Ist der VCD mit der Stadtbahn Heilbronn rundum zufrieden?
Im großen und ganzen funktioniert die Stadtbahn auf der Ost-West-Achse Eppingen–Heilbronn–Öhringen und übertrifft die Erwartungen. Das zeigen die stetig steigenden Fahrgastzahlen: Wenn das Angebot stimmt, wird es von den Kunden auch genutzt. Heute mutet es geradezu bizarr an, dass die Bundesbahn einst sogar das zweite Gleis der Hohenlohebahn wegen mangelnder Rentabilität abbauen wollte.
Es gibt aber auch problematische Bereiche, vor allem im Kundenservice: Dazu zählen mangelhafte Busanschlüsse, ungenügende Fahrgastinformation oder die schlechte Zusammenarbeit der Verantwortlichen. Ein großes Problem gerade an der Strecke nach Öhringen ist auch der Vandalismus an den Haltestellen.
Ist der Fahrplan nicht optimal?
Der Fahrplan-Takt ist relativ dicht, an manchen Stellen gibt es jedoch Lücken. Wichtig wäre, dass die Eilzüge aus Karlsruhe grundsätzlich bis Weinsberg fahren und nicht teilweise am Pfühlpark enden. Das erleichtert den Fahrgästen die Orientierung, die Busanschlüsse könnten dann verlässlich auf diese Züge ausgerichtet werden.
Sinnvoll wären auch weitere Sprinter-Züge, die in rund 60 Minuten nach Karlsruhe Hbf fahren. Diese Züge sind sehr gut nachgefragt.
Probleme gibt es vor allem abends: Hier sollte der Takt noch weiter verdichtet werden, um weitere Fahrgastpotenziale zu erschließen. Wer nur noch einmal pro Stunde von Heilbronn wieder nach Hause fahren kann, der überlegt es sich zweimal, ob er nicht doch lieber das Auto nutzt. Hier muss sich auch der Öffentliche Verkehr dem Freizeitverhalten seiner Nutzer besser anpassen.
Viele Kunden kritisieren auch, dass die Bahnen aus Öhringen abends alle am Heilbronner Hauptbahnhof enden und man nicht ohne Umsteigen und Wartezeiten weiter Richtung Leingarten und Eppingen fahren kann.
Außerdem gibt es auf diesen beiden Linien-Ästen ein Ungleichgewicht: Während etwa sonntags nur ein Zug pro Stunde von Öhringen nach Heilbronn fährt, sind in Richtung Schwaigern und Eppingen dagegen drei unterwegs.
Eine große Lücke im Fahrplan gibt es auch am Samstagabend: Es fehlt aus dem Weinsberger Tal eine Fahrt, mit der man rechtzeitig kurz vor 20 Uhr in Heilbronn sein kann, um zum Beispiel ins Kino zu gehen oder Veranstaltungen zu besuchen.
Was kritisiert der VCD an der Kundeninformation?
Wir hören immer wieder von Fällen, dass Züge Verspätung haben oder ganz ausfallen und es an den Haltestellen keinerlei Info dazu gibt. Fahrgäste sind dann zurecht verärgert, denn schließlich wollen sie wissen, ob und wie es weiter geht.
Das Problem ließe sich lösen, wenn an allen Haltestellen elektronische Anzeigetafeln wären, die Fahrplan-Infos in Echtzeit anzeigen: Also wann fährt der nächste Zug tatsächlich und nicht wie in der Heilbronner Innenstadt: Wann würde er fahren, wenn er pünktlich wäre. Solche Systeme sind heute im ÖV Standard und in vielen Großstädten auch an Bushaltestellen üblich. Heutzutage gibt es Fahrgast-Info-Systeme, die auf Mobilfunk-Basis funktionieren, man müsste also keine teuren Kabel verlegen.
Auch bei Werbung und Marketing könnte noch viel mehr getan werden, um noch mehr Kunden von den Vorzügen der Stadtbahn und des Öffentlichen Verkehrs zu überzeugen.
Wie sieht es mit den Busanschlüssen aus?
Das ist vor allem im Landkreis ein großes Problem, hier gibt es die meisten Klagen von Fahrgästen. Der Busfahrplan ist mit Ausnahmen übersät, orientiert sich nicht an den Bedürfnissen der Kunden und folgt nach wie vor nicht den Regeln des Integralen Taktfahrplans, die ja gerade die Stadtbahn so erfolgreich machen.
