Fahrplankonferenz: Stadtbahn Nord ab Dezember alle 30 Minuten, Neckartal wird abgehängt

Bhf Neckarsulm mit Stadtbahnbereich

Bahnhof Neckarsulm mit neuen Gleisen und Bahnsteigen für die Stadtbahn Nord auf der Westseite

Wie auf der Fahrplankonferenz der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) in der Heilbronner IHK am Freitag, den 28. September 2013 bekannt wurde, soll die Stadtbahn Nord ab Fahrplanwechsel im Dezember 2013 vorerst alle 30 Minuten zwischen Neckarsulm und Heilbronn-Harmonie pendeln. (Ein entsprechender Zeitungsbericht aus der Heilbronner Stimme kann hier nicht mehr verlinkt werden, da die Heilbronner Stimme wichtige Informationen online nur noch gegen Bezahlung zugänglich macht!)
Grund dafür seien nicht genügend vorhandene Fahrzeuge und die fehlende Zulassung der neuen Triebwagen vom Typ ET 2010 für den Betrieb auf Eisenbahnstrecken. Update: Nach dem Übergangsfahrplan der AVG für die S42 werden die Stadtbahnen alle 30 Minuten zwischen Heilbronn Bahnhofsvorplatz (künftig Willy-Brandt-Platz) und Neckarsulm pendeln, trotz der Systemwechselstelle VOR dem Heilbronner Hauptbahnhof in der Bahnhofstraße. Der Bereich in Neckarsulm zwischen Kaufland und Bahnhof wird wohl vorübergehend als Straßenbahnbereich ausgewiesen, so dass keine Zulassung für den Betrieb auf Eisenbahnstrecken nötig ist.
Der Busverkehr im Neckartal mit Direktverbindungen nach Heilbronn soll angeblich voerst unverändert erhalten bleiben. Anfang November sollen zudem die ersten Testfahrten auf den neu gebauten Innenstadt-Gleisen starten.
Da ab Fahrplanwechsel die heutige stündliche Regionalbahn Ulm – Stuttgart – Heilbronn – Neckarelz mit modernen Doppelstockwagen wie von der NVBW geplant auf der Frankenbahn nach Osterburken umgeleitet werden soll, werden – zumindest bei acht täglichen Verbindungen von aktuell 16 – Fahrgäste zwischen Neckarelz und Bad Friedrichhall vom überregionalen Bahnverkehr und Direktverbindungen von/nach Heilbronn abgehängt. Sie müssen künftig auf einen Pendelzug ausweichen und in Neckarsulm zusätzlich umsteigen. Fortschritte auf der Frankenbahn gehen also, wie vom VCD schon mehrfach kritisiert, zu Lasten der Anbindung der Kommunen im Neckartal.
Der VCD HHH betrachtet das Übergangskonzept als Etappensieg. VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter sieht die Einrichtung des Halbstundentaktes als Basis, um diesen später zwischen Neckarsulm und Heilbronn auf einen 15-Minuten-Takt (oder weiter) zu verdichten. Mit dem Halbstundentakt seien zudem auch akzeptable Anschlüsse an Stadt- und Regionalbusse möglich im Gegensatz zu einem 20-Minuten-Takt. Da angeblich DB Netz zwischen Neckarsulm und Bad Friedrichshall stündlich nur drei Fahrplantrassen für die Stadtbahn Nord zur Verfügung stellen kann, hält es der VCD für sinnvoll, von künftig stündlich vier Fahrten ab Heilbronn bis Neckarsulm drei in Richtung Norden weiterzuführen. (mgr)

Neue Sardinenbüchsen rollen an!

Neue AVG-Stadtbahn innen

Neue AVG-Stadtbahn innen

In Karlsruhe wurden vor einigen Monaten die neuen Zweisystem-Stadtbahn Fahrzeuge des Herstellers Bombardier vorgestellt, wie sie auch bei der Heilbronner Stadtbahn Nord zum Einsatz kommen sollen. Hier ein pdf mit 4 Fotos. Landkreis und Kommunen müssen wie üblich diese teuren Fahrzeuge (Stückpreis 4,5 Millionen Euro, ohne Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Typen) finanzieren und sie anschließend der AVG schenken. Wie diese teuren Sardinenbüchsen im Innenraum aussehen, hat von den Finanziers bisher offenbar niemanden interessiert.
Bombardier DoSto innen, ©Sven Steinke

Bombardier DoSto innen, ©Sven Steinke

Zum Vergleich: So präsentiert sich ein moderner Doppelstockwagen vom gleichen Hersteller, wie er derzeit auch in Zügen im Neckartal zwischen Neckarelz, Heilbronn und Stuttgart im Einsatz ist: Bequeme Sitze, Armlehnen, Tischgruppen, viel Platz zum Abstellen von Gepäck und Fahrrädern, mehrere Toiletten pro Zug. Diese Fahrzeuge sollen zwischen Neckarelz und Heilbronn von den neuen AVG-Stadtbahnen ersetzt werden. Im Gegensatz zur Stadtbahn verfügen die DoStos übrigens auch über einen 1.Klasse-Bereich.

