird es einen sogenannten „Eckanschluss“ zwischen beiden Linien in Bad Friedrichshall Hbf geben. Alle zwei Stunden kann künftig mit einer Übergangszeit von 4 Minuten aus Richtung Sinsheim in Richtung Mosbach umgestiegen werden sowie in Gegenrichtung aus Mosbach nach Sinsheim. Diese fahrgastfreundliche Lösung geht auf den Vorschlag von Alex Riederer aus Sinsheim zurück, den dieser unter anderem an das Fahrgastforum im HNV gesandt hatte. Riederer war regelmäßig von Neckarzimmern nach Sinsheim unterwegs, und stellte fest, dass in Bad Friedrichshall Hbf offiziell nur 2 Minuten Umsteigezeit blieben, obwohl die S42 in Bad Wimpfen sowieso vier Minuten auf den Gegenzug warten muss. Warum also nicht einfach in Bad Friedrichshall später abfahren und so einen entspannten Übergang schaffen? Der verantwortliche Verkehrsplaner bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg Markus Kempf reagierte prompt auf den Vorschlag. Man habe zusammen mit der AVG die Pünktlichkeit und Stabilität der Eckanschlussverbindungen untersucht und entschieden, den Vorschlag umzusetzen. „Alle zwei Stunden fährt die S42 künftig erst zur Minute 12 ab Bad Friedrichshall Hbf in Richtung Sinsheim, so dass neu 4 Minuten Umsteigezeit aus der S41 entstehen“, berichtet Kempf. „In der Gegenrichtung wird die S42 aus Sinsheim künftig zur Minute 44 in Bad Friedrichshall Hbf ankommen, so dass bis zur Abfahrt der S41 ebenfalls 4 Minuten Umsteigezeit entstehen.“ Da die S42 nur auf den Gleisen 10 und 11 von und nach Bad Wimpfen verkehren könne, sei ein bahnsteiggleicher Umstieg von und zur S41 leider nicht möglich. (mgr)

VCD Podiumsdiskussion am 14.6.16: E-Mobilität im Nahverkehr

Hohenlohe Elektrobus zur LaGa

Hohenloher Elektrobus zur LaGa Öhringen

Durch den Beschluss der Bundesregierung, die Anschaffung von Elektroautos direkt zu unterstützen, ist die E-Mobilität wieder ins öffentliche Blickfeld geraten. Viele Experten kritisieren diese direkten Subventionen jedoch. Die Allianz pro Schiene etwa bewertet das milliardenschwere Förderpaket als „einseitig straßenlastig, nutzlos für die Umwelt und teuer für den Steuerzahler“. So wie der Bund das Thema anpacke, gerate die Förderung von Elektromobilität zur reinen Straßenbeihilfe. Denn der Bereich, in dem Elektromobilität bereits heute problemlos umsetzbar ist, spielt in der öffentlichen Diskussion fast gar keine Rolle: Der Nahverkehr. In den letzten Jahren hat die Anzahl der Elektro-Fahrräder stark zugenommen, ohne dass die Politik und die Verkehrsplanung darauf reagiert hätten. Denn inzwischen ist auch in unserer hügeligen Gegend das Fahrrad als Verkehrsmittel immer wichtiger geworden. Auch ein anderer Bereich wird viel zu wenig beachtet: Der Busverkehr mit Elektrobussen. Dabei sitzt der Marktführer der Antriebstechnik in diesem Bereich in der Region. Und endlich wurden zur Landesgartenschau in Öhringen die ersten E-Busse in Betrieb genommen. Über diese Themen sprechen bei der vom VCD Hall-Heilbronn-Hohenlohe und der VHS Schwäbisch Hall veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema „Elektromobilität im Nahverkehr“ am 14. Juni 2016 um 20 Uhr in der VHS in Schwäbisch Hall, Salinenstraße 10:
Ralf Arnold, Geschäftsführer der Abteilung „Automotive“ der Firma Ziehl-Abegg
Ingrid Kühnel, Geschäftsführerin des Kreisverkehr Schwäbisch Hall
Dieter Wolfarth, Sprecher der Kreisverbandes des ADFC
Der VCD HHH lädt alle Mitglieder und Interessierte recht herzlich ein!

