Neue Fragezeichen zum Start der Stadtbahn Nord

Obwohl die Karlsruher Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) inzwischen vom Eisenbahnbundesamt eine VORLÄUFIGE Zulassung für sieben der neuen Zweisystem-Fahrzeuge der Baureihe ET 2010 zum Betrieb auf normalen Eisenbahngleisen erhalten hat, scheinen nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung die Probleme doch größer als bisher zugegeben. Da nach Aussagen von Insidern die Fahrzeuge des Herstellers Bombardier vom Typ Flexity Swift offenbar enorme Mängel haben und teils ganze Komponenten getauscht werden müssen, scheint ein pünktlicher Start der Heilbronner Stadtbahn Nord auf den Strecken von Neckarsulm nach Sinsheim und Neckarelz zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 weiterhin fraglich. „Bei den Motoren hat der Hersteller auf dem Prüfstand technische Probleme festgestellt, und sie deshalb getauscht“, wird Christian Höglmeier, technischer Geschäftsführer der AVG, in dem Bericht zitiert. Auch dauerten nach dem Bericht die Ein- und Aussteigevorgänge teils doppelt so lange wie bei den alten Fahrzeugen. Dies hat gravierende Auswirkungen auf die Fahrpläne und verlängert Fahr- und Umsteigezeiten. Wahrscheinlich wurde auch aus diesem Grund im letzten Fahrplanentwurf der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg die Fahrzeit Heilbronn Bahnhofsvorplatz – Neckarsulm bereits um zwei Minuten von 17 auf 19 Minuten verlängert. Die Stadtbahn benötigt künftig für die Strecke teils länger als heute der Bus. Wer in Heilbronn oder Neckarsulm bei der S42 einmal das lautstarke Ausfahren der Schiebetritte in gefühlter Zeitlupe beobachtet hat, kann die Bedenken der AVG-Techniker nachvollziehen. Zudem soll es weiterhin massive Probleme mit der Software und beim Kuppeln von Fahrzeugen geben.

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Erste neue Stadtbahnen erhalten vorläufige Eisenbahn-Zulassung

ET2010 AVG neue Stadtbahn

ET2010 AVG neue Stadtbahn

Nach Pressemeldungen haben jetzt die ersten sieben Züge der neuen Baureihe ET 2010 die vorläufige Zulassung nach der Eisenbahnbetriebsordnung (EBO) vom Eisenbahnbundesamt (EBA) in Bonn erhalten. Die neuen Stadtbahnen dürfen nun wie bereits ihre Vorgänger – mit Einschränkungen – auch auf normalen Eisenbahngleisen verkehren. Sofern genügend Fahrzeuge verfügbar sind und noch ausstehende Tests erfolgreich verlaufen, könnte damit zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember auch der Betrieb der S41 und S42 nach Mosbach und Sinsheim starten. Die neuen Zweisystemzüge könnten dann von Neckarsulm auf den Gleisen der Deutschen Bahn weiter in die Region fahren. Die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) wartet seit über zweieinhalb Jahren auf diese Zulassung, weil der Hersteller Bombardier Transportation nicht alle nötigen Bescheinigungen beim EBA vorlegen konnte. Sukzessive werden nun auch die übrigen 23 Fahrzeuge über eine sogenannte Konformitätserklärung für den Einsatz als Zugverband zugelassen – ebenfalls vorläufig, so heißt es in einer Pressemitteilung. Denn bis Ende des Jahres, so die Auflage des EBA, müssen noch Ergebnisse zusätzlicher Prüfungen sowie von Langzeittests im Fahrbetrieb vorgelegt werden.

