AVG soll Stadtbahnen bis 2022 betreiben – Keine Verbesserungen in Sicht

S4 Weinsberg-West

S4 in Weinsberg

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) soll auch weiterhin den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) auf den durch Karlsruhe führenden Linien inklusive der S4 über Heilbronn nach Öhringen betreiben. Dies sei das Ergebnis des SPNV-Vergabeverfahrens für das Ausschreibungsnetz 7 a/b, wie das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI) am 9. Dezember 2015 mitteilte. Der Angebotsumfang entspricht den auch heute vom Land bestellten Leistungen. Die Laufzeit des Verkehrsvertrages beträgt sieben Jahre bis 2022 und beginnt bereits am 13. Dezember 2015. Das Land zahlt für die von der AVG erbrachten Leistungen künftig einen Preis von 9,62 Euro pro Zugkilometer (Preisstand 2016). Zum Vergleich: Nach der Ausschreibung des Stuttgarter Netzes mit den Strecken über Heilbronn nach Mannheim und Würzburg zahlt das Land ab 2019 unter 6 Euro je Zugkilometer.
Mehr und schnellere Direktverbindungen von Heilbronn nach Karlsruhe, wie vom VCD gefordert, wird es nicht geben. „Die Sprinter-Züge (täglich zwei je Richtung) zwischen Heilbronn Hbf und Karlsruhe Hbf sind schon heute nicht Teil des durch das Land bestellten Umfangs. Der zukünftige Angebotsumfang entspricht den auch heute vom Land bestellten Leistungen“, sagt MVI-Pressesprecherin Julia Pieper.
Da bei der Vergabe auch Gebrauchtfahrzeuge zugelassen waren, sind keine großen Verbesserungen in Sicht. Die AVG darf wohl auch weiterhin mit den uralten, nicht barrierefreien Stadtbahnen mit Hocheinstieg in der Region fahren. Während bei den langlaufenden Fahrten im Murgtal nach Freudenstadt in mindestens einem Fahrzeugteil eine Toilette vorhanden sein soll, ist dies in den Zügen der S4 von Karlsruhe bis Heilbronn und Öhringen (Streckenlänge über 100 Kilometer) weiterhin nicht vorgesehen.
„Nur eine begrenzte Anzahl der verfügbaren Stadtbahnfahrzeuge ist mit Toiletten ausgestattet. Die Anzahl der vorhandenen Fahrzeuge reicht nicht aus, um auch die Linie S4 zwischen Karlsruhe und Heilbronn durchgängig mit Fahrzeugen mit Toilette zu betreiben“, so Julia Pieper.
Immerhin sollen die Züge bis Mitte 2017 mit kostenloser WLAN-Verbindung für die Reisenden ausgestattet werden. Bei einem Großteil der Fahrzeuge wird dafür die Innenausstattung (z.B. Sitzbezüge, Fahrradabstellmöglichkeiten) sukzessive modernisiert.
Dass die AVG den Zuschlag bekam, verwundert nicht, da es keine weiteren Bieter gab und zudem kein anderes Unternehmen auf die Schnelle genügend Zweisystem-Fahrzeuge zur Verfügung stellen kann. Diese wurden übrigens per Zuschuss weitgehend von den Anrainerkommunen finanziert und gehören damit faktisch der öffentlichen Hand. Zudem wurde die Vergabe von Anfang an von kommunaler Seite mit möglichen Horrorszenarien torpediert, wonach das Ende des erfolgreichen Stadtbahn-Modells drohe.
Ob es jedoch im Hinblick auf den Fahrgastkomfort sinnvoll ist, mit Straßenbahnen ohne Toiletten und kaum Platz für Gepäck über Strecken von 100 Kilometer Länge zu fahren, wurde nicht thematisiert. (mgr)

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Mappus-Skandal 2: Land zahlt jährlich 140 Mio. Euro zu viel an DB

Während Stefan Mappus, der frühere Ministerpräsident von Baden Württemberg bundesweit in den Schlagzeilen ist wegen des Skandals um den überteuerten Rückkauf der EnBW-Anteile und die Staatsanwaltschaft gegen Mappus ermittelt, gibt es einen weiteren Mappus-Deal, der ebenso skandalträchtig ist und das Land Baden-Württemberg jährlich in gigantischer Größenordnung schädigt. Der VCD Baden-Württemberg hat nun akribisch nachgewiesen, dass das Land jährlich 140 Millionen Euro zuviel für Regionalverkehre an die Deutsche Bahn (DB) überweist. Dies ist die unmittelbare Folge des von Mappus 2003 als Verkehrs-Staatssekretär ausgehandelten Verkehrsvertrages zwischen Land und DB. Dieser gilt noch bis 2016. Thomas Wüpper berichtet darüber ausführlich in einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung. Vielleicht wäre es endlich Zeit für einen Untersuchungsausschuss in dieser Angelegenheit? Seltsam nur, dass aus dem grünen Verkehrsministerium wieder einmal nur Schweigen bzw. Resignation („kann man nix machen“) kommen. Wie viele Zabergäubahnen könnte man mit diesen Summen reaktivieren? Wie stark könnte man den S-Bahnverkehr und das Stadtbahn-Netz mit jährlich 140 Millionen Euro zusätzlich ausbauen und weiter verdichten? Die gesamte VCD-Studie findet sich auf der Webseite vom VCD-Landesverband.