Neue Fahrpläne für 2016 jetzt online

S42 in HN Austrasse

Zwischen Neckarsulm und Heilbronn verkehrt die Stadtbahn weiterhin nur dreimal in der Stunde – viel zu selten, um eine Alternative zum Autoverkehr zu sein

Auf der Webseite des Heilbronner Verkehrsverbundes (HNV) stehen jetzt die ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 gültigen Fahrpläne als pdf zum Download bereit. Die gedruckten Fahrplanbücher für Stadt und Landkreis Heilbronn voraussichtlich in KW 50 erhältlich sein. Es bleibt weitgehend alles beim Alten. Die Fahrplantabelle für die Stadtbahnlinie S4 gibt es hier zum Download, für die S41/42 hier. Größere Änderungen wird es nur im Zabergäu geben, wo ein neues Buskonzept umgesetzt wird. Zehn Buslinien – mit der Bezeichnung 660 bis 669 – verkehren künftig von und nach und rund um Brackenheim teils im Halbstundentakt. Allerdings sind die Anschlüsse zum Bahnverkehr vor allem in Heilbronn nicht immer ideal. Leider haben sich auch die Versprechungen aus dem Landratsamt Heilbronn, dass im Rahmen der Einführung der Stadtbahn Nord beim ÖV-Angebot nachgebessert werde, weitgehend als heiße Luft erwiesen. Noch immer sind drei Stadtbahnen je Stunde zwischen Neckarsulm und Heilbronn viel zu wenig, und es fehlen direkte Busverbindungen, so dass viele Bereiche mit dem ÖV nur noch beschwerlich mit Umsteigen erreichbar sind. Fahrgäste beschweren sich zudem regelmäßig, dass der Stadtbahnverkehr mit S41 und S42 nicht wirklich funktioniert und Verspätungen an der Tagesordnung sind, insbesondere durch den Engpass zwischen Neckarsulm und Bad Friedrichshall. Die Folgen kann jeder sehen, der während der Hauptverkehrszeiten auf die Straßen rund um Heilbronn und Neckarsulm blickt. (mgr)

VCD kritisiert zunehmende Unzuverlässigkeit der AVG-Stadtbahnen

S4 Weinsberg-West

Immer öfter warten Fahrgäste auch vergeblich auf die S4 in Weinsberg

In einer aktuellen Pressemitteilung kritisiert der ökologische Verkehrsclub VCD die zunehmenden Zugausfälle bei den Stadtbahnen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). „Die Stadtbahnen der AVG waren noch vor zehn Jahren das große Vorbild für den attraktiven Ausbau des Nahverkehrs, doch derzeit ärgern sich immer mehr Fahrgäste über die Mängel im System“, beklagt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb.
„Nach der Krise der Jahre 2011/2012 mit hohen Verspätungen war die Pünktlichkeit im Jahr 2014 auf einem guten Weg und fast immer besser als bei den DB-Zügen – doch nun führt der akute Fahrermangel bei der AVG zum Ausfall vieler Stadtbahnfahrten“, so Matthias Lieb.
