Heilbronn – Karlsruhe Hbf künftig im modernen Schnellzug ohne AVG?

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Talent statt Stadtbahn? Zwischen Heilbronn und Karlsruhe Hbf könnten bald bequeme Eisenbahnen rollen

In einer aktuellen Presseerklärung teilt das Landesverkehrsministerium mit, dass sich Land und kommunale Seite jetzt auf die künftige Vergabekonzeption für die Verkehre mit Karlsruher Zweisystem-Stadtbahnen geeinigt haben. Für die Vergabe der Zugleistungen wird das Karlsruher Netz (Vergabenetz 7a/b) in zwei Netze aufgeteilt: in einen Eisenbahnteil und einen Zweisystemteil. Die Zweisystemverkehre mit Stadtbahnen sollen weiterhin direkt an die AVG vergeben werden, der Bereich der Eisenbahn wird dagegen im Wettbewerb ausgeschrieben. Durch die Vergabekonzeption, auf die sich Verkehrsminister Winfried Hermann MdL und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup am Montag (24. Juli 2017) verständigt haben, werde das erfolgreiche Karlsruher Modell zukunftsfähig gesichert. Die neue Konzeption dürfte auch die lang laufenden Eilzüge und Sprinter der S4 Heilbronn – Karlsruhe betreffen. Die Zweisystemfahrzeuge ermöglichen zwar die Innenstadtanbindung, bringen dafür aber insbesondere bei langen Wegen auch Nachteile mit sich. Sie sind weniger leistungsstark, verfügen teilweise nicht über Toiletten, haben nur geringe Fahrradmitnahmekapazitäten und werden als weniger komfortabel empfunden. Daher haben sich Stadt und Land darauf verständigt, künftig langlaufende Leistungen mit komfortableren Eisenbahnfahrzeugen über den Karlsruher Hauptbahnhof zu führen. Der VCD begrüßt dieses Konzept, da mit modernen Elektrotriebwagen die heute rund eineinhalb Stunden dauernde Fahrt im Eilzug von Heilbronn bis Karlsruhe in Zukunft für die Fahrgäste wesentlich komfortabler und auch schneller sein wird. Die Züge können dann direkt bis Karlsruhe Hbf fahren und dort bequeme Anschlüsse zum Fernverkehr im Rheintal bieten. Schnelle Anschlüsse in die Karlsruher Innenstadt sollten weiterhin gewährleistet sein. Die tatsächlichen S-Bahn-Linien von Schwaigern über Heilbronn bis Öhringen oder von Bretten bis Karlsruhe sollten davon nicht betroffen sein. Weiterlesen

Stadtbahn Nord wird auch im Juni nicht weiter fahren

ET2010 AVG neue Stadtbahn

ET2010 AVG neue Stadtbahn

Wie jetzt bekannt wurde, ist auch der Juni-Termin für die Aufnahme des Betriebes der Stadtbahn Nord bis Mosbach-Neckarelz nicht zu halten. Wie die Heilbronner Stimme aktuell berichtet, bekommen die neuen Zweisystem-Züge der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) immer noch keine Zulassung für den Betrieb auf Eisenbahnstrecken. Sie können daher weiterhin nur als Straßenbahn zwischen Neckarsulm und Heilbronn verkehren. Angeblich hat die AVG in einem Schreiben dem Heilbronner Landratsamt mitgeteilt, dass eine Betriebsaufnahme im Sommer „ausgeschlossen“ sei. Die nächste Möglichkeit für eine Verlängerung der Stadtbahnverbindung könnte jetzt laut Landratsamt der Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 sein. Bisher sei das aber noch nicht absehbar. Ursprünglich sollte die Stadtbahn im Dezember 2014 nach Abschluss der Bauarbeiten an der Strecke auch nach Sinsheim fahren.
Wie aus Berichten der Heilbronner Stimme hervorgeht, sind die Probleme mit den neuen Fahrzeugen wohl doch größer als bislang gedacht: „Die AVG war nach eigener Aussage erst vor einer knappen Woche von Bombardier darüber informiert worden, dass aus der Zulassung bis Juni nichts wird. Die Fahrzeuge hatten einen „Gleisschaltmittelnachweis“ nicht erfüllt und waren durch den „Wankpoltest“ gefallen. Letzterer testet laut Tilo Elser, Geschäftsführer der Stadtwerke Heilbronn, ob sich der Zug in Kurven nicht zu sehr zur Seite neigt. Der Nachweis der Gleisschaltmittel zeigt, ob das Fahrzeug beim Überfahren der Gleise Signale und Kontakte richtig auslöst.“ Zudem hat die AVG nach Angaben aus dem Landesverkehrsministerium immer noch keinen Verkehrsvertrag für die geplanten Fahrten nach Mosbach oder Sinsheim. Nun rächt sich auch, dass die politischen Verantwortlichen in der Region blind und naiv dem Unternehmen AVG vertraut haben, dieses ohne Ausschreibung mit dem Stadtbahn-Verkehr beauftragten und zudem noch kritiklos den Steuerbeutel weit geöffnet haben für unausgereifte, teure und bei der Innenausstattung unbequeme Zweisystem-Straßenbahnen.
In einem Kommentar wirft HSt-Chefredakteur Uwe-Ralf Heer allen Verantwortlichen komplettes „Versagen“ vor, auch die kommunale Aufsicht habe versagt: „Hier üben sich ein paar Amateure an einem Projekt, das sie absolut nicht überschauen. (…) Teure Züge werden nicht geliefert, Sicherheitsüberprüfungen kommen zu spät – wie kann so ein Millionenprojekt so dilettantisch vorbereitet werden?“ Das fragt sich nicht nur der Chefregakteur. (mgr)