Stadtbahn Nord: Nichts wird besser, aber alle zahlen

Stadtbahn Nord: Sonderzug in Gundelsheim

Stadtbahn Nord: Sonderzug in Gundelsheim

Gemeinhin denkt man, wenn ein S-Bahnsystem ausgebaut wird, dann bedeutet dies für die Betroffenen mehr Schienenverkehr, schnellere und häufigere Verbindungen und bessere Erreichbarkeit im Nahbereich. Niemand geht davon aus, dass die neue S-Bahn schlicht vorhandene Verbindungen ersetzt, sich Fahrzeiten verlängern und das gesamte Bahnsystem unattraktiver wird als zuvor. Genau dies ist aber mit der Stadtbahn Nord im unteren Neckartal noch von der alen schwarz-gelben Landesregierung geplant! Das erregt zu Recht in Gundelsheim die Gemüter und nun auch in Offenau.
Daher zum besseren Verständnis ein paar Hintergründe zur aktuellen Diskussion um die Stadtbahn Nord:
Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) ist das Land Baden-Württemberg. Das Land erhält jährlich rund 700 Mio. Euro Bundesmittel, um damit SPNV-Leistungen bei Verkehrsunternehmen zu bestellen, im Idealfall (und vom Bundesgerichtshof BGH zwingend gefordert) per öffentlicher Ausschreibung. Alle Regionalzüge, die auf Strecken der Deutschen Bahn (DB) unterwegs sind, werden vom Land bestellt und bezahlt, also auch die stündliche RegionalBahn (RB) von Stuttgart über Heilbronn und Gundelsheim nach Neckarelz und zurück. Hier gilt derzeit noch der vollkommen überteuerte Mappus-Verkehrsvertrag zwischen BaWü und DB bis 2016.
Diese RB verkehrt heute werktags jede Stunde mit modernen und komfortablen Doppelstockzügen von Stuttgart über Heilbronn (an/ab ca. zur Minute :30 in beide Richtungen) und Gundelsheim nach Neckarelz mit Halt an allen Stationen. Alle zwei Stunden fährt um eine halbe Stunde versetzt der schnellere RegionalExpress (RE) Heilbronn – Mannheim durchs Neckartal, hält aber in Gundelsheim NICHT!
Würden die RB-Züge also in Gundelsheim künftig NICHT mehr halten, dann wäre Gundelsheim gänzlich vom Bahnverkehr abgehängt. Eine solche destruktive Verkehrspolitik kann sich jedoch nicht einmal das Auto-Land BaWü leisten, folglich wird auch in Zukunft jede Stunde in Gundelsheim ein vom Land bestellter und bezahlter Zug halten, OHNE dass die Gemeinde dafür etwas bezahlen müsste. Wozu auch, dieses Angebot ist Teil der grundsätzlichen SPNV-Versorgung, wie sie für alle Kommunen im Land mit Bahnanschluss gilt. Schließlich bekommt das Land dafür ja jährlich rund 700 Mio. Euro vom Bund…
Die Reisezeit mit der RB von Gundelsheim nach Heilbronn Hbf beträgt heute 21 Minuten. Zu Fuß, mit Stadtbahn oder Bus ist man dann in weniger als 5 Minuten in der Innenstadt. Wer nach Stuttgart will, kann im Zug sitzen bleiben und ist nach weiteren 49 Minuten am Ziel. (Gundelsheim – Stuttgart also ohne Umsteigen in 70 Minuten.)