Das Stadtbahn-Netz, das ausgehend von Karlsruhe u. a. bis Sinsheim, Mosbach, Öhringen, Heilbronn, Bietigheim-Bissingen, Pforzheim, Bad Wildbad, Baden-Baden und Freudenstadt reiche, stehe immerhin für 15 Prozent der vom Land Baden-Württemberg bestellten Zugkilometer, stellt der VCD fest.
„Es kann nicht sein, dass wichtige überregionale Bahnverbindungen wie von Karlsruhe nach Heilbronn einfach ausfallen, weil die AVG nicht genügend Lokführer hat. Hier muss dringend etwas passieren!“, fordert Matthias Lieb. Schließlich betreibe die AVG manche Linien in Kooperation mit der DB AG – dann sollten doch auch Personalaushilfen möglich sein – insbesondere da die AVG ja nicht immer durch die Innenstädte mit den besonderen Anforderungen fahre, sondern auf DB-Gleisen wie jeder andere Zug unterwegs sei, gibt der Verkehrsclub zu bedenken.
Weiter fordert der VCD eine bessere Information seitens der AVG gegenüber den Fahrgästen und gegenüber der DB: „Die Zugausfälle müssen frühzeitig in alle Auskunftsmedien, nicht nur der AVG, sondern auch der DB eingespeist werden, so dass die Fahrgäste, aber auch die DB-Mitarbeiter in den Zügen und Reisezentren über die Stadtbahn-Ausfälle informiert sind und frühzeitig Alternativverbindungen wählen können“, erklärt Matthias Lieb.
Das Stadtbahn-Konzept ist sicherlich ein Erfolgsmodell, stoße aber nach VCD-Meinung inzwischen an seine Grenzen. „Je länger die Züge unterwegs sind, um so unpünktlicher werden sie“, erläutert Lieb. „Insbesondere wenn sie auch noch abschnittsweise auf Straßenbahngleisen vom Großstadtverkehr ausgebremst werden.“
Das Stadtbahn-Konzept sei aus VCD-Sicht sinnvoll vor allem in der schnellen Direktverbindung von
Umlandgemeinden mit dem Zentrum der Großstadt, wie z.B. in Karlsruhe und Heilbronn. Vor 20 Jahren habe man mangels anderer elektrischer Triebwagen die AVG-Stadtbahnen dann aber auch auf weitere Überlandverbindungen ausgedehnt, stellt der VCD fest.
Die Folge sei, dass heute die Verbindung Karlsruhe – Heilbronn mit 90 Minuten für 74 Kilometer langsamer sei als vor 25 Jahren, so der VCD. Dabei könnten Eilzüge mit nur wenigen Halten die Strecke in unter 60 Minuten und damit auch in einer zum Straßenverkehr konkurrenzfähigen Fahrzeit schaffen, gibt der VCD zu bedenken.
Auch Fahrten mit der Straßenbahn von Heilbronn nach Sinsheim, die für eine Strecke von 33 Kilometern 65 Minuten benötige, machten die Schiene nicht attraktiver, vor allem wenn sie das einzige Nahverkehrsangebot darstellten und es keine schnellere Alternative gebe, beklagt der VCD.

