Stadtbahn Nord wird auch im Juni nicht weiter fahren

14 02 2014

ET2010 AVG neue Stadtbahn

ET2010 AVG neue Stadtbahn

Wie jetzt bekannt wurde, ist auch der Juni-Termin für die Aufnahme des Betriebes der Stadtbahn Nord bis Mosbach-Neckarelz nicht zu halten. Wie die Heilbronner Stimme aktuell berichtet, bekommen die neuen Zweisystem-Züge der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) immer noch keine Zulassung für den Betrieb auf Eisenbahnstrecken. Sie können daher weiterhin nur als Straßenbahn zwischen Neckarsulm und Heilbronn verkehren. Angeblich hat die AVG in einem Schreiben dem Heilbronner Landratsamt mitgeteilt, dass eine Betriebsaufnahme im Sommer „ausgeschlossen“ sei. Die nächste Möglichkeit für eine Verlängerung der Stadtbahnverbindung könnte jetzt laut Landratsamt der Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 sein. Bisher sei das aber noch nicht absehbar. Ursprünglich sollte die Stadtbahn im Dezember 2014 nach Abschluss der Bauarbeiten an der Strecke auch nach Sinsheim fahren.
Wie aus Berichten der Heilbronner Stimme hervorgeht, sind die Probleme mit den neuen Fahrzeugen wohl doch größer als bislang gedacht: „Die AVG war nach eigener Aussage erst vor einer knappen Woche von Bombardier darüber informiert worden, dass aus der Zulassung bis Juni nichts wird. Die Fahrzeuge hatten einen „Gleisschaltmittelnachweis“ nicht erfüllt und waren durch den „Wankpoltest“ gefallen. Letzterer testet laut Tilo Elser, Geschäftsführer der Stadtwerke Heilbronn, ob sich der Zug in Kurven nicht zu sehr zur Seite neigt. Der Nachweis der Gleisschaltmittel zeigt, ob das Fahrzeug beim Überfahren der Gleise Signale und Kontakte richtig auslöst.“ Zudem hat die AVG nach Angaben aus dem Landesverkehrsministerium immer noch keinen Verkehrsvertrag für die geplanten Fahrten nach Mosbach oder Sinsheim. Nun rächt sich auch, dass die politischen Verantwortlichen in der Region blind und naiv dem Unternehmen AVG vertraut haben, dieses ohne Ausschreibung mit dem Stadtbahn-Verkehr beauftragten und zudem noch kritiklos den Steuerbeutel weit geöffnet haben für unausgereifte, teure und bei der Innenausstattung unbequeme Zweisystem-Straßenbahnen.
In einem Kommentar wirft HSt-Chefredakteur Uwe-Ralf Heer allen Verantwortlichen komplettes „Versagen“ vor, auch die kommunale Aufsicht habe versagt: „Hier üben sich ein paar Amateure an einem Projekt, das sie absolut nicht überschauen. (…) Teure Züge werden nicht geliefert, Sicherheitsüberprüfungen kommen zu spät – wie kann so ein Millionenprojekt so dilettantisch vorbereitet werden?“ Das fragt sich nicht nur der Chefregakteur. (mgr)


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2 responses

18 02 2014
eipur

Dies ist anscheinend in Deutschland inzwischen gang und gäbe. Das Markenzeichen Made in Germany wird meines Erachtens so doch ziemlich stark beschädigt. Was ist mit Strafen für eine Firma wie Bombardier, die nicht rechtzeitig einwandfreie Ware liefert? Da ist die AVG wohl sehr blauäugig zu Werke gegangen. Aber auch sonst ist das Projekt einfach diletantisch angegangen worden.
Bei Inbetriebnahme waren noch nicht mal die Bahnsteige fertig, alles irgendwie halb aber nichts Ganzes.
Man kommt sich vor wie bei Deutschland’s Superprojekt Grossflughafen Berlin da siehts auch nicht besser aus.
Und vor der Haustür haben wir noch so ein Projekt Stuttgart 21, da hoffe ich mal, dass es das hält was die Bahn verspricht, nur allein mir fehlt der Glaube.

Also warten wir weiter auf die Stadtbahn, obwohl die Deutsche Bahn schon teilweise die Züge angepasst hat und die Leute auf der Strecke von Heilbronn nach Stuttgart bereits ab Besigheim im Zug stehen müssen und keinen Sitzplatz mehr finden, weil man sinnigerweise das Platzangebot verringert hat. Auch das hat meines Erachtens mit Stadtbahn zu tun. Aber die Hoffnung bleibt, dass das Projekt hoffentlich Ende 2015 dann abgeschlossen wird. Ob dies dann Frühjahr ist, oder doch bis zum Fahrplanwechsel dauert ist dann unerheblich.

Den Imageschaden hat die Region trotzdem.

18 02 2014
scritti

Da die Stadtbahnen in der Regel nur in Doppeltraktion fahren können, stellt sich auch die Frage, ob die Kapazitäten in Richtung Mosbach-Neckarelz, wo heute moderne Doppelstockwagen im Einsatz sind, in den eher unbequemen Straßenbahnen überhaupt ausreichen werden…

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