Ab Ende 2013 soll nun im Auftrag des Landes die Stadtbahn fahren (betrieben per illegaler Direktvergabe von einem Konsortium aus AVG und DB). Nach dem bisherigen Konzept – das nachwievor nur schwer einsehbar ist, NOCH NIE kommuniziert wurde und seit Jahren wie ein Staatsgeheimnis behandelt wird – heißt das: Eine gelbe Straßenbahn je Stunde mit engen, unbequemen Sitzen ersetzt die roten Doppelstockzüge in gleicher Fahrplanlage. Die Fahrt nach Heilbronn Hbf wird künftig aber 15 Minuten länger dauern, also 36 Minuten für eine Strecke von 20 Kilometern (entspricht Tempo 33). Mit dem Auto ist man laut Google-Maps 10 Minuten schneller in Heilbronn und benötigt in etwa so lange wie heute die RB. Wer weiter nach Stuttgart fahren will, muss ab 2013 in Bad Friedrichshall oder Neckarsulm auf die DoSto-RB umsteigen mit Wartezeiten von 6-8 Minuten, die Reisezeiten verlängern sich entsprechend.
Nicht nur für Gundelsheim stellt sich also zu Recht die Frage: Worin besteht die Attraktivität eines solchen Konzeptes? Warum soll die Gemeinde in Zukunft sehr viel Geld für ein Bahnangebot ausgeben, das sie de facto heute schon hat und dafür nichts bezahlen muss?
Der einzige Vorteil der Stadtbahn gegenüber dem heutigen Zustand sind die zusätzlichen Haltepunkte zwischen Kochendorf und Heilbronn, was jedoch zu besagten längeren Fahrzeiten führt. Es sollte vielleicht auch einmal untersucht werden, wie viele Fahrgäste aus Gundelsheim diese Haltepunkte nutzen werden, vor allem, wenn sowieso nur ein Zug pro Stunde verkehrt und es absolut unattraktiv ist, die Stadtbahn für Fahrten ins Oberzentrum Heilbronn zu nutzen.
Was für Gundelsheim gilt, gilt natürlich für alle Gemeinden im Neckartal bis Neckarelz, weshalb auch NOK-Landrat Achim Brötel einer Finanzierung von ZUSÄTZLICHEN Betriebskosten (wodurch entstehen die eigentlich?) eine klare Absage erteilt hat.
Man darf die Prognose wagen, dass die Stadtbahn Nord auf dem Ast nach Neckarelz ein großer Flop werden wird und allenfalls mit Müh und Not die heutigen Fahrgäste in der Bahn gehalten werden können.
Die bequemen und komfortablen Doppelstockzüge sollen künftig übrigens jede Stunde ab Bad Friedrichshall-Jagstfeld statt durchs Neckartal über die Frankenbahn nach Osterburken fahren mit Halt an jeder Milchkanne. Es darf bezweifelt werden, dass es auf dieser Relation genügend Fahrgäste gibt, um den Einsatz von Doppelstockzügen zu rechtfertigen… Für Verbesserungen auf der Frankenbahn müssen folglich die Fahrgäste im Neckartal bluten.
Nebenbei bemerkt: Die RB Stuttgart – Neckarelz ist der Rest einer Verbindung, die früher weiter durch das ganze Neckartal über Heidelberg und Mannheim bis nach Kaiserslautern gefahren ist, mit Einführung der S-Bahn Heidelberg – Mosbach – Osterburken unter dem damaligen NOK-Landrat Detlef Piepenburg aber eingestellt wurde. Seitdem müssen die Fahrgäste im unteren Neckartal mit langsamen S-Bahnzügen Vorlieb nehmen, die an jeder Milchkanne halten. Überregionale Schnellverbindungen gibt es kaum mehr, vor allem nicht zwischen Osterburken und Heidelberg. Man sieht also: Wenn sich Landräte bzw. deren Planer des Themas SPNV annehmen, kommen dabei nicht immer Vorteile für die Region heraus…