Podiumsdiskussion in Neckarsulm: Probleme über Probleme

Stadtbahn Nord Podiumsdiskussion

Stadtbahn Nord Podiumsdiskussion

Unter dem Motto „Stadtbahn Nord im Takt?“ hatte die Kreistagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen Am Donnerstag, den 26. Februar 2015 um 20 Uhr zu einer Podiumsdiskussion nach Neckarsulm in die Gaststätte Hohly’s Wilhelmshöhe eingeladen. Auf dem Podium stellten sich der Diskussion:
MdL Daniel Renkonen, Verkehrspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg
Claus-Jürgen Renelt, Amt Bauen, Umwelt und Planung im Landratsamt Heilbronn
Heike Schokatz, Bürgermeisterin von Gundelsheim
Hans-Martin Sauter, Mitglied im Regionalvorstand des Verkehrsclub Deutschland (VCD)
Herr Behrend, Albtalverkehrsgesellschaft Karlsruhe (AVG)
Wie Moderator Armin Waldbüßer, Kreisrat Bündnis 90 / Die Grünen, gleich zu Beginn berichtete, hatte die Deutsche Bahn ihrem Vertreter nachträglich eine Teilnahme an der Veranstaltung untersagt. Daher blieb dessen Platz leer. Zum Einstieg in die Diskussion beschrieb Armin Waldbüßer eine Vielzahl der aktuellen Probleme. Claus-Jürgen Renelt räumte ein, dass der Stadtbahn-Start alles andere als optimal verlaufen sei und es zahlreiche Probleme mit den neuen Fahrzeugen gab: „Die Kritik des VCD ist berechtigt und nicht wegzudiskutieren.“ Dennoch sei die Entscheidung für die Stadtbahn richtig gewesen. Renelt betonte, dass die Pünktlichkeit inzwischen „bei über 90 Prozent“ liege und er deshalb optimistisch in die Zukunft blicke. Allerdings ging keiner der Redner darauf ein, dass 90 Prozent Pünktlichkeit einer der schlechtesten Werte im ganzen Land darstellt. Laut NVBW gelten nach Definition Deutsche Bahn Züge als pünktlich, die weniger als sechs Minuten verspätet angekommen bzw. abgefahren sind. Bei der Stadtbahn Nord führen jedoch schon Verspätungen von vier Minuten dazu, dass vielerorts Anschlüsse nicht mehr erreicht werden. Solche Züge gelten jedoch immer noch als „pünktlich“.
MdL Daniel Renkonen wies darauf hin, dass der aktuelle Fahrplan auf Wunsch des Landkreises Heilbronn zustande gekommen sei und wies eine Verantwortung des Landes für die aktuellen Probleme zurück. Auch betonte er, dass von Landesseite keine Finanzmittel für weitere Verbesserungen am Fahrplan zu erwarten seien.
Hans-Martin Sauter vom VCD bemängelte, dass generell viel zu wenig Geld für die Finanzierung des Nahverkehrs zur Verfügung stehe und erinnerte an das ursprüngliche Stadtbahn-Konzept aus den 90er Jahren, von dem 20 Jahre später nicht mehr viel übrig geblieben sei. Neue Konzepte funktionierten oft nicht auf Anhieb, die Fahrgäste seien Versuchskaninchen. Auch vermisse der VCD ein schlüssiges Gesamtkonzept. So seien Busverbindungen wie bei der Linie 620 vom Landkreis gestrichen worden, obwohl vorher das Gegenteil versprochen worden war. Die Stadtbahn könne jedoch schnelle Direktverbindungen etwa nach Neuenstadt nicht ersetzen. Das treibe viele Fahrgäste wieder ins Auto.
Auch Herr Behrend von der AVG räumte weiterhin Probleme beim Stadtbahnbetrieb ein, insbesondere bei der Kommunikation der unterschiedlichen Beteiligten wie Deutsche Bahn, AVG und Stadtwerke Heilbronn, die in Heilbronn für die Infrastruktur verantwortlich sind. Diese Kommunikationsprobleme bestehen jedoch bereits seit 15 Jahren seit die erste Stadtbahn nach Heilbronn kam. Herr Behrend räumte weiterhin Probleme mit der Pünktlichkeit und den Fahrzeugen ein, gelobte aber Besserung. Man arbeite zusammen mit DB Netz an zahlreichen Detaillösungen, um die Anschlüsse im Bahnhof Neckarsulm zwischen AVG und DB besser zu gewährleisten. So wurden bereits einzelne Regionalbahnen aus Stuttgart bis Bad Friedrichshall verlängert, um dort einen entspannteren Übergang in Richtung Mosbach zu gewährleisten. Ein weiteres Thema waren fehlende Fahrkartenautomaten entlang der Strecke, abgeschaltete Ticketautomaten in den Zügen sowie der nicht barrierefreie Zugang zum Bahnsteig in Gundelsheim. Darauf geht auch Linken-Kreisrat Johannes Müllerschön auf seiner Webseite ein.
Fazit der gesamten Debatte: Die Stadtbahn ist grundsätzlich gut, an den Problemen wird gearbeitet, verändert wird jedoch nichts. Die Fahrgäste sollen sich gefälligst an das neue System gewöhnen.
Auf Kritik aus dem Publikum an gestrichenen Busverbindungen und langen Reisezeiten mit Umsteigezwängen ging Renelt nicht ein. Stattdessen betonte der Fachplaner aus dem Landratsamt, man könne jetzt in Neckarsulm jederzeit zum Bahnhof gehen, weil dann immer irgendein Zug nach Heilbronn fahre. Offenbar sind die Bedürfnisse der Fahrgäste jedoch andere, als zum Bahnhof zu laufen und mit „irgendeinem Zug nach Heilbronn zu fahren“. (mgr)

VCD fordert Rücknahme der Verschlechterungen beim Nahverkehr

Stadtbahn S41 in Neckarsulm

Stadtbahn S41 in Neckarsulm auf dem Weg nach Norden. Anschlüsse zum Busverkehr funktionieren oft nicht.

