Stadtbahn Süd: Fortschritte bei der Verwirklichung des „TramTrain Bottwartal“

BottwartalbahnNeuigkeiten gibt es von der Bürgeraktion Bottwartalbahn zum Wiederaufbau der ehemaligen Bottwartalbahn als moderne Stadtbahn von Marbach bis in die Heilbronner City. „In den letzten Monaten gab es zahlreiche Vortragstermine, Termine für Gespräche mit den Bürgermeistern, Ortsbesichtigungen und Diskussionen mit den politischen Vertretern“, berichtet Sprecher Hans-Joachim Knupfer. Den Anlass dazu gab zunächst eine politische Anregung aus Marbach mit dem Ziel, das bestehende (und rechtlich gewidmete) Eisenbahngleis der Bottwarbahn in Marbach, die 1,7 km bis zum ehemaligen Abzweig zum einstigen Kraftwerk Marbach, in einen Radweg umzuwidmen. Unabhängig davon, aber zeitlich parallel erschien der Entwurf zum neuen Regionalverkehrsplan der Region Stuttgart, der – wie schon im letzten Plan, der vor weit über zehn Jahren erschien – die Freihaltetrasse für eine Stadtbahnstrecke zwischen Marbach und Beilstein als „Vorhaben hoher Dringlichkeit“ einstuft. Bis dahin war die politische Haltung im Bottwartal oft etwa so: Wenn „Stuttgart“ schon so viele Jahre „hohe Dringlichkeit“ sehe, aber niemand etwas für dieses Vorhaben tue, dann könne es auch nicht so wichtig sein.

„Die aktuelle Diskussion in der Region Stuttgart um die Luftbelastung durch den Autoverkehr und diskutierte Fahrverbote haben aber in den letzten Monaten ganz offensichtlich ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern bewirkt“, stellt Knupfer fest. Mit jedem Monat, in dem die Initiative größere Auszüge und Zusammenhänge ihrer Entwürfe für ein aktuelles Stadtbahnkonzept präsentierten, wuchs die einhellige Zustimmung in den politischen Lagern.


Aufgrund dessen haben die Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn inzwischen in Aussicht gestellt, dass eine offizielle neue Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden soll. Die Anliegergemeinden zwischen Heilbronner Land und Marbach sind gebeten worden, zu beschließen, ob sie dies gutheißen und ob sie sich an den Kosten für die Studie beteiligen. Inzwischen haben sich die Gemeinden grundsätzlich für die Erstellung der Studie ausgesprochen. Diese soll im Herbst 2017 vergeben werden. Fällt diese Studie – eine neuerliche grobe Vorabschätzung von Aufwand, Kosten und Nutzen – günstig aus, sprich sie kommt zu der Aussage, dass (diesmal) ein positiver Nutzen-Kosten-Faktor zu erwarten wäre, dann könnte und dürfte eine vertiefende Studie folgen, die gleichzeitig Grundlage wäre für einen Förderantrag für das Vorhaben. Beobachter sagen, dass auch der erste Teil der Studie nur absolviert wird, wenn bereits absehbar ist, dass die Grundsatzeinschätzung günstig ausfallen wird, denn man möchte keine Absage mehr riskieren. Eben diese positive Grundeinschätzung scheint aber heuer der Fall zu sein, im Gegensatz zu den früheren Studien.

Nach der eigenen groben Berechnung eines aussagefähigen Faktors – des Verhältnisses von Einwohnerzahl (Kernorte, also nur jene direkt an der Bahn) zu Streckenlänge – resultiert das ‚Netz von Beilstein‘, also die beiden Äste Beilstein–Heilbronn und Beilstein-Marbach, zu einem Wert von rund 1.800 Einwohnern pro Kilometer. Zum Vergleich: Die Strohgäubahn Korntal-Heimerdingen kommt auf etwa 1.500, die Zabergäubahn Lauffen-Zaberfeld auf etwa 1.000, die S-Bahn S 4 Marbach-Backnang auf etwa 900 Einwohner/km. Der TramTrain Beilstein würde alleine in den Kernorten etwa 56.000 Einwohner anbinden.

„Selbstverständlich schlagen wir vor, im Schozachgau nicht der alten Bahntrasse durchs Schozachtal zu folgen, sondern die dichter bevölkerten Orte anzufahren, nämlich Ilsfeld, Abstatt, Untergruppenbach und Flein, bevor der Heilbronner Süden direkt von Süden erreicht wird, ohne Zusammenhang mit der „alten“ Bahn“, erläutert Knupfer. Allerdings decke sich dieser Vorschlag – wie sich nach und nach herausgestellt hat – mit einer offiziellen Variante des Regionalverbandes Heilbronn-Franken, der auch dem Gemeindeverwaltungsverband im Schozachtal bekannt ist. Für die öffentliche Diskussion empfehlen die dortigen Gemeinden aber im Moment, solche Details einer offiziellen neuen Untersuchung zu überlassen.

Was ist an den aktuellen Anregungen neu gegenüber den Rahmenbedingungen der vormaligen amtlichen Untersuchungen? Die Bürgeraktion Bottwartalbahn schlägt vor:

– Anbindung an das Stadtbahnnetz Heilbronn anstatt ein separater Betrieb nur zwischen Marbach und Beilstein, Durchmesserlinie City Heilbronn – Richtung Neckarsulm
– Einbezug in das vorhandene Betriebskonzept der Zweisystem-Stadtbahn (‚TramTrain‘) Heilbronn/Karlsruhe anstatt eine andere Betriebsform (also keine S-Bahn/keine Eisenbahn)
– Möglichst siedlungsnahe Trassierung mit siedlungskernnahen Haltestellen statt eines ortsfernen Verlaufes mit wenigen „Großbahnhöfen“, für die es Autozubringer braucht
– Verzicht auf höhenfreie Querungen, also keine Brücken, Unterführungen, hohe Dämme usw., sondern wo immer es geht höhengleiche Bahnübergänge (ist bei Stadtbahn erlaubt)
– Verzicht auf teure Ingenieurbauwerke wie Untertunnelungen usw.
– Als Kompromiss im Einzelfall kurze Mitbenutzung der öffentlichen Straßen und Wege

„Durch diese Parameter lassen sich geringere Baukosten, wesentlich höhere Fahrgastzahlen und eine raschere Verwirklichung erreichen“, sagt Knupfer. Fraktionen, Gemeinderäte und Kommunalverwaltungen nutzten bereits diese Argumentation, die Vorarbeit sei von zahlreichen Seiten gelobt worden. Nach Aussage des Verkehrsexperten Gerhard Schnaitmann, Tübingen, sei ein Nutzen-Kosten-Faktor von 2,0, also ein sehr guter Wert, realistisch.

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