In Weinsberg, aber auch in Leingarten oder Willsbach sind die Fahrpläne so gestaltet, dass oft der Bus gerade dann los fährt, wenn die Stadtbahn den Bahnhof erreicht. In Weinsberg nimmt der Bus zum Beispiel kaum Rücksicht auf die Stadtbahnen aus Richtung Öhringen. In Willsbach fährt abends der letzte Bus nach Löwenstein um 19:48 Uhr, die Stadtbahn aus Öhringen kommt aber um 19:53 Uhr an.
Der Wechsel von Schulzeit- zu Ferienfahrplan mit Änderungen der Fahrzeiten und Fahrwege macht das Chaos komplett. Die Folgen kann man anschaulich sehen: Außerhalb des Schülerverkehrs sind die Busse oft leer. Samstags oder sonntags fährt niemand mit, weil es viel zu wenig Fahrten gibt und man deshalb keinen Ausflug mit dem ÖV planen kann.
Außerdem passt ein annähernder Halbstunden-Takt beim Bus überhaupt nicht zum 20-Minuten-Takt bei der Stadtbahn. Das lässt sich nie unter einen Hut bekommen.
Wie könnte man die Anschlüsse verbessern?
Zum Beispiel indem man den Fahrplan der Stadtbahn so gestaltet, dass die Bahnen an Knotenpunkten möglichst zeitgleich aus beiden Richtungen eintreffen, damit auch der Bus einen guten Anschluss in beide Richtungen bieten kann. Auch der Busverkehr muss sich am Integralen Taktfahrplan orientieren, die Abfahrtzeiten müssen immer gleich sein, ebenso der Linienweg. Den Schülerverkehr kann man auch außerhalb des regulären Fahrplans abwickeln, anstatt diesen regelmäßig über den Haufen zu werfen.
Auch der Bus darf den Betrieb nicht einfach um 20 Uhr einstellen, so als würde bis 1 Uhr keine Stadtbahn mehr fahren. Und auch am Sonntag sollten die Buslinien wie die Stadtbahn im Stundentakt verkehren. Wenn die Region für ein solch notwendiges Angebot kein Geld hat, dann sollte sie eben wie andere Regionen den Busverkehr ausschreiben, um mehr Leistung für weniger Geld zu bekommen.
Was könnte man gegen den Vandalismus tun?
Die sinnlose Zerstörungswut an vielen Stadtbahn-Haltestellen ist erschreckend. Man trifft immer wieder auf eingeschlagene Scheiben oder demolierte Fahrkartenautomaten. Viele Fahrgäste fühlen sich vor allem abends von pöbelnden Jugendlichen in den Zügen belästigt oder haben gar Angst, überhaupt mit dem Zug zu fahren. Hier helfen wohl nur Sicherheitsdienste, die abends in den Zügen mit fahren. An besonders kritischen Haltestellen wie Ellhofen-Gewerbegebiet sollte man überlegen, ob man nicht Überwachungskameras installiert. Das Problem mit Vandalismus an stationären Automaten hat die AVG ja schon teilweise gelöst, indem sie die Automaten in der Stadtbahn installiert. Der Heilbronner Verkehrsverbund sollte daher endlich aufhören, Kunden, die ihr Ticket ganz legal im Zug erwerben, als potenzielle Schwarzfahrer zu kriminalisieren.
Wie sieht der VCD den weiteren Ausbau des Stadtbahn-Netzes?
Der weitere Ausbau des Netzes ist wichtig, er vollzieht sich aber viel zu langsam. Erinnern wir uns: Ursprünglich sollte die Nordstrecke spätestens 2010 in Betrieb sein. Heute reden wir von 2012, in Fachkreisen wird sogar dieser Termin als unrealistisch angesehen. In anderen Städten wie bei der RegioTram in Kassel geht so etwas viel schneller.
Der Ausbau weiterer Bahnlinien für die Stadtbahn darf auch nicht dazu führen, dass das heutige Zugangebot einfach durch Stadtbahnen ersetzt wird. Die Stadtbahn ist und bleibt eine S-Bahn für den Nahverkehr und kann schnelle Bahnverbindungen von Großstadt zu Großstadt nicht ersetzen.
Außerdem sollte man auch überlegen, innerhalb von Heilbronn weitere Tram-Strecken zu bauen, um zum Beispiel die künftige Neckarstadt optimal mit dem ÖV zu erschließen. Auch eine Linie am linken Neckarufer über Neckargartach nach Bad Wimpfen könnte sinnvoll sein.
Haben Strecken wie die Zabergäubahn oder nach Künzelsau eine Zukunft?