Nach über einem Monat Betrieb der Stadtbahn Heilbronn Nord zieht der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine erste Bilanz und fordert in einer aktuellen Pressemitteilung die Rücknahme der Verschlechterungen beim Nahverkehr zwischen Heilbronn und Neckarsulm. Es gebe massive Fahrgastbeschwerden wegen der Stadtbahn Nord und fehlenden Busverbindungen. Der VCD fordert umgehend Nachbesserungen beim Fahrplanangebot, die Wiedereinführung von gestrichenen Busverbindungen im Ballungsraum Heilbronn – Neckarsulm und einen 15-Minuten-Takt als Mindeststandard.
„Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 hat sich beim Öffentlichen Verkehr in der Region vieles verschlechtert“, stellt VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter ernüchtert fest. Oftmals herrsche das Chaos. Stadtbahnen seien unpünktlich oder fielen ganz aus, Anschlüsse funktionierten überhaupt nicht oder würden regelmäßig verpasst, die Fahrgastinformation an den Haltestellen sowie die Online-Fahrplanauskunft funktionierten nicht. Statt der versprochenen, modernen Neubaufahrzeuge sind bei der Stadtbahn Nord vermehrt alte, nicht barrierefreie Fahrzeuge anzutreffen. „Diese funktionieren zwar im Gegensatz zu den Neubaufahrzeugen. Doch so haben sich die Fahrgäste angesichts der Millioneninvestitionen einen modernen, kundenfreundlichen Nahverkehr nicht vorgestellt“, sagt Sauter.
Als größtes Problem sieht der VCD jedoch die Verschlechterungen beim Busverkehr. Tausende Fahrgäste nördlich von Heilbronn müssen seit dem Fahrplanwechsel Umwege in Kauf nehmen und werden vom Landratsamt Heilbronn gezwungen, kurz vorm Ziel in die Stadtbahn umzusteigen, die zudem nur dreimal in der Stunde und mit Taktlücken von bis zu 30 Minuten verkehrt. Fahrzeiten haben sich so massiv verlängert. „45 Minuten Fahrt, um von Heilbronn in Teilorte im benachbarten Neckarsulm zu kommen sind keine Seltenheit“, weiß Sauter. Beim VCD, den Verkehrsunternehmen und den lokalen Medien stapelten sich inzwischen die Beschwerden.
„Ohne Not wurde vom Landkreis Heilbronn ein bislang funktionierendes System zerstört, indem planlos Busverbindungen aus den Nachbarkommunen in Richtung Heilbronn gekappt wurden“, erklärt Sauter. „Auch bei wichtigen Buslinien wie dem Schnellbus Neuenstadt – Heilbronn (Linie 620) wurde gekürzt, obwohl vom Landkreis versprochen worden war, dass dieser wie bisher auch abends und am Wochenende verkehrt. Auf diese Weise verprellt man nicht nur potenzielle neue Fahrgäste, sondern auch vorhandene Stammkunden, die nun teils notgedrungen wieder auf das Auto umsteigen. Viele Pendler haben nach 19:30 Uhr keine direkten Verbindungen mehr aus Heilbronn in den Landkreis.“
Zwar begrüßt der VCD die Verbesserungen auf einzelnen Linien sowie beim Stadtbus-Angebot rund um Neckarsulm. Dies täuscht jedoch nicht über die zahlreichen Verschlechterungen vor allem zwischen Neckarsulm und Heilbronn hinweg. Da es bisher stündlich mindestens vier Fahrtmöglichkeiten per Bus zwischen Neckarsulmer Innenstadt, der Südstadt mit Gewerbe, Einkaufszentrum und Berufsschule und der Heilbronner Allee gab, hat sich die Situation mit nur noch drei S-Bahnfahrten je Stunde deutlich verschlechtert. Auch der Bereich am Heilbronner Europaplatz mit Geschäften, dem wachsenden Bildungscampus und der künftigen Bundesgartenschau ist aus Neckarsulm nicht mehr direkt erreichbar.
Der VCD fordert auf der wichtigsten Verkehrsachse der Region wie bei den Stadtbussen mindestens einen 15-Minuten-Takt bei den Stadtbahnlinien S41/42 sowie ein ergänzendes Busangebot mit engen Takten von Innenstadt zu Innenstadt und auf jenen Relationen, wo die Nutzung der Stadtbahn zeitlich und auf Grund des schlechten Taktes keine ernsthafte Alternative ist. Dies betrifft unter anderem Verbindungen von Heilbronn nach Neuenstadt, Erlenbach, Ober- und Untereisesheim, zum Klinikum Am Plattenwald oder zum ZOB Neckarsulm sowie in die Neckarsulmer Südstadt.