Stadtbahn Nord wird auch im Juni nicht weiter fahren

ET2010 AVG neue Stadtbahn

ET2010 AVG neue Stadtbahn

Wie jetzt bekannt wurde, ist auch der Juni-Termin für die Aufnahme des Betriebes der Stadtbahn Nord bis Mosbach-Neckarelz nicht zu halten. Wie die Heilbronner Stimme aktuell berichtet, bekommen die neuen Zweisystem-Züge der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) immer noch keine Zulassung für den Betrieb auf Eisenbahnstrecken. Sie können daher weiterhin nur als Straßenbahn zwischen Neckarsulm und Heilbronn verkehren. Angeblich hat die AVG in einem Schreiben dem Heilbronner Landratsamt mitgeteilt, dass eine Betriebsaufnahme im Sommer „ausgeschlossen“ sei. Die nächste Möglichkeit für eine Verlängerung der Stadtbahnverbindung könnte jetzt laut Landratsamt der Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 sein. Bisher sei das aber noch nicht absehbar. Ursprünglich sollte die Stadtbahn im Dezember 2014 nach Abschluss der Bauarbeiten an der Strecke auch nach Sinsheim fahren.
Wie aus Berichten der Heilbronner Stimme hervorgeht, sind die Probleme mit den neuen Fahrzeugen wohl doch größer als bislang gedacht: „Die AVG war nach eigener Aussage erst vor einer knappen Woche von Bombardier darüber informiert worden, dass aus der Zulassung bis Juni nichts wird. Die Fahrzeuge hatten einen „Gleisschaltmittelnachweis“ nicht erfüllt und waren durch den „Wankpoltest“ gefallen. Letzterer testet laut Tilo Elser, Geschäftsführer der Stadtwerke Heilbronn, ob sich der Zug in Kurven nicht zu sehr zur Seite neigt. Der Nachweis der Gleisschaltmittel zeigt, ob das Fahrzeug beim Überfahren der Gleise Signale und Kontakte richtig auslöst.“ Zudem hat die AVG nach Angaben aus dem Landesverkehrsministerium immer noch keinen Verkehrsvertrag für die geplanten Fahrten nach Mosbach oder Sinsheim. Nun rächt sich auch, dass die politischen Verantwortlichen in der Region blind und naiv dem Unternehmen AVG vertraut haben, dieses ohne Ausschreibung mit dem Stadtbahn-Verkehr beauftragten und zudem noch kritiklos den Steuerbeutel weit geöffnet haben für unausgereifte, teure und bei der Innenausstattung unbequeme Zweisystem-Straßenbahnen.
In einem Kommentar wirft HSt-Chefredakteur Uwe-Ralf Heer allen Verantwortlichen komplettes „Versagen“ vor, auch die kommunale Aufsicht habe versagt: „Hier üben sich ein paar Amateure an einem Projekt, das sie absolut nicht überschauen. (…) Teure Züge werden nicht geliefert, Sicherheitsüberprüfungen kommen zu spät – wie kann so ein Millionenprojekt so dilettantisch vorbereitet werden?“ Das fragt sich nicht nur der Chefregakteur. (mgr)

Neue Stadtbahnen bislang ohne EBA-Zulassung

Neue AVG-Stadtbahn von Bombardier, Foto: KVV

Neue AVG-Stadtbahn Bombardier

Die Medien berichteten jetzt mit Begeisterung, die Karlsruher Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) würde die neuen Zweisystem-Bahnen (ET 2010) in Betrieb nehmen, die ab Dezember auch im Raum Heilbronn zum Einsatz kommen sollen. (Auf die dürftige Ausstattung dieser Straßenbahnen wurde bereits hingewiesen.) Meist wird in der Presse nur in einem Nebensatz erwähnt, dass die neuen Züge bislang nur eine Zulassung für den Straßenbahnbetrieb besitzen, allerdings nicht für den Betrieb auf Eisenbahnstrecken, wie es zwischen Neckarsulm und Mosbach-Neckarelz bei der Stadtbahn Nord notwendig ist. So schreibt etwa Boulevard Baden: Das Zulassungsverfahren hat sich in den vergangenen Wochen verzögert, weil unter anderem Nachbesserungen am Bremssystem und eine Optimierung der Tür-Öffnungs- und Schließzeiten vonnöten waren. Damit die Zweisystemer ihrer Bestimmung gemäß schließlich auch über das Eisenbahnnetz in die Region hinaus fahren können, bedarf es noch einer gesonderten Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt (EBA), an der derzeit parallel gearbeitet wird. “Dass Zulassungen in Deutschland immer schwiriger werden ist wohl kein Geheimnis”, sagte AVG-Geschäftsführer Walter Casazza.
Derzeit ist wohl nicht absehbar, ob die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) dieses Jahr noch erfolgen wird. Diese dauert mehrere Monate und hat sich in der jüngsten Zeit bei zahllosen Eisenbahn-Fahrzeugen um Monate verzögert. Kaum ein neues Fahrzeug konnte wie geplant pünktlich den Betrieb aufnehmen, das betraf sowohl die Stadler Doppelstockzüge für die ODEG wie auch die Talent 2 von Bombardier für die Deutsche Bahn. Auch der Stadler-FLIRT für den Meridian von Veolia Verkehr, der ab Dezember von München nach Innsbruck und Kufstein rollen soll, hängt derzeit im Zulassungsverfahren. Es ist auch nicht auszuschließen, dass es im Alltagsbetrieb bei den neuen, unerprobten Stadtbahnen zu Problemen etwa mit den Türen oder Trittbrettern kommt wie jüngst bei den neuen S-Bahn-Zügen (ET 430) für Stuttgart, die nun nach verspäteter Übergabe wieder aus dem Verkehr gezogen wurden. Die gesamte Pressemitteilung mit Fotos findet sich auf den Seiten des KVV. (mgr)