Besserer Radverkehr in Heilbronn bedeutet weniger Fläche für den Autoverkehr

In verschiedenen Beiträgen beleuchtet die Heilbronner Stimme die Situation für Radfahrende in Heilbronn. Unter anderem berichtet Christoph Donauer Mitte Juli 2019 darüber, Wo Radfahrer in und um Heilbronn besonders gefährlich leben. Dabei zitiert er auch den VCD in der Region Hall-Heilbronn-Hohenlohe: VCD-Vorstandsmitglied Michael Schwager betont, dass sich in Heilbronn und dem Landkreis beim Thema Radfahren viel tut. Dennoch geschieht insgesamt zu wenig, sagt Schwager: „Diese Schritte sind aus unserer Sicht viel zu zaghaft, und es wird auch nicht genug Geld für den Radverkehr beziehungsweise für Planung und Koordination zur Verfügung gestellt. Auf diesem Niveau lassen sich die angestrebten Ziele zur Erhöhung des Radverkehrsanteils am Verkehrsgeschehen nicht erreichen.“ Nötig sei eine übergeordnete Verkehrsplanung zwischen Stadt und Landkreis. 

Kopenhagen-Radverkehr_SCRITTI

Vorbild Kopenhagen: Radfahren ist sicher und macht Spaß, wenn dem Radverkehr genügend Fläche zugestanden wird. Zwei Meter Breite je Richtung sind das Minimum. ©SCRITTI

In einem weiteren, wesentlich kritischeren Beitrag vom 9. August 2019 berichtet Valerie Blass über den Kampf um den Platz in der Stadt und die Verteilung des öffentlichen Raumes für eine bessere, klimafreundlichere Mobilität. Darin kommt auch der Pressesprecher der Stadt Heilbronn zu verschiedenen Fragen zu Wort und weist auf die „baulichen Zwänge in vielen Räumen des Straßennetzes“ hin. Diese erlaubten es nicht, eine vom Kfz-Verkehr getrennte Rad-Infrastruktur anzubieten. „Hier wird, sofern möglich, der Schutzstreifen realisiert. Dort, wo es die Platzverhältnisse zulassen, haben separate und komfortable Rad-Infrastrukturen Priorität.“ In diesem Zitat wird nach VCD-Meinung sehr schön die weiterhin gültige und gescheiterte Verkehrspolitik der Stadt Heilbronn deutlich: „Komfortable“ Rad-Infrastruktur hat nur dort Platz, wo sie dem Autoverkehr nicht ins Gehege kommt! Der VCD ist davon überzeugt: Wer den Radverkehr als ernsthafte Alternative zum Autoverkehr etablieren will, muss dem Radverkehr auch genügend Straßenraum zur Verfügung stellen und dem Autoverkehr Flächen entziehen. Daran führt kein Weg vorbei.Gerade die Problematik in der Oberen- und Unteren Neckarstraße in Heilbronn zeigt deutlich, dass im Zweifelsfall der Radverkehr ausgebremst wird und es keine ernsthaften Alternativrouten gibt. Hier fordert der VCD die Sperrung der Innenstadt für den Durchgangsverkehr und stattdessen komfortable Radrouten etwa durch die parallele Gerberstraße. Gerade auf der wichtigen Radverkehrsroute in der Oberen Neckarstraße fahren munter Autos durch die Fußgängerzone oder parken auf den Radwegen, ohne dass dies von der Stadt geahndet wird. Das ist typisch für Heilbronn. Beispiele für Fehlplanungen und die Benachteiligung von Radfahrenden finden sich jede Menge im Blog „Radfahren in Heilbronn“. Auch innerhalb der Stadt gibt es weiterhin unzählige Konfliktpunkte zwischen Radverkehr und Autoverkehr, und im Zweifelsfall geht dies immer zu Lasten des Radverkehrs, da man sich oftmals nicht einmal traut, einen Parkplatz zu entwidmen, wenn sich dadurch die Situation für Radfahrende verbessern würde. Gerade in der Heilbronner Innenstadt fehlen durchgehende, sichere Fahrradrouten, die den Mobilitätsbedürfnissen von Radfahrenden folgen. Das einfache Abmarkieren von schmalen Radschutzstreifen ist zwar ein erster Schritt, es schafft aber noch keinen sicheren Radweg. Sichere Radwege benötigen eine entsprechende Breite, wie am etwa am Beispiel Kopenhagen deutlich sehen kann, und sie müssen durchgängig ohne Gefährdung der Radfahrenden zum Ziel führen. Oftmals enden in Heilbronn jedoch Radwege im Nichts, so dass es zu unnötigen, gefährlichen Situationen und Konflikten mit dem Autoverkehr und Fußgängern kommt, wie etwa am Unfallschwerpunkt in der Neckarsulmer Straße.

VCD-Straßen-Umgestaltung

Perspektiven: Im Buch „Mit Füßen und Pedalen“ zeigt der VCD seine Vision der urbanen Zukunft

Der VCD hat unter anderem bereits 2017 zusammen mit der Lokalen Agenda 21 konkrete Verbesserungsvorschläge für den Radverkehr gemacht, aber die Umsetzung scheitert oftmals am nicht vorhandenen Geld und Personal. Dem Ziel, Städte wieder lebenswerter zu machen, widmet sich auch die bundesweite VCD-Kampagne „Straße zurückerobern“. Im Buch „Mit Füßen und Pedalen“ zeigt der VCD seine Vision der urbanen Zukunft: Straßen und Plätze sind ein öffentliches Wohnzimmer, Pflanzen und Sitzgelegenheiten sorgen für hohe Aufenthaltsqualität, es gibt Plätze, um Freunde und Nachbarn zu treffen.  (mgr)

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