Weiterhin massive Kritik an ÖPNV-Verschlechterungen

Weiterhin beklagen Fahrgäste im Landkreis Heilbronn die massiven Verschlechterungen beim Nahverkehr zwischen Neckarsulm und Heilbronn seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014. Auch die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet in einer Reportage, was bei der Stadtbahn Nord alles nicht funktioniert. Pendler klagen über die nicht funktionierenden Anschlüsse von Mosbach in Richtung Stuttgart. Inzwischen kommen auch alte Stadtbahn-Fahrzeuge zum Einsatz, da es wohl mit den neuen weiterhin Probleme gibt. Kritik der Fahrgäste im Landkreis Heilbronn richtet sich vor allem gegen das Verhalten des entsprechenden Amtsleiters Claus-Jürgen Renelt. In einem Leserbrief an die Heilbronner Stimme schreibt etwa Torsten Weidemann, Heilbronn: „Mit welcher Arroganz (seine Person betreffend) und lgnoranz (die Probleme betreffend) der Leiter der Abteilung Bauen, Planen und Umwelt die vielen Beschwerden abkanzelt, ist schlichtweg unverschämt.“
Ralf Merkle aus Neckarsulm betont in einem Leserbrief: „Ich kenne zahlreiche ältere Bürger, die von der Stadtmitte Neckarsulms bis zum Wollhaus fuhren, zügig und unkompliziert. Auch eine Vielzahl dieser Verbindungen ist ersatzlos gestrichen. Der Fußweg für diese älteren Menschen zum Bahnhof Neckarsulm beträgt teilweise das Vierfache als der zur nächsten Bushaltestelle. Der Äußerung des Zuständigen im Landratsamt ist nichts hinzuzufügen. Angestellte sollen früher gehen und den Laden früher schließen oder eben die Kasse stehen lassen. So einfach ist das. Bleibt dem, der kann also nur noch das Auto.“
Armin Frey aus Bad Friedrichshall weist in der Heilbronner Stimme darauf hin, dass es auf der Straßenbahnstrecke zwischen Neckarsulm und Heilbronn bereits mehrfach zu Zusammenstößen mit Kraftfahrzeugen gekommen ist, so dass jedes mal der gesamte Nahverkehr zwischen Neckarsulmer und Heilbronner Innenstadt lahmgelegt wurde, da es ja nun keine Rückfallebene mehr gibt, weil kein Bus mehr fährt.
Auch im Kraichgau ist laut Heilbronner Stimme der Unmut groß: „Wir sind seit langer Zeit wegen der untragbaren Buszustände sehr verzweifelt“, so Nicole Lardani aus Heinsheim. Schulbusse seien total überfüllt. Durch den Wegfall der direkten Verbindung zum Bahnhof Gundelsheim kämen viele Berufsschulkinder nun nicht mehr zur Schule oder, da sie riesige Umwege fahren müssen, jedes Mal zu spät zum Unterricht.
Der VCD hat nun erneut die Verantwortlichen dazu aufgefordert, die Verschlechterungen und die Angebotsreduzierung auf der wichtigsten Nahverkehrsverbindung der Region zwischen Neckarsulm und Heilbronn zurückzunehmen und dafür zu sorgen, dass es wieder wie früher mindestens vier Verbindungen je Stunde von Innenstadt zu Innenstadt gibt!
Seit dem Fahrplanwechsel werden Tausende Fahrgäste gezwungen, auf die Stadtbahn S41/42 umzusteigen, die zudem nur dreimal in der Stunde fährt mit Taktlücken von bis zu 30 Minuten und oftmals mit Verspätung, so dass Anschlüsse nicht funktionieren. Viele Ortsteile und Kommunen zwischen Heilbronn und Bad Friedrichshall wie Kochendorf, Amorbach, Plattenwald, Ober- und Untereisesheim haben nun KEINE Direktverbindung mehr nach Heilbronn. Im Außenbereich ist es sinnvoll, Bus und Bahn eng zu vernetzen. Im Ballungsraum HN-NSU dagegen braucht es nach VCD-Meinung eine Vielzahl von Quer- und Direktverbindungen mit Bus UND Bahn wie in jeder anderen Großstadt auch. Niemand würde auf die Idee kommen, Bewohner aus Sontheim oder Neckargartach zum Umstieg auf die Stadtbahn zu zwingen statt in wenigen Minuten direkt in die City zu fahren. Reisezeiten von mindestens 30 Minuten von Neckarsulm bis nach Heilbronn sind für viele Fahrgäste nun an der Tagesordnung. Wie soll der Öffentliche Verkehr auf dieser Grundlage zum Autoverkehr konkurrenzfähig sein?

