Stadtbahn-Chaos: Protest der Fahrgäste bislang ohne Erfolg

S42 in HN Austrasse

Zwischen Neckarsulm und Heilbronn verkehrt die Stadtbahn nur dreimal in der Stunde – viel zu selten, um eine Alternative zum Autoverkehr zu sein

Weiterhin gibt es massive Kritik am Projekt Stadtbahn Nord. Insbesondere in Mosbach-Neckarselz klagen Pendler nach Berichten der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ), dass es keine durchgehenden Züge nach Stuttgart mehr gibt, die Anschlüsse von/zur Stadtbahn nicht funktionieren und sie nun in Straßenbahnen teils ohne Toilette in Richtung Norden gondeln müssen. Bei einer Veranstaltung in Mosbach klagten bei großem Andrang die Pendler den Verantwortlichen ihr Leid. So schreibt die RNZ: „Wer das geplant hat, ist noch nie Bahn gefahren“, rief eine genervte Pendlerin den Herren der NVBW zu. „Ich hätte schon meinen Job verloren, wenn ich für diesen Schwachsinn verantwortlich wäre“, warf eine andere Bahnfahrerin ein. „Die Betriebsaufnahme lief sehr schlecht. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen“, erklärte Ascan Egerer von der AVG. Das sachkundige Publikum brachte die Diskussionspartner sichtlich ins Schwitzen. Es wurde aber deutlich, dass eine schnelle Lösung nicht zu erwarten ist.
Mosbachs Stadtplaner Klaus Kühnel hat die Probleme so vorhergesehen und sieht im RNZ-Interview vor allem den Landkreis Heilbronn als Verursacher der Misere und beklagt das Durcheinander bei den Verantwortlichkeiten: „Der Raum Heilbronn, der das Projekt Stadtbahn auf den Weg gebracht hat, ist Hauptverursacher der Veränderungen. Die NVBW ist als Tochter des Landes Baden-Württemberg der Bezahler des Nahverkehrs, außerdem gibt sie den Fahrplan vor. Der DB Netz AG gehört die Infrastruktur, die DB Regio fährt die Züge im Neckartal und die AVG stellt im Auftrag vom Raum Heilbronn die Stadtbahn. Die Verantwortung liegt ein Stück weit bei allen.“ Zusammen mit der NVBW soll es eine Arbeitsgruppe geben, doch auch Kühnel glaubt nicht an rasche Verbesserungen und hofft auf den weiteren Protest der Pendler.
Auch Hans-Martin Sauter vom VCD berichtet von vielen frustrierten Fahrgästen. Auf den Hinweis, doch ihre Erlebnisse und ihren Ärger auch an die Heilbronner Stimme zu schicken, meinen viele „das bringt doch sowieso nichts“, da sowohl Briefe und E-Mails an das Verkehrsministerium, Landratsamt Heilbronn, den HNV und auch die Heilbronner Stimme bis heute unbeantwortet und ohne Reaktion blieben. „Gerade in den letzten Tagen habe ich so viel Post und E-Mails von Betroffenen bekommen, die allerdings auch teils mit ihrem Ärger nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen, weil Sie im Öffentlichen Dienst, in der Stadtverwaltung, im Landratsamt oder einer anderen Behörde arbeiten“, sagt Sauter. Dennoch würde die Heilbronner Stimme das Thema totschweigen.
Auch bei den Anschlüssen zum Busverkehr im Raum Neckarsulm-Heilbronn funktioniert vieles nicht, vor allem weil der Landkreis Heilbronn Buslinien wahllos gekürzt hat und es nun nur noch drei Stadtbahn-Verbindungen je Stunde mit Wartezeiten von bis zu 30 Minuten zwischen Neckarsulm und Heilbronn gibt, worauf der VCD mehrfach hingewiesen hat und die Rücknahme der Verschlechterungen fordert. In anderen Großstädten rollen die Straßenbahnen dagegen im 5-Minuten-Takt. Doch leider zeigt bislang auch die Stadt Heilbronn kein großes Interesse an besseren Verkehrsverbindungen in die Nachbarstadt.
Zudem hat die AVG mit der Stadtbahn landesweit laut NVBW-Statistik mit die schlechtesten Pünktlichkeitswerte. So sagte Hubert Waldenberger, Pressesprecher vom Landratsamt Heilbronn, gegenüber der Heilbronner Stimme: „Das vom VCD vorhergesagte Verspätungschaos hat sich nicht eingestellt. Rund 92 Prozent der Stadtbahnverbindungen sind pünktlich.“ Davon abgesehen, dass der VCD nie ein „Verspätungschaos“ vorhergesagt, sondern immer nur auf Verschlechterungen für die Fahrgäste hingewiesen hatte, bedeutet eine Pünktlichkeitsquote von 92 Prozent landesweit einer der schlechtesten Werte. Laut NVBW gelten nach Definition Deutsche Bahn Züge als pünktlich, die weniger als sechs Minuten verspätet angekommen bzw. abgefahren sind. Bei der Stadtbahn Nord führen jedoch schon Verspätungen von vier Minuten dazu, dass vielerorts Anschlüsse nicht mehr erreicht werden, was ja gerade die Pendler aus Mosbach in Richtung Stuttgart massiv beklagen. Verpassen sie wieder einmal die Stadtbahn nach Mosbach in Neckarsulm, müssen sie meist eine Stunde auf die nächste warten.