Fahrplan-Murks bei Stadtbahn Nord

Langsam wachen die Kommunen in der Region Heilbronn beim Thema Stadtbahn Nord auf. In Gundelsheim hat jetzt der Gemeinderat mit Entsetzen festgestellt, dass sich das Bahnangebot mit der Stadtbahn Nord keineswegs verbessert – es wechselt in erster Linie die Farbe der Züge! „Entsetzen über Takt bei Stadtbahn“ titelt daher die Heilbronner Stimme: „Wenn das so bleibt, haben wir Millionen in den Sand gesetzt„, sagt Wolfgang Schneiderhan (Bürger aktiv). Denn einen Stundentakt hat Gundelsheim mit der Regionalbahn, die von der Stadtbahn ersetzt wird, schon jetzt. „Ich kann keinem Menschen erklären, warum wir so viel ausgeben, damit es bestenfalls beim Alten bleibt“, sagt SPD-Stadtrat und Bundestagsabgeordneter Josip Juratovic. Claus-Jürgen Renelt, Chefplaner im Landratsamt Heilbronn, versteht die mal wieder Aufregung nicht. Von einem Halbstundentakt sei nie die Rede gewesen.
Da hat Herr Renelt ausnahmsweise mal recht. Denn bislang wurden Fahrpläne und Taktung der Stadtbahn Nord – wahrscheinlich mit entsprechender Absicht – wie ein Staatsgeheimnis behandelt und öffentlich so gut wie gar nicht kommuniziert. Und auch nicht unter dem neuen grünen Verkehrsminister, der sich Transparenz und Bürgernähe groß auf die Fahnen geschrieben hat. Auch beim Heilbronner JU-Kreisverband sorgen der Fahrplanentwurf sowie die missglückte Kommunikation für große Irritationen. Stellvertretender Kreisvorsitzender Schuster fordert endlich Transparenz.
Es wird immer nur so getan, als werde mit der Stadtbahn Nord alles besser beim Bahnverkehr, de facto verschlechtert sich auf der Linie nach Neckarelz sehr viel im Vergleich zu heute. Der VCD hat schon vor über einem Jahr ein Alternativ-Konzept für die Stadtbahn Nord entwickelt und fordert einen Halbstundentakt. Eine S-Bahn ist eine S-Bahn und muss wenigstens alle 30 Minuten fahren und NICHT in einem verqueren 20-40 Takt ohne Anschlüsse zum übrigen Bahn- und Busverkehr, wie ihn Herr Renelt stolz in der Stadtbahnzeitung Nr. 5 vom 15. Dezember 2011 anpreist. Sie kann auch keine überregionalen Züge wie Neckarelz – Stuttgart ersetzen, sondern muss das Bahn-Angebot sinnvoll ergänzen! Schließlich geht es darum, MEHR Fahrgäste für die Schiene zu gewinnen! Sonst ist ein solches Konzept absolut SINNLOS!

Stadtbahn HN-Nord soll Ende 2012 fertig sein

Aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 23.10.2008: Die Vertreter von Kommunen und Kreisen, die kürzlich zur Unterzeichnung eines Finanzierungsvertrages ins Rathaus Neckarsulm gekommen waren, verbindet ein gemeinsames Interesse: der Bau der Stadtbahn Heilbronn Nord.
Die Vorbereitungen für diese Infrastrukturmaßnahme laufen generalstabsmäßig, und mit der Vertragsunterzeichnung sind alle Beteiligten der Realisierung ein ganzes Stück näher gekommen. Diese Realisierung ist für Ende 2012 geplant: Dann nämlich soll die Stadtbahn in Betrieb genommen werden und eine ganze Reihe von Kommunen untereinander und mit Heilbronn verbinden.
Der unterzeichnete Vertrag regelt die Grundlagen für den Ausbau der Bahn. Die soll Heilbronns Innenstadt mit Jagstfeld und Gundelsheim verbinden. In Abstimmung mit dem Land erfolgt der Ausbau der Stadtbahn allerdings über Haßmersheim und Neckarzimmern bis nach Mosbach, weshalb auch der Neckar-Odenwald-Kreis, vertreten durch Landrat Dr. Achim Brötel, tangiert ist.
Eine Tatsache, die Landrat Dr. Achim Brötel natürlich freut: „Wir als ländlich strukturierter Flächenlandkreis sind zwingend auf ein leistungsfähiges Straßen- und Schienennetz angewiesen, das die schnelle Anbindung an benachbarte Städte und Kreise ermöglicht. Deshalb begrüßen wir den Ausbau der Stadtbahn ganz ausdrücklich.“ In diesem Zusammenhang lobte Landrat Brötel das große finanzielle Engagement der Gemeinde Haßmersheim, die „richtig viel Geld“ in den Ausbau ihres Bahnhofs und einen Steg über den Neckar investiere. Eine große Erleichterung könnte die Inbetriebnahme der Stadtbahn ab 2012 – der Baubeginn ist für Frühjahr/Sommer 2011 geplant – auch für einen Teil der rund 1900 Arbeitnehmer sein, die täglich aus dem Neckar-Odenwald-Kreis zur Firma Audi nach Neckarsulm pendeln. Eine Anpassung des künftigen Fahrplanes an den dortigen Schichtbetrieb wurde zumindest in Aussicht gestellt.