Chaos und Shitstorm empörter Fahrgäste nach Fahrplanwechsel

Piepenburg+Gall_HSt

Innenminister Gall und Landrat Piepenburg haben es sich am Samstag in der neuen Stadtbahn bequem gemacht. Ob man die Herren wohl öfter auf der fast eine Stunde dauernden Fahrt von Mosbach nach Heilbronn antreffen wird? ©Heilbronner Stimme

Der erste Tag nach dem Fahrplanwechsel mit der neuen Stadtbahnlinie S41 auf der Strecke von Neckarsulm bis Mosbach-Neckarelz verlief offenbar extrem chaotisch. Vielerorts warteten Fahrgäste vergeblich auf Bus oder Bahn und mussten überrascht feststellen, dass Busse nicht mehr gewohnte Routen und Strecken fahren und sie nun umsteigen müssen. Auf der Facebook-Seite der Heilbronner Stimme entlud sich ein wahrer Shitstorm über die Neuplanung bei Bus und Bahn und fehlende Informationen. Dutzende Fahrgäste machten ihrem Ärger Luft und berichteten von doppelt so langen Fahrzeiten als zuvor durch den Umsteigezwang auf die Stadtbahn. Schüler kamen wegen fehlender Verbindungen nicht mehr in ihre Schulen. Heftig kritisiert wurde zudem, dass es keine Direktverbindungen per Bus mehr aus den Nachbarkommunen nach Heilbronn gibt. Die Kommentare reichen von „Totaler Mist“ über „Katastrophe“ bis zu „Welche Narren haben dieses Konzept erarbeitet?“ Auch viele Busfahrer waren mit der neuen Situation offensichtlich überfordert. Eine Auswahl der Facebook-Postings findet sich im ersten Kommentar zu diesem Artikel!
Hinzu kamen zudem erneut technische Probleme mit den neuen Stadtbahnfahrzeugen der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG). Nach einem Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung kam es bereits am Sonntag zum Ausfall mehrerer Züge aufgrund technischer Probleme. Die AVG bedauerte die Unannehmlichkeiten auf der neuen Strecke, die Technik habe in manchen Bereichen mal wieder nicht funktioniert, so eine Sprecherin. Aufgrund der komplett neuen Züge sei es im ersten „Stresstest“ des regulären Betriebs zu Schwierigkeiten gekommen. Seltsam nur, dass die neuen Züge bereits seit einem Jahr zwischen Heilbronn und Neckarsulm im Regelbetrieb fahren, aber nun offenbar auf dem Weg nach Mosbach reihenweise schlapp machen… Verschärft wurde die Situation zudem durch Verspätungen, so dass Pendler aus Mosbach-Neckarelz, die nun in Neckarsulm auf die Deutsche Bahn (DB) Richtung Stuttgart umsteigen müssen, ihren Anschluss verpassten. Wieder einmal hat offenbar die Kommunikation zwischen AVG und DB nicht funktioniert.
Der VCD Regionalverband Hall Heilbronn Hohenlohe hat die Verantwortlichen Herren im Landratsamt in der Abteilung „Bauen, Planen, Umwelt“ unter der Leitung von Claus-Jürgen Renelt seit Jahren MEHRFACH auf die Probleme für die Fahrgäste mit dem ungünstigen Takt der Stadtbahn Nord, nicht machbaren Anschlüssen und dem erzwungen Umstieg zwischen Bus und Bahn hingewiesen.
Die Stadtbahn muss das Verkehrsangebot VERBESSERN und darf nicht einfach bestehende Bahn- und Busverbindungen mit allen Nachteilen ERSETZEN! Der VCD hat auch darauf hingewiesen, dass zwischen NSU-Zentrum und HN-Zentrum es neben den RE/RB-Zügen bisher MINDESTENS 4 Busfahrten je Stunde gab. Fahrgäste aus Bad Wimpfen, Untereisesheim, Obereisesheim, Neckarsulm, Amorbach, Kochendorf, Jagstfeld und aus dem Kochertal konnten direkt durch die Neckarsulmer Innenstadt und Südstadt die Heilbronner Innenstadt erreichen. Nun gibt es in diesem großstädtischen Ballungsraum nur noch 3 Fahrten je Stunde mit der Stadtbahn, die kaum schneller ist als bisher der Bus. Aus fast allen Nachbarkommunen muss nun auf dem Weg nach Heilbronn umgestiegen werden. Dass dies nicht funktionieren wird, haben die Fahrgäste in den letzten Jahren schon schmerzlich im Weinsberger Tal erleben müssen. Aber ein belastbares Verkehrskonzept sucht man auch bei der Stadtbahn Nord bislang vergeblich.
Gleich am zweiten Betriebstag konnten die Fahrgäste zudem die negativen Folgen dieses Konzeptes am eigenen Leib erfahren: In der Austraße kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einer Stadtbahn und einem PKW. Die Strecke musste daraufhin gesperrt werden, so dass es keine Verbindung mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Neckarsulm und der Heilbronner Innenstadt gab!