Aber sicher! Hier sollte man neuste Technik nutzen und zum Beispiel Hybridfahrzeuge einsetzen. Diese verfügen über einen zusätzlichen Dieselmotor und können wie in Kassel auch auf Strecken ohne elektrische Oberleitung fahren. So könnte man für wesentlich niedrigere Kosten als bisher die Zabergäubahn reaktivieren oder schon heute mit der Stadtbahn bis Schwäbisch Hall durchfahren.
Viele Kommunen der Region scheuen inzwischen die mit dem Stadtbahn-Ausbau verbundenen Kosten…
Auch bei der Finanzierung der Stadtbahn muss endlich Transparenz einziehen. Kommunen, die für die Stadtbahn bezahlen, müssen auch wissen, was mit ihrem Geld passiert. Es kann nicht sein, dass Gemeinden den Bau von Bahnsteigen finanzieren, die anschließend ins Eigentum der Deutschen Bahn (DB) übergehen und diese dann für jede haltende Stadtbahn Gebühren verlangt und sich eine goldene Nase verdient.
Durch diese Politik des Bundesunternehmens DB AG wurde viel Porzellan zerschlagen und Vertrauen verspielt. Viele Kommunen haben den Eindruck, abkassiert zu werden. Das hat dazu geführt, dass die Stadtbahn für viele Kommunen inzwischen ein Rotes Tuch ist. Sie sehen weniger die Vorteile einer guten ÖV-Anbindung als eine nicht kalkulierbare Kostenlawine, die mit der Stadtbahn auf sie zu kommt. Kein Wunder, sie zahlen ja auch doppelt: Zuerst für den Ausbau der Infrastruktur und dann nochmals Gebühren für die Nutzung derselben!
Wenn die Region den Ausbau von Bahnstrecken finanziert, dann sollte sie in Zukunft auch Einflussmöglichkeiten darauf haben. Wenn die Deutsche Bahn hier nicht mitspielt, dann sollte man prüfen, ob man die Strecke nicht von der DB übernehmen kann und dann selbst preiswerter ausbaut. Es könnte auch von Neckarsulm bis Jagstfeld eine neue Tram-Strecke gebaut werden, die dann auch im Eigentum der Region bleibt.
Und wenn Kommunen oder Region zum Beispiel Stadtbahn-Fahrzeuge finanzieren, dann sollten diese auch im Eigentum der Region bleiben und an die Betreiber vermietet werden.
Wie könnte der ÖV in der Region künftig besser organisiert werden?
Mit dem Durcheinander von Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen, dem Hin- und Herschieben von Verantwortung muss endlich Schluss sein. Es kann nicht sein, dass mal die Stadtwerke Heilbronn, mal die AVG, mal die Nahverkehrsgesellschaft BaWü, mal der Landkreis oder die Deutsche Bahn zuständig sind. Bei Problemen fühlt sich dann sehr schnell gar niemand mehr verantwortlich.
Es muss in Zukunft eine fachlich kompetente, regionale Aufgabenträger-Organisation geben, nicht nur für die Stadtbahn, sondern für den gesamten ÖV in der Region. Diese sollte den gesamten Ballungsraum im Blick haben und endlich über den Tellerrand einzelner Kommunen hinaus blicken. Das kann ein Zweckverband sein oder im Rahmen des Verkehrsverbundes geschehen. Wichtig ist, dass auf dieser Ebene endlich kompetenter und kreativer Sachverstand agiert und nicht nur verwaltet und Geld hin- und hergeschoben wird.
Der Aufgabenträger analysiert den wirklichen Bedarf nach Mobilität, koordiniert die einzelnen Verkehrsträger und beauftragt letzten Endes die Verkehrsunternehmen, entsprechenden Leistungen zu erbringen. Natürlich muss er auch regelmäßig die Qualität der Leistungen kontrollieren und die Bedürfnisse der Fahrgäste im Blick haben. Sollten die Leistungen nicht zufriedenstellend oder zu teuer sein, muss man diese eben ausschreiben und nach anderen Betreibern suchen. Wenn die Region daher ihre eigenen Fahrzeuge hätte, dann wäre es am Ende auch egal, ob der Zugführer am Steuer der Stadtbahn von der AVG, der Deutschen Bahn oder den Stadtwerken Heilbronn kommt.
ich würde mich sehr freuen, wenn die s4 von hn nach waldenburg fahren würde und die letzte bahn erst gegen 3 uhr morgends fahren würde!
dann könnte man in discos gehen und mit der stadtbahn heimfahren, dann gibt es weniger unfälle und keine diskusionen, wer fahren soll!