Zukunft des Nahverkehrs im Kochertal: Emissionsfrei dank „grünem Wasserstoff“ im Tank

Die Omnibus-Verkehr Ruoff GmbH (OVR) könnte im Kochertal im Landkreis Heilbronn Vorreiter für einen emissionsfreien Nahverkehr dank Bussen mit Wasserstoffantrieb werden – berichtet das Unternehmen in einer aktuellen Pressemitteilung. Zusammen mit dem Hersteller Solaris Bus&Coach präsentierte das zur Transdev-Gruppe gehörende Unternehmen jetzt einen modernen Null-Emission Linienbus auf dem OVR-Betriebshof in Neuenstadt am Kocher. Im Rahmen des Projektes „H2 Impuls – für die Region Heilbronn-Franken“ soll der für den Antrieb benötigte Wasserstoff umweltfreundlich in der Region produziert werden. „Die Umsetzung der Verkehrswende mit Fokus auf saubere Straßenfahrzeuge zur Erreichung emissionsfreier Mobilität ist eines der vordringlichsten Themen, das die Bürgerinnen und Bürger, die Politik, Kommunen, Landkreise und die Verkehrsunternehmen derzeit umtreibt“, beschreibt OVR-Geschäftsführer Horst Windeisen.

Klimaneutral: Mit Wasserstoffbussen wie sie der Hersteller Solaris anbietet, könnte der öffentliche Verkehr im Netz der OVR emissionsfrei werden. ©OVR

Anlass für die Präsentation des Wasserstoff-Busses war der beim Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg eingereichte Förderantrag für das Projekt „H2 Impuls – für die Region Heilbronn-Franken“ im Rahmen des Förderprojektes „Modellregion grüner Wasserstoff“. Das gemeinsam mit den Projektpartnern Stadt Neuenstadt a.K., den Kommunen Hardthausen und Langenbrettach unter der Projektträgerschaft des Landkreis Heilbronn zusammen mit der Hochschule Heilbronn und mit Unterstützung der Wirtschaftsfördergesellschaft Raum Heilbronn (WfG) entwickelte Konzept sieht unter anderem vor, dass mit umweltfreundlich erzeugtem „grünen“ Wasserstoff der Öffentliche Verkehr (ÖV) im unteren Kochertal mit H2-Bussen künftig klimaneutral betrieben wird. 

Im Gewerbepark GIK in Neuenstadt, wo sich auch der OVR-Betriebshof befindet, soll hierfür eine Wasserstofftankstelle entstehen. Diese soll nicht nur dem Busverkehr zur Verfügung stehen, sondern allen Gewerbetreibenden und Logistikunternehmen die Umstellung auf Wasserstoffantrieb ermöglichen. Das Entscheidende bei dem Projekt ist die regionale Komponente: Mittels Windkraft wird im benachbarten Hardthäuser Wald beim dort angesiedelten „Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ (DLR) grüner Wasserstoff produziert. Dieser wird über kurze Wege an regionale Nutzer wie in Neuenstadt weitergegeben und vor Ort eingesetzt. Die Umweltbilanz an schädlichen Emissionen ist damit von der Produktion bis zum Endverbraucher nahe Null. Das Klima kann aufatmen.

Den geladenen Gästen präsentierte die OVR im Betriebshof in Neuenstadt die neue Technik. ©OVR

Die bei der Projektpräsentation anwesenden Kooperationspartner, darunter die Bürgermeister Norbert Heuser (Neuenstadt am Kocher), Timo Natter (Langenbrettach) und Thomas Einfalt (Hardthausen), sowie die Vertreter der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH (WfG) sind vom effizienten Einsatz und der Praxistauglichkeit von Wasserstoff beim Betrieb von Linienbussen überzeugt. Die WfG hatte die zahlreichen Beiträge der Wirtschaft und Kommunen zu einem Förderantrag für das Projekt „H2 Impuls – für die Region Heilbronn-Franken“ zusammengeführt. 

Nach der Präsentation ging es mit dem Wasserstoff-Bus auf der Strecke des Schnellbusses „Kochershuttle“ von Neuenstadt nach Heilbronn, um den verlässlichen Einsatz und die Alltagstauglichkeit der Technik zu demonstrieren. Die Vertreterin des Projektträgers Landkreis Heilbronn, Birgit Böhm-Lemcke, Leiterin des Amtes für Mobilität und Nahverkehr, zeigte sich begeistert vom hohen Fahrkomfort im elektrisch angetriebenen Wasserstoff-Bus. „Der Einsatz emissionsarmer Fahrzeuge im ÖPNV, aber auch im übrigen Nutzfahrzeugsegment, ist zukunftsweisend und ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaschutz für den Landkreis Heilbronn“, erklärte Böhm-Lemcke. Der elektrische Betrieb des ÖPNV ist ein Element des Teilprojektes „Saturn – Stadtbahn auf Rädern“, das im Förderantrag enthalten ist. 

Emissionsfreier Kochershuttle: Wasserstoffbusse könnten in Zukunft auf der Linie 620 des Schnellbusses von Neuenstadt nach Heilbronn zum Einsatz kommen. ©OVR

„Der ganzheitliche Ansatz des Projekts kombiniert emissionsfreie Mobilität, mit hohem Fahrgastkomfort im Bus und an den Haltestellen“, erläutert OVR-Geschäftsführer Horst Windeisen. „Mit verlässlichen Taktfahrplänen, elektronischer Echtzeitinformation an den Haltestellen und beschleunigtem Betrieb am Stau vorbei wird der regionale Busverkehr wesentlich attraktiver und vor allem klimaneutral.“ 

Neuenstadts Bürgermeister Norbert Heuser freute sich zum Abschluss der Fahrt, dass die interkommunale Zusammenarbeit im unteren Kochertal einen so hohen Nutzen stiftet. „Wir bereiten hier ein Modell vor, dass vorbildlich ist und auch unter Kosten-Nutzen-Aspekten in anderen Teilen des Landkreis Heilbronn, aber auch in weiteren Regionen zum Einsatz kommen kann“, ist sich Heuser sicher. Auch Horst Windeisen zeigt sich zuversichtlich: „Mit dem Einsatz von Wasserstoff-Bussen erhält das Kochertal ein zeitgemäßes ÖV-Angebot in Qualität einer elektrischen Stadtbahn – allerdings auf Gummirädern.“  (pm)

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