Neue Fahrpläne ab 14. Dezember jetzt online

Neckarsulm Bhf Bus 625

Die Linie 625 fährt künftig nicht mehr nach Heilbronn

Auf den Seiten des Heilbronner Verkehrsverbundes sind nun die neuen Fahrpläne ab 14. Dezember 2014 für Stadtbahn, Bahn und Bus abrufbar. Im Busbereich verbessert sich vieles, die Takte werden dichter. Dennoch gibt es auch Verschlechterungen für Fahrgäste.
Die Stadtbahn Nord wird einmal stündlich als Linie S41 bis nach Neckarelz/Mosbach fahren (ergänzend dazu eine parallele Buslinie Bad Friedrichshall – Gundelsheim) und als S42 zunächst zweimal in der Stunde bis nach Bad Friedrichshall-Jagstfeld, da die Linie nach Sinsheim wegen des Brückenbaus in Bad Wimpfen noch nicht befahren werden kann. Dreimal pro Stunde verkehren die Stadtbahnen damit auf dem gemeinsamen Streckenabschnitt zwischen Heilbronn und Bad Friedrichshall, allerdings nicht in einem sauberen Taktfahrplan. Daher war es den Busunternehmen auch nicht möglich, überall und regelmäßig passende Anschlüsse an die Stadtbahn herzustellen. Teilweise gibt es nicht unerhebliche Wartezeiten.
Mit „Neckarsulm Mitte“ und „Neckarsulm Nord“ (AUDI Tor 6) gibt es zwei zusätzliche Stadtbahnhaltepunkte. Zur Frühschicht fährt künftig ein Zug der S4 von Öhringen kommend direkt vors Audi-Werk. In Neckarsulm werden die Regionalbuslinien noch stärker in das Stadtbusnetz eingebunden, so dass auf vielen Relationen ein 15-Minuten-Takt besteht. Eine neue Linie verbindet Neckarsulm mit den Böllinger Höfen.
Die Kommunen des nördlichen Neckartals erhalten ein komplett überarbeitetes Busnetz. Ein konkretes, klug durchdachtes Gesamtkonzept dazu existiert allerdings nicht. Mit Ausnahme der Linie 620 (KocherShuttle), die als Schnellbus das Kochertal mit Heilbronn verbindet, verkehren in Zukunft keine Buslinien mehr zwischen Neckarsulm und Heilbronn!
Da es bisher stündlich mindestens vier Fahrtmöglichkeiten per Bus zwischen Neckarsulm Innenstadt, Südstadt Einkaufszentrum/Berufsschule und Heilbronn Allee gab, verschlechtert sich die Situation damit deutlich. Der VCD fordert seit langem als Mindestangebot auf der wichtigsten Verkehrsachse der Region zwischen Heilbronn und Neckarsulm einen leicht verständlichen 15-Minuten-Takt bei der Stadtbahn Nord! Deshalb sollte übergangsweise wenigstens ein zusätzlicher Bus die Taktlücke schließen.
Fahrzeiten von mindestens 29 Minuten von Bad Friedrichshall bis Heilbronn-Hbf sind leider nicht besonders attraktiv und kaum schneller als bisher der Bus. Der erzwungene Umstieg vom Bus auf die Stadtbahn wird für viele Fahrgäste zu längeren Fahr- und Wartezeiten führen – vorausgesetzt die Stadtbahnen sind pünktlich und Anschlüsse werden erreicht.
Der VCD fordert mittelfristig ein Gesamtkonzept für den Öffentlichen Verkehr (ÖV) im Ballungsraum Heilbronn mit einem an den Bedürfnissen der Fahrgäste ausgerichteten, sinnvollen Zusammenspiel zwischen (allen) Bussen und Bahnen. Nur so kann der ÖV eine ernsthafte Alternative zum Autoverkehr sein!