Am Donnerstag, den 26. Februar 2015 gibt es um 20 Uhr in Neckarsulm in der Gaststätte Hohly eine Podiumsdiskussion der Grünen zum Thema. Hans-Martin Sauter wird den VCD vertreten.

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Stadtbahn Nord: Fahrplan-Chaos programmiert

Stadtbahn und Stadtbus HN

Falscher Takt: Kein Anschluss zwischen Stadtbahn und Stadtbus möglich

Nach gerade mal drei Wochen ist die Fahrgastbeteiligung zu den Fahrplanentwürfen der NVBW für 2014 schon wieder beendet. Es ist zu hoffen, dass dies in Zukunft wesentlich länger möglich ist, damit eine solche Form der Bürgerbeteiligung ihren Namen auch verdient. Es bleibt festzustellen: Der Fahrplanentwurf zur Stadtbahn Nord bzw. zur Frankenbahn (KBS 710_4/KBS 780, Download im Bereich S-Nord) ist – wie vom VCD seit zwei Jahren befürchtet – eine einzige Katastrophe. Ein verständlicher Fahrplantakt zwischen Heilbronn und Stuttgart ist teils nur noch schwer erkennbar, die Abfahrtzeiten wechseln teils je nach Tag und Stunde. Auf Grund des geplanten 20-Minuten-Taktes bei der Stadtbahn Nord (ab Heilbronn :01/:21/:41) gibt es in Heilbronn so gut wie keine Anschlüsse zwischen Stadtbahn und überregionalem Verkehr (30-Minuten-Takt, Knotenzeiten :30/:00). Und selbst wenn, sind Wartezeiten von 8-11 Minuten die Regel… Allenfalls mit zweimal Umsteigen könnten Anschlüsse in Neckarsulm passen.
Hier ein paar konkrete Beispiele:

RB aus Stuttgart an HN-Hbf Minute :01, S ab HN Bahnhofsvorplatz Minute :01
RE aus Stuttgart an HN-Hbf Minute :45, S ab HN Bahnhofsvorplatz Minute :41

S an HN Bahnhofsvorplatz Minute :54, RB nach Stuttgart HN-Hbf ab Minute :54 oder :56
S an HN Bahnhofsvorplatz Minute :14, RE nach Stuttgart HN-Hbf ab Minute :12

Am tollsten wird es abends, dann wechselt die Stadtbahn wieder mal aus Kostengründen vom 20- auf einen 30-Minuten-Takt! Züge aus Stuttgart kommen in Heilbronn (nur noch stündlich!) zur Minute :01 an und enden dort. Die Stadtbahn fährt weiter um :21 oder :51. RE Stuttgart-Würzburg kommt :53 an, Stadtbahn fährt :51 ab. Die letzte Stadtbahn um 1:06 Uhr hat dann jedweden Takt verlassen…
Ob da bei den Fachleuten der NVBW mal jemand auf die Idee gekommen ist, dass vielleicht ein Fahrgast aus Stuttgart in Heilbronn ankommt und dann mit der S-Bahn gerne sein Ziel zwischen Heilbronn und Bad Friedrichshall ansteuern möchte? Oder dass Schüler aus den städtischen Berufsschulen in Richtung Lauffen oder Bietigheim weiter wollen?
Und bei all diesem Chaos fahren dann in mancher Stunde sogar bis zu sechs (!!) Züge zwischen Heilbronn und Bad Friedrichshall hintereinander her – OHNE einen verständlichen oder merkbaren Takt natürlich…

Neue Sardinenbüchsen rollen an!

Neue AVG-Stadtbahn innen

Neue AVG-Stadtbahn innen

In Karlsruhe wurden vor einigen Monaten die neuen Zweisystem-Stadtbahn Fahrzeuge des Herstellers Bombardier vorgestellt, wie sie auch bei der Heilbronner Stadtbahn Nord zum Einsatz kommen sollen. Hier ein pdf mit 4 Fotos. Landkreis und Kommunen müssen wie üblich diese teuren Fahrzeuge (Stückpreis 4,5 Millionen Euro, ohne Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Typen) finanzieren und sie anschließend der AVG schenken. Wie diese teuren Sardinenbüchsen im Innenraum aussehen, hat von den Finanziers bisher offenbar niemanden interessiert.
Bombardier DoSto innen, ©Sven Steinke

Bombardier DoSto innen, ©Sven Steinke

Zum Vergleich: So präsentiert sich ein moderner Doppelstockwagen vom gleichen Hersteller, wie er derzeit auch in Zügen im Neckartal zwischen Neckarelz, Heilbronn und Stuttgart im Einsatz ist: Bequeme Sitze, Armlehnen, Tischgruppen, viel Platz zum Abstellen von Gepäck und Fahrrädern, mehrere Toiletten pro Zug. Diese Fahrzeuge sollen zwischen Neckarelz und Heilbronn von den neuen AVG-Stadtbahnen ersetzt werden. Im Gegensatz zur Stadtbahn verfügen die DoStos übrigens auch über einen 1.Klasse-Bereich.

Fahrplan-Murks bei Stadtbahn Nord

Langsam wachen die Kommunen in der Region Heilbronn beim Thema Stadtbahn Nord auf. In Gundelsheim hat jetzt der Gemeinderat mit Entsetzen festgestellt, dass sich das Bahnangebot mit der Stadtbahn Nord keineswegs verbessert – es wechselt in erster Linie die Farbe der Züge! „Entsetzen über Takt bei Stadtbahn“ titelt daher die Heilbronner Stimme: „Wenn das so bleibt, haben wir Millionen in den Sand gesetzt„, sagt Wolfgang Schneiderhan (Bürger aktiv). Denn einen Stundentakt hat Gundelsheim mit der Regionalbahn, die von der Stadtbahn ersetzt wird, schon jetzt. „Ich kann keinem Menschen erklären, warum wir so viel ausgeben, damit es bestenfalls beim Alten bleibt“, sagt SPD-Stadtrat und Bundestagsabgeordneter Josip Juratovic. Claus-Jürgen Renelt, Chefplaner im Landratsamt Heilbronn, versteht die mal wieder Aufregung nicht. Von einem Halbstundentakt sei nie die Rede gewesen.
Da hat Herr Renelt ausnahmsweise mal recht. Denn bislang wurden Fahrpläne und Taktung der Stadtbahn Nord – wahrscheinlich mit entsprechender Absicht – wie ein Staatsgeheimnis behandelt und öffentlich so gut wie gar nicht kommuniziert. Und auch nicht unter dem neuen grünen Verkehrsminister, der sich Transparenz und Bürgernähe groß auf die Fahnen geschrieben hat. Auch beim Heilbronner JU-Kreisverband sorgen der Fahrplanentwurf sowie die missglückte Kommunikation für große Irritationen. Stellvertretender Kreisvorsitzender Schuster fordert endlich Transparenz.
Es wird immer nur so getan, als werde mit der Stadtbahn Nord alles besser beim Bahnverkehr, de facto verschlechtert sich auf der Linie nach Neckarelz sehr viel im Vergleich zu heute. Der VCD hat schon vor über einem Jahr ein Alternativ-Konzept für die Stadtbahn Nord entwickelt und fordert einen Halbstundentakt. Eine S-Bahn ist eine S-Bahn und muss wenigstens alle 30 Minuten fahren und NICHT in einem verqueren 20-40 Takt ohne Anschlüsse zum übrigen Bahn- und Busverkehr, wie ihn Herr Renelt stolz in der Stadtbahnzeitung Nr. 5 vom 15. Dezember 2011 anpreist. Sie kann auch keine überregionalen Züge wie Neckarelz – Stuttgart ersetzen, sondern muss das Bahn-Angebot sinnvoll ergänzen! Schließlich geht es darum, MEHR Fahrgäste für die Schiene zu gewinnen! Sonst ist ein solches Konzept absolut SINNLOS!

Stadtbahn Nord doch erst 2014?

Was viele schon hinter vorgehaltener Hand vermutet haben, scheint sich zu bewahrheiten: Der geplante Start der Stadtbahn Nord Ende 2013 scheint erneut ernsthaft gefährdet, weil lngfristige Finanzierungsfragen nicht geklärt scheinen. Laut Heilbronner Stimme hätte bis zum März dieses Jahres der Bau- und Finanzierungsvertrag für die Stadtbahn Nord beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) vorliegen müssen. Doch diese Vereinbarung sei noch immer nicht unterzeichnet. Die Deutsche Bahn wolle diese so lange nicht akzeptieren, bis alle Finanzierungsfragen beantwortet und alle Risiken ausgeschlossen seien. Damit gerät der Zeitplan unter Druck. Ob die Stadtbahn Nord wirklich 2013 den Betrieb aufnehmen kann, ist offen. Grund: Die Nachfolgeregelungen für das auslaufende Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz (GVFG) sind unklar. Mehr dazu auf der Seite zur